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<journal-title>forTEXT</journal-title>
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<issn publication-format="electronic">2943-212X</issn>
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<publisher-name>Universitäts- und Landesbibliothek
Darmstadt</publisher-name>
<publisher-loc>Darmstadt</publisher-loc>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/fortext.4075</article-id>
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<article-title>Textauszeichnung: Digitale Edition und
Kommentierung</article-title>
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<surname>Hegel</surname>
<given-names>Philipp</given-names>
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<email>Philipp.Hegel@adwmainz.de</email>
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<contrib-id contrib-id-type="orcid">https://orcid.org/0000-0002-5843-7577</contrib-id>
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<surname>Brookshire</surname>
<given-names>Patrick D.</given-names>
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<email>Patrick.Brookshire@adwmainz.de</email>
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<institution>Akademie der Wissenschaften und der Literatur
Mainz</institution>
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<issue>1</issue>
<issue-title>Textannotation in der Hochschullehre</issue-title>
<pub-date date-type="pub" publication-format="electronic" iso-8601-date="15.08.2025">
    <year>2025</year>
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      <date date-type="received" iso-8601-date="2024-10-15">
          <year>2024</year>
    </date>
        <date date-type="accepted" iso-8601-date="2025-07-03">
       <year>2025</year>
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<copyright-statement>© 2025 The authors. Published under a CC BY
license.</copyright-statement>
<copyright-year>2025</copyright-year>
<copyright-holder>Philipp Hegel/copyright-holder>
<copyright-holder>Patrick Brookshire</copyright-holder>
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<license-p>-This work is licensed under a Creative Commons Attribution
4.0 International License.</license-p>
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<kwd>Digitale Editorik</kwd>
<kwd>Text Encoding Initiative</kwd>
<kwd>X-Technologien</kwd>
<kwd>Briefedition</kwd>
<kwd>Masterstudium</kwd>
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<sec id="abstract">
  <title>Abstract</title>
  <p>Dieses Lehrkonzept stellt eine einsemestrige Lehrveranstaltung vor,
  die Kompetenzen der digitalen Editorik im Rahmen der Hochschullehre
  vermittelt. Ziel der Lehrveranstaltung ist die Vermittlung
  theoretischer und praktischer Kenntnisse des Edierens mit XML. Dafür
  werden Schriftstücke aus dem Liebesbriefarchiv transkribiert und
  kommentiert. Gefragt wird in dieser Darstellung nach den Möglichkeiten
  und Grenzen selbstregulierten Lernens im Rahmen dieser
  Veranstaltung.</p>
</sec>
<sec id="inhalt">
  <title>Inhalt</title>
  <list list-type="order">
    <list-item>
      <p>Einführung</p>
    </list-item>
    <list-item>
      <p>Gesamtablauf</p>
    </list-item>
    <list-item>
      <p>Tabellarische Sitzungsübersicht</p>
    </list-item>
    <list-item>
      <p>Seminarsitzungen im Detail</p>
    </list-item>
    <list-item>
      <p>Reflexion</p>
    </list-item>
  </list>
</sec>
<sec id="einführung1">
  <title>1 Einführung<xref ref-type="fn" rid="fn1">1</xref></title>
  <p>Ziel der folgenden Darstellung ist nicht, den Inhalt der
  Veranstaltung vollständig darzubieten und eine unmittelbare
  Nachnutzung zu ermöglichen, da dies bei 14 Sitzungen den gebotenen
  Umfang übersteigen würde. Zudem liegen zu wesentlichen Inhalten der
  Veranstaltung, nämlich zu XML, zum „Dialekt“ der Text Encoding
  Initiative (TEI) und auch zu den im Bereich der digitalen Editorik
  besonders relevanten TEI-Modulen bereits ausreichend Lehrmaterialien
  vor (siehe
  <xref alt="Burghart und Pierazzo 2017" rid="ref-Burghart-2017" ref-type="bibr">Burghart
  und Pierazzo 2017</xref>;
  <xref alt="Schöch 2014" rid="ref-Schoech-2014" ref-type="bibr">Schöch
  2014</xref> oder
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://www.teibyexample.org/">TEI
  by Example</ext-link>). Die Darstellung reflektiert vielmehr die
  Ansprüche an das Lehrkonzept und bereits vorgenommene Anpassungen.
  Darüber hinaus zeigt ein Vergleich mit einer ähnlichen
  Lehrveranstaltung weitere Anpassungsmöglichkeiten an eigene Angebote
  auf.</p>
  <p>Die Lehrinhalte können dem Bereich der digitalen Textannotation
  zugeordnet werden (siehe
  <xref alt="Rapp 2017, 255" rid="ref-Rapp-2017" ref-type="bibr">Rapp
  2017, 255</xref>). In der digitalen Editorik haben sich seit den
  1980er Jahren die Vorschläge der TEI verbreitet. Sie werden auch in
  Richtlinien und Vorgaben von Förderinstitutionen (siehe zum Beispiel
  <xref alt="Deutsche Forschungsgemeinschaft 2015" rid="ref-DFG-2015" ref-type="bibr">Deutsche
  Forschungsgemeinschaft 2015</xref>) nahegelegt oder gefordert. Die
  Vorschläge der TEI beziehen sich auf die Auszeichnungssprache XML.
  Derartige Sprachen können nicht nur Informationen zu Formatierungen
  vom eigentlichen Text trennen, sondern auch Strukturen wie Abschnitte
  und Absätze markieren (siehe
  <xref alt="DeRose u. a. 1990" rid="ref-DeRose-1990" ref-type="bibr">DeRose
  u. a. 1990</xref>;
  <xref alt="Goldfarb 1981" rid="ref-Goldfarb-1981" ref-type="bibr">Goldfarb
  1981</xref>;
  <xref alt="Goldfarb und Prescod 2004, 7–10" rid="ref-Goldfarb-2004" ref-type="bibr">Goldfarb
  und Prescod 2004, 7–10</xref>). Die in XML gegebene Erweiterbarkeit
  erlaubt zudem Anpassungen, um mit Annotationen regelgeleitet und
  maschinenlesbar unter anderem linguistisch, literaturwissenschaftlich
  und editionsphilologisch relevante Textmerkmale und Schreibphänomene
  auszuzeichnen. Die Annotationsschemata sind zum einen ein Modell des
  interessierenden Gegenstandes; zum anderen bilden sie die Grundlage
  für Suchen und Datenanalysen, in welche die annotierten Dokumente
  einbezogen werden können.</p>
  <sec id="rahmenbedingungen">
    <title>1.1 Rahmenbedingungen</title>
    <p>Dieser Beitrag stellt ein Konzept für die Vermittlung digitaler
    Editorik im Rahmen der Hochschullehre vor, das von einem der
    Autoren, Philipp Hegel, im Kurs <italic>Textauszeichnung</italic>
    des Masterstudiengangs <italic>Literary and Linguistic
    Computing</italic> an der Technischen Universität Darmstadt
    angewendet wird und auf Erfahrungen aus Projektberatungen basiert.
    Das Konzept wurde über mehr als zehn Jahre erprobt und angepasst.
    Behandelt werden digitalisierte Privatbriefe der 1950er Jahre aus
    dem
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://liebesbriefarchiv.de/">Liebesbriefarchiv</ext-link>,
    die in einem Projekt des Dozenten untersucht werden. Dabei liegen
    Schwerpunkte auf der Transkription und dem Kommentieren der Briefe.
    Ziel der Lehrveranstaltung ist die Vermittlung theoretischer und
    praktischer Grundkenntnisse des digitalen Editierens und
    entsprechender Auszeichnungssprachen.</p>
    <p>An der Lehrveranstaltung nehmen in der Regel fünf bis fünfzehn
    Studierende teil und der Arbeitsaufwand entspricht fünf
    Leistungspunkten. Zur Prüfungsleistung zählen die aktive Teilnahme
    in Form von Beteiligungen an praktischen Übungen, zwei
    Präsentationen, die als Zwischenberichte dienen, sowie
    Projektarbeiten in Form von zehn transkribierten und kommentierten
    Briefen im XML-Format. Alle Sitzungen finden in der Regel synchron
    in Präsenz statt. Die Zahl der Sitzungen kann variieren, wobei im
    Folgenden von 14 Semesterwochen ausgegangen wird und jede Sitzung 90
    Minuten umfasst.</p>
  </sec>
  <sec id="voraussetzungen-der-teilnehmenden">
    <title>1.2 Voraussetzungen der Teilnehmenden</title>
    <p>Es werden digitale Kompetenzen vorausgesetzt, weshalb sich die
    Lehrveranstaltung dezidiert an Masterstudierende richtet.
    Kursteilnehmende verfügen über grundlegende Kenntnisse und
    Erfahrungen im Programmieren, haben mit X-Technologien, welche im
    Seminar eine zentrale Rolle spielen, jedoch zuvor meist wenig
    Kontakt gehabt. Zudem wird vorausgesetzt, dass Teilnehmende
    eigenständig geeignete Lernstrategien anwenden können und mit dem
    wissenschaftlichen Arbeiten vertraut sind.</p>
    <p>Technisch wird außerdem eine Klassenraumlizenz für den
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://www.oxygenxml.com/">Oxygen
    XML Editor</ext-link> vorausgesetzt sowie eine dazu passende
    Hardwareausstattung der Studierenden. Die in der Lehrveranstaltung
    gemachten technischen Voraussetzungen haben sich bisher nicht als
    problematisch erwiesen. Es wird versucht, Studierende dazu zu
    motivieren, etwaige Hindernisse anzusprechen. Sollten
    Schwierigkeiten benannt oder offenkundig werden, werden Lösungen
    seitens des Dozenten in Kooperation mit dem Institut und der
    Hochschule gesucht. Studierende werden im Rahmen des Kurses auf
    Unterstützungsangebote wie die Studienberatung und
    Mentoringprogramme am Institut sowie auf Beratungsstellen an der
    Universität hingewiesen.</p>
  </sec>
  <sec id="ausführungen-der-lehrveranstaltung">
    <title>1.3 Ausführungen der Lehrveranstaltung</title>
    <sec id="lehrmaterial">
      <title>1.3.1 Lehrmaterial</title>
      <p>Zur Durchführung der Lehrveranstaltung werden verschiedene
      Materialien bzw. Medien genutzt und benötigt: Präsentationsfolien,
      der Oxygen XML Editor sowie eine WLAN-Verbindung. Für besondere
      Fragen werden Bildschirmaufnahmen erstellt. Auf der Lernplattform
      werden diese ebenso wie die zu lesenden Texte hinterlegt. Die
      Lehrmaterialien wurden vom Dozenten selbst erstellt und
      angepasst.</p>
    </sec>
    <sec id="aufgabentypen">
      <title>1.3.2 Aufgabentypen</title>
      <p>Es gibt wöchentliche Aufgaben (s. Spalte <italic>Aufgabe zur
      nächsten Sitzung</italic> in der tabellarischen
      Sitzungsübersicht). In den Sitzungen selbst werden Ratespiele und
      Gruppenarbeiten durchgeführt. Zudem sind zwei Zwischenberichte
      vorgesehen, die als eine Art „Hackathon“ veranstaltet werden, bei
      denen Studierende Kodierungsvorschläge diskutieren,
      Schwierigkeiten bei der Transkription lösen und
      kommentierungsbedürftige Stellen klären (siehe zum Hackathon als
      „temporäres Labor“
      <xref alt="Trilcke und Fischer 2018" rid="ref-Trilcke-2018" ref-type="bibr">Trilcke
      und Fischer 2018</xref>; zur Umsetzung in der akademischen Lehre,
      <xref alt="Mischke, Trilcke und Sluyter-Gäthje 2022" rid="ref-Mischke-2022" ref-type="bibr">Mischke,
      Trilcke und Sluyter-Gäthje 2022</xref>).</p>
    </sec>
    <sec id="lehrstrategischer-ansatz">
      <title>1.3.3 Lehrstrategischer Ansatz</title>
      <p>Die Struktur des Kurses hängt eng mit dem gewählten
      lehrstrategischen Ansatz zusammen, der auf Selbstregulation setzt
      (siehe hierzu zusammenfassend
      <xref alt="Landmann u. a. 2015, 53" rid="ref-Landmann-2015" ref-type="bibr">Landmann
      u. a. 2015, 53</xref>). Der Planung, Beobachtung, Reflexion und
      Anpassung von Motivationen, Verfahren und Zielsetzungen im
      Lernprozess durch die Studierenden selbst sind jedoch
      institutionelle und organisatorische Grenzen gesetzt. Zum einen
      sind curriculare Lernziele vorgegeben, zum anderen müssen am Ende
      Noten für vergleichbare Leistungen vergeben werden (vgl. zu diesen
      Schwierigkeiten
      <xref alt="Boekaerts und Niemivirta 2000, 418–419, 432" rid="ref-Boekaerts-2000" ref-type="bibr">Boekaerts
      und Niemivirta 2000, 418–419, 432</xref>;
      <xref alt="Götz und Nett 2017, 148" rid="ref-Goetz-2017" ref-type="bibr">Götz
      und Nett 2017, 148</xref>). In selbstreflexiven Phasen können
      jedoch diese beiden Aspekte als Kriterien der sogenannten
      „Meisterschaft“ und des normativen Vergleichs auch der
      studentischen Selbstbewertung dienen (vgl.
      <xref alt="Zimmermann 2000, 21–22" rid="ref-Zimmermann-2000" ref-type="bibr">Zimmermann
      2000, 21–22</xref>).</p>
      <p>Der Ansatz kann als verteiltes Lernen anhand konkreter
      Beispiele und Vertiefungsfragen mit Ansätzen zu Verschachtelungen
      und Lerntests beschrieben werden. Verteilt ist das Lernen, weil
      diskontinuierlich Themen wiederholt werden (vgl.
      <xref alt="Moerth, Paridon und Sonntag 2021, 43" rid="ref-Moerth-2021" ref-type="bibr">Moerth,
      Paridon und Sonntag 2021, 43</xref>). Insbesondere dienen die
      Zwischenberichte dazu, Gelerntes auf das Quellenmaterial
      anzuwenden und die Ergebnisse sowie Problemfelder gemeinsam zu
      diskutieren. Zur Motivation und Metakognition (vgl.
      <xref alt="Götz und Nett 2017, 152" rid="ref-Goetz-2017" ref-type="bibr">Götz
      und Nett 2017, 152</xref>) werden Präsentationen als Selbsttest
      eingesetzt. Der Motivation und Elaboration dient die Illustration
      durch verschiedene konkrete Beispiele, darunter vor allem die den
      Studierenden zugeordneten Briefe. Fragen nach Methode, Zweck und
      Begründung der eigenen Untersuchungen unterstützen die Elaboration
      (vgl.
      <xref alt="Moerth, Paridon und Sonntag 2021, 45–56" rid="ref-Moerth-2021" ref-type="bibr">Moerth,
      Paridon und Sonntag 2021, 45–56</xref>). Verschachtelt ist das
      Lernen insoweit, als innerhalb von Sitzungseinheiten Themenwechsel
      vollzogen werden (vgl.
      <xref alt="Moerth, Paridon und Sonntag 2021, 44" rid="ref-Moerth-2021" ref-type="bibr">Moerth,
      Paridon und Sonntag 2021, 44</xref>).</p>
      <p>Präaktional legt der Dozent Lehrinhalte dar,
      Bewertungskriterien offen und erkundet mit Umfragen die
      Vorkenntnisse bzw. macht diese bewusst. Aktional erfolgt die
      Betreuung mit Einladungen zur Sprechstunde und möglichst vielen
      Fragemöglichkeiten in den Sitzungen. Die Rückmeldungen dienen auch
      postaktional der Betreuung (vgl. zu den Phasen
      <xref alt="Zimmermann 2000, 16" rid="ref-Zimmermann-2000" ref-type="bibr">Zimmermann
      2000, 16</xref>; sowie zusammenfassend
      <xref alt="Otto, Perels und Schmitz 2015, 45–46" rid="ref-Otto-2015" ref-type="bibr">Otto,
      Perels und Schmitz 2015, 45–46</xref>).</p>
    </sec>
  </sec>
</sec>
<sec id="gesamtablauf">
  <title>2 Gesamtablauf</title>
  <p>Inhaltlich lässt sich die Lehrveranstaltung in sechs Themenblöcke
  gliedern. Im ersten Block (Sitzungen 1 bis 3) wird ein gemeinsamer
  Wissensstand zur Editorik, zum Brief, zu Briefeditionen und zu
  Auszeichnungssprachen erarbeitet. Auf diese Weise werden etwaige
  Kompetenzunterschiede eruiert und möglichst ausgeglichen, da diese
  Themen grundlegend für den weiteren Verlauf der Lehrveranstaltung
  sind.</p>
  <p>Daran schließt sich eine Reihe von Sitzungen an, in der die
  Studierenden mit verschiedenen Modulen der TEI-Richtlinien anhand von
  Beispielen vertraut gemacht werden (Sitzungen 4 bis 6). Nach dem
  Abgabetermin für die ersten Transkriptionen folgen mehrere Sitzungen,
  in denen die Studierenden ihre bisherigen Ergebnisse und Probleme
  vorstellen. Je nach Kursgröße kann die Zahl dieser Sitzungen
  variieren. Im exemplarischen Plan wurden drei Sitzungen vorgesehen
  (Sitzungen 7 bis 9).</p>
  <p>Der nächste Themenblock beginnt mit einer Einführung in die
  Kommentierung (Sitzung 10). Nach dem Abgabetermin für die ersten
  kommentierten Transkriptionen folgen wieder entsprechend viele
  Sitzungen für Zwischenberichte. Im hier vorgestellten Lehrkonzept sind
  hierfür drei Sitzungen vorgesehen (in der Sitzungsübersicht Sitzungen
  11 bis 13). Abgeschlossen wird die Veranstaltung mit einem Ausblick
  auf die Fertigstellung der digitalen Edition und weiterführende
  X-Technologien (Sitzung 14). In längeren Semestern kann dieser
  Ausblick vertieft werden.</p>
  <p>Editorische und gattungstheoretische Konzepte (Sitzungen 1 bis 3)
  werden in den Sitzungen zur digitalen Annotation (Sitzungen 4 bis 6
  sowie 10) aufgegriffen und in der praktischen Anwendung auf konkrete
  Beispiele von den Studierenden selbständig geübt (Sitzungen 7 bis 9
  sowie 11 bis 13). Die Anwendung wird mehrfach in der Gruppe diskutiert
  und die Studierenden müssen ihre Entscheidungen und Vorgehen
  wissenschaftlich begründen. Die Anwendung des Gelernten und die
  Präsentation der Ergebnisse haben die Funktion von Lerntests. Dabei
  soll verknüpftes Wissen abgerufen werden, während die Lernfortschritte
  beobachtet und Rückmeldungen gegeben werden können.</p>
</sec>
<sec id="tabellarische-sitzungsübersicht">
  <title>3 Tabellarische Sitzungsübersicht</title>
  <table-wrap>
    <table>
      <colgroup>
        <col width="12%"/>
        <col width="12%"/>
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        <col width="12%"/>
        <col width="12%"/>
      </colgroup>
      <thead>
        <tr>
          <th align="left" valign="top"><bold>Sitzung</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Modus</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Thema</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Inhalt</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Lernziel</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Vorbereitung für Studierende</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Lehrvorbereitung</bold></th>
          <th align="left" valign="top"><bold>Arbeitsauftrag</bold></th>
        </tr>
      </thead>
      <tbody>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">1</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Organisation der Veranstaltung und Grundlagen des
          Edierens</td>
          <td align="left" valign="top">Vorstellungsrunde; Semesterplan mit
          Leistungsanforderungen; Quiz zu editionswissenschaftlichen
          Grundbegriffen; Vergleich von digitalen Editionen</td>
          <td align="left" valign="top">Selbsteinschätzung bezüglich Gegenstand und
          Leistungsanforderungen; Grundlegendes Verständnis editorischer
          Aufgaben</td>
          <td align="left" valign="top"/>
          <td align="left" valign="top">Auswahl der Quellenmaterialien; Prüfung der
          Leistungsanforderungen</td>
          <td align="left" valign="top">ggf. Anfrage nach einem Lizenzschlüssel für Oxygen XML
          Editor bis Sitzung 2</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">2</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Grundlagen der Briefforschung</td>
          <td align="left" valign="top">wissenschaftliche Definitionen und Explikationen des
          Begriffs <italic>Brief</italic>; Gruppendiskussion zu
          Spezifika der Gattung</td>
          <td align="left" valign="top">Reflexion der medialen und generischen Besonderheiten des
          Briefes und verwandter Korrespondenzformen (Postkarte;
          E-Mail)</td>
          <td align="left" valign="top">ggf. Anfrage nach einem Lizenzschlüssel für Oxygen XML
          Editor</td>
          <td align="left" valign="top">Wissensvermittlung über foliengestützten Vortrag</td>
          <td align="left" valign="top">Aufgabe 1: Verpflichtung zur Einhaltung der
          datenschutzrechtlichen Anforderungen bis Sitzung 3; Aufgabe 2:
          Zusendung der erarbeiteten Definitionen zum Brief bis Sitzung
          3; Aufgabe 3: Lektüre der gruppenweise zugeordneten Texte zu
          Briefeditionen bis Sitzung 3</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">3</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Grundlagen der Briefedition</td>
          <td align="left" valign="top">Zusammenführung von Wissen über die Gattung und über
          editiorische Aufgaben anhand von drei Forschungspositionen;
          Präsentation der Argumentation und Diskussion des gelesenen
          Textes</td>
          <td align="left" valign="top">kritische Rekonstruktion; Diskussion und Vergleich
          verschiedener Forschungspositionen; Ableitung von Konsequenzen
          für die digitale Edition von Briefen</td>
          <td align="left" valign="top">Lektüre der gruppenweise zugeordneten Texte zu
          Briefeditionen</td>
          <td align="left" valign="top">Hilfestellungen; Vorbereitung der Diskussionsleitung;
          Bereitstellung des Quellenmaterials</td>
          <td align="left" valign="top">Transkription eines Briefes als Textdatei bis Sitzung
          4</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">4</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Grundlagen der Textauszeichnung gemäß TEI</td>
          <td align="left" valign="top">TEI <monospace>core</monospace>;
          <monospace>textstucture</monospace> (Auswahl); Diskussion;
          individuelle Bearbeitung von Beispielen</td>
          <td align="left" valign="top">Erstellung eines ersten eigenen Dokuments</td>
          <td align="left" valign="top">Transkription eines Briefes als Textdatei</td>
          <td align="left" valign="top">Wissensvermittlung über foliengestützten Vortrag;
          Bereitstellung von Hilfsmitteln und Beispielen</td>
          <td align="left" valign="top">Erstellung von mindestens fünf Transkriptionen als
          XML-Dateien bis Sitzung 7</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">5</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Quellenbeschreibungen</td>
          <td align="left" valign="top">TEI <monospace>header</monospace>;
          <monospace>msdescription</monospace> (Auswahl); Diskussion;
          Bearbeitung des eigenen Beispiels</td>
          <td align="left" valign="top">beispielhafte Ergänzung von Auszeichnungen im Rückgriff
          auf die Spezifika der Gattung und der editorischen
          Aufgabe</td>
          <td align="left" valign="top"/>
          <td align="left" valign="top">Wissensvermittlung über foliengestützten Vortrag</td>
          <td align="left" valign="top">Ergänzung der Quellenbeschreibung zum transkribierten
          Brief bis Sitzung 6</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">6</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Transkription</td>
          <td align="left" valign="top">TEI <monospace>transcr</monospace> (Auswahl); Diskussion;
          Übung zur Paläografie</td>
          <td align="left" valign="top">beispielhafte Ergänzung von Auszeichnungen im Rückgriff
          auf die Spezifika der Gattung und der editorischen
          Aufgabe</td>
          <td align="left" valign="top"/>
          <td align="left" valign="top">Wissensvermittlung über foliengestützten Vortrag</td>
          <td align="left" valign="top">Präsentation zum Zwischenstand bis Sitzung 7</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">7–9</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Zwischenberichte zu Quellenbeschreibungen und
          Transkriptionen</td>
          <td align="left" valign="top">Präsentationen der Studierenden</td>
          <td align="left" valign="top">kooperative Lösung bestehender Probleme und Beantwortung
          offener Fragen</td>
          <td align="left" valign="top">Erstellung von mindestens fünf Transkriptionen als
          XML-Dateien</td>
          <td align="left" valign="top">Hilfestellungen; Vorbereitung der Diskussionsleitung</td>
          <td align="left" valign="top"/>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">10</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Kommentierung</td>
          <td align="left" valign="top">v.a. TEI <monospace>namedates</monospace> (Auswahl);
          Ergänzungen aus TEI <monospace>core</monospace>; Diskussion;
          Übung zum Kommentar</td>
          <td align="left" valign="top">beispielhafte Ergänzung von Auszeichnungen; Kenntnis von
          Hilfsmitteln und Anforderungen an den Kommentar</td>
          <td align="left" valign="top"/>
          <td align="left" valign="top">Wissensvermittlung über foliengestützten Vortrag</td>
          <td align="left" valign="top">Aufgabe 1: Erstellung von mindestens fünf transkribierten
          und kommentierten Briefen im XML-Format bis Sitzung 11;
          Aufgabe 2: Präsentation der Zwischenstände bis Sitzung 11</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">11–13</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Zwischenberichte zur Kommentierung</td>
          <td align="left" valign="top">Präsentationen der Studierenden; Diskussion</td>
          <td align="left" valign="top">kooperative Lösung bestehender Probleme und Beantwortung
          offener Fragen</td>
          <td align="left" valign="top">Erstellung von mindestens fünf transkribierten und
          kommentierten Briefen im XML-Format; Präsentation der
          Zwischenstände</td>
          <td align="left" valign="top">Hilfestellung; Vorbereitung der Diskussionsleitung</td>
          <td align="left" valign="top">Sammlung offener Fragen und Probleme</td>
        </tr>
        <tr>
          <td align="left" valign="top">14</td>
          <td align="left" valign="top">synchron; Präsenz</td>
          <td align="left" valign="top">Abschlussdiskussion</td>
          <td align="left" valign="top">Beantwortung offener Fragen und Problemstellungen;
          Evaluation</td>
          <td align="left" valign="top">kooperative Lösung bestehender Probleme und Beantwortung
          offener Fragen</td>
          <td align="left" valign="top">Zusendung ausgewählter Problemstellen an zugeloste
          Kommiliton:innen</td>
          <td align="left" valign="top">Hilfestellung; Vorbereitung der Diskussionsleitung;
          Erstellung und Präsentation einer exemplarischen
          HTML-Ansicht</td>
          <td align="left" valign="top">Abgabe aller transkribierten und kommentierten Briefe bis
          zum festgelegten Datum</td>
        </tr>
      </tbody>
    </table>
  </table-wrap>
</sec>
<sec id="seminarsitzungen-im-detail">
  <title>4 Seminarsitzungen im Detail</title>
  <sec id="sitzung-1-grundlagen-der-editorik">
    <title>Sitzung 1: Grundlagen der Editorik</title>
    <p>Editorische Konzepte und Operationen sind Studierenden vor der
    Veranstaltung meist nur oberflächlich oder gar nicht vertraut. In
    der ersten Sitzung wird daher auf verschiedene Problemstellungen der
    Editorik eingegangen:</p>
    <list list-type="order">
      <list-item>
        <p><italic>Heuristik</italic> als die Aufgabe, alle relevanten
        Textzeugen zu identifizieren, ist für die Veranstaltung selbst
        von untergeordneter Bedeutung. Da Privatbriefe behandelt werden,
        die dem Liebesbriefarchiv gespendet wurden, liegen bereits
        Katalogeinträge vor. In einzelnen Fällen ist dennoch eine
        Prüfung und gegebenenfalls neue Zuordnung notwendig, wenn
        beispielsweise Briefe unvollständig oder Seiten falsch sortiert
        sind.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Im Zusammenhang mit der <italic>Prüfung der
        Authentizität</italic> von Textzeugen wird auf das Beispiel von
        Valla
        (<xref alt="1994" rid="ref-Valla-1994" ref-type="bibr">1994</xref>)
        und die Konstantinische Schenkung eingegangen sowie auf
        Möglichkeiten der Materialanalyse hingewiesen. Da in der
        Veranstaltung mit Digitalisaten gearbeitet wird, spielen diese
        Möglichkeiten in späteren Einheiten keine Rolle mehr.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Die <italic>Quellenbeschreibung</italic> als ein Moment der
        Erschließung und als Voraussetzung der editorischen Arbeit ist
        aufgrund der Verwendung von digitalen Reproduktionen
        eingeschränkt. Metadaten, die sich speziell auf schriftliche
        Korrespondenzen beziehen, werden jedoch ausführlich
        thematisiert.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Von besonderer Relevanz für die Lehrveranstaltung sind die
        <italic>Transkription</italic> und die Berücksichtigung der
        <italic>Textgenese</italic>, verstanden als die Entstehung des
        Textes auf dem überlieferten Dokument. Diese Schritte bilden
        einen der beiden Schwerpunkte.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><italic>Textkritik</italic>, <italic>Kollation</italic> und
        <italic>Stemmatologie</italic> sowie die Methoden der
        <italic>recensio</italic> und <italic>emendatio</italic> werden
        erklärt. Weil aber Briefe untersucht werden, die unikal
        überliefert sind, finden diese im weiteren Kursverlauf keine
        praktische Anwendung.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Neben der Transkription stellt der <italic>Kommentar</italic>
        den zweiten Schwerpunkt dar. Nach einem Vortrag des Lehrenden
        über Theorie und Praxis des Kommentars wird das Augenmerk auf
        die Methoden und die benutzten Quellen bei der Erstellung von
        Einzelstellenkommentaren gelenkt.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Abschließend wird die Frage der <italic>medialen
        Präsentation</italic> angesprochen. Übliche Verfahren zur
        Transformation und die Möglichkeiten, die der <italic>Author
        Mode</italic> im Oxygen XML Editor bietet, werden benannt und
        zum Teil angewandt.</p>
      </list-item>
    </list>
    <p>Dieses Wissen wird in Form einer Umfrage zunächst abgefragt und
    durch begleitende Erläuterungen des Dozenten vermittelt. Dies ist
    notwendig, weil es im weiteren Verlauf darum geht, diese Strukturen
    und Phänomene digital zu modellieren und durch Annotationen zu
    erfassen.</p>
    <p>Zwar ist die mediale Präsentation der Ergebnisse kein zentraler
    Teil der Veranstaltung, in der ersten Sitzung betrachten und
    analysieren die Studierenden jedoch gedruckte und digitale Editionen
    und vergleichen deren Schichten und Funktionalitäten. In der
    abschließenden Sitzung des Kurses wird dann anhand eines Briefes
    eine exemplarische Umsetzung in HTML mit dem
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://teipublisher.com/"><italic>TEI
    Publisher</italic></ext-link> vorgeführt, um den gesamten
    Produktionsprozess der Edition nicht aus dem Blick zu verlieren. Für
    die Vertiefung werden die Teilnehmenden auf Plachta
    (<xref alt="2013" rid="ref-Plachta-2013" ref-type="bibr">2013</xref>),
    Plachta
    (<xref alt="2020" rid="ref-Plachta-2020" ref-type="bibr">2020</xref>)
    sowie Sahle
    (<xref alt="2013" rid="ref-Sahle-2013" ref-type="bibr">2013</xref>)
    hingewiesen.</p>
  </sec>
  <sec id="sitzungen-2-und-3-gattungstheorie-des-briefes">
    <title>Sitzungen 2 und 3: Gattungstheorie des Briefes</title>
    <p>In der Lehrveranstaltung wird in der Folge mit einer Sitzung zur
    Gattung des Briefes an lebensweltliche und wissenschaftliche
    Kenntnisse der Teilnehmenden zu diesem Thema angeknüpft. Ziel ist,
    ein Bewusstsein für die Spezifika des Briefes im Hinblick auf
    Textstrukturen und Textphänomene zu schaffen, das für deren
    Behandlung in Editionen und Editionsrichtlinien grundlegend ist. In
    Gruppen wird zunächst an Definitionen und Explikationen gearbeitet.
    Die Ergebnisse werden mit Lexikonartikeln verglichen. Für die
    Vertiefung zu diesem Themenfeld werden Matthews-Schlinzig u. a.
    (<xref alt="2020a" rid="ref-Matthews-Schlinzig-2020-a" ref-type="bibr">2020a</xref>)
    und Matthews-Schlinzig u. a.
    (<xref alt="2020b" rid="ref-Matthews-Schlinzig-2020-b" ref-type="bibr">2020b</xref>)
    genannt.</p>
    <p>Es werden anschließend Aufsätze zur Edition von Briefen
    behandelt, die jeweils unterschiedliche Aspekte betonen. Konkret
    werden die editionswissenschaftlichen Ansätze von Gregolin
    (<xref alt="1990" rid="ref-Gregolin-1990" ref-type="bibr">1990</xref>),
    Zeller
    (<xref alt="2002" rid="ref-Zeller-2002" ref-type="bibr">2002</xref>)
    und Strobel
    (<xref alt="2019" rid="ref-Strobel-2019" ref-type="bibr">2019</xref>)
    jeweils in Gruppen behandelt und dann gemeinsam im Plenum
    diskutiert. Auf diese Weise wird das Wissen über Editionen mit dem
    Wissen über Briefe in Verbindung gebracht. Ausgewählt wurden diese
    Aufsätze wegen ihrer konträren Positionen. Der Kurs wird in drei
    Gruppen geteilt. Jede Gruppe konzentriert sich auf einen der Texte,
    fasst die Argumentation zusammen und erarbeitet mögliche
    Gegenargumente sowie deren etwaige Entkräftung. Ein Ergebnis kann
    sein, dass bei Briefen sowohl textuelle als auch materielle und
    pragmatische Aspekte editorisch zu beachten sind. Es kann diskutiert
    werden, wo Schwerpunkte zu legen und wie die Aspekte editorisch
    umzusetzen sind.</p>
  </sec>
  <sec id="sitzungen-2-und-4-grundlagen-der-textauszeichnung">
    <title>Sitzungen 2 und 4: Grundlagen der Textauszeichnung</title>
    <p>Im diesen Sitzungen stehen das Erlernen und das Verständnis von
    Auszeichnungssprachen im Mittelpunkt. Deren Grundannahmen und
    -anliegen werden daher ausführlicher behandelt.
    Auszeichnungssprachen (<italic>Markup Languages</italic>) wie SGML,
    HTML und XML werden eingeführt, ihre Entwicklungen und Funktionen
    erläutert und reflektiert.</p>
    <p>Da in der Lehrveranstaltung keine Kenntnisse im Umgang mit
    XML-Daten vorausgesetzt werden (siehe Abschnitt 1.2), sind zunächst
    die Grundlagen in diesem Bereich zu vermitteln. Diese umfassen unter
    anderem die Konzepte von deskriptivem Markup sowie von
    Wohlgeformtheit und Validität. Auf dieser Basis können anschließend
    die Grundlagen von Textauszeichnungen nach den Richtlinien der TEI
    vorgestellt werden. Diese umfassen unter anderem die Unterteilung
    der Dokumente in Kopf (<monospace>teiHeader</monospace>) und
    Textkörper (<monospace>body</monospace>), aber auch die Erfassung
    elementarer Textstrukturen wie Abschnitte
    (<monospace>div</monospace>) und Absätze (<monospace>p</monospace>).
    Insgesamt werden vor allem aus den folgenden TEI-Modulen Elemente
    eingeführt und verwendet:</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p><monospace>core</monospace></p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><monospace>header</monospace></p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><monospace>msdescription</monospace></p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><monospace>namesdate</monospace></p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><monospace>textstructure</monospace></p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><monospace>transcr</monospace></p>
      </list-item>
    </list>
    <p>Zentraler Referenzpunkt für Studierende sind neben den zur
    Verfügung gestellten Folien die
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://tei-c.org/Guidelines/P5/"><italic>P5
    Guidelines</italic></ext-link> der TEI sowie die auf der
    entsprechenden Webseite versammelten Lehrmaterialien. Für die
    praktische Umsetzung werden den Studierenden eine Beispieldatei, ein
    RELAX-NG-Schema sowie ein Glossar in der verwendeten Lernplattform
    zur Verfügung gestellt. Obwohl nur die besagten Module im Kurs
    detailliert behandelt werden, weicht die Schemadatei nur geringfügig
    von <italic>TEI-All</italic> ab. <italic>TEI-All</italic> dient als
    Orientierungspunkt, weil in den Briefen zahlreiche Phänomene wie
    Bilder, Noten, Verse oder Fragmente aus Theaterstücken auftreten.
    Die Abweichung von <italic>TEI-All</italic> betrifft die
    Modellierung von Grußformeln (<monospace>salute</monospace>) in
    Briefen. Innerhalb der Veranstaltung und des mit ihr verbundenen
    Projekts werden diese zusätzlich der Klasse
    <monospace>segLike</monospace> zugeordnet, sodass sie abweichend vom
    Standardmodell auch innerhalb von Absätzen
    (<monospace>p</monospace>) vorkommen können.</p>
    <p>Falls genug Zeit vorhanden ist und innerhalb des Kurses Interesse
    besteht, wird gezeigt und erklärt, wie Schemadateien aufgebaut sind
    und mit dem Werkzeug Änderungen am Schema vorgenommen werden können.
    Die Schemadatei dient den Studierenden, um die Validität ihrer
    Dateien zu prüfen. Die Validität ist zudem neben der Wohlgeformtheit
    ein Bewertungskriterium für die eingereichten Dateien. Die
    Beispieldatei zeigt in Verbindung mit dem Glossar und dem Schema
    auf, welche Tiefe der Auszeichnung bei verschiedenen Textphänomenen
    erwartet wird.</p>
  </sec>
  <sec id="sitzung-5-quellenbeschreibung">
    <title>Sitzung 5: Quellenbeschreibung</title>
    <p>Obwohl in der Lehrveranstaltung mit Digitalisaten gearbeitet
    wird, sollen die materiellen Aspekte der Quellenbeschreibung, die in
    der Gattungs- und Editionstheorie des Briefes angesprochen werden,
    nicht vollständig ausgeblendet werden. So wird die mediale Form
    bezeichnet, indem zum Beispiel zwischen Briefen, Post- und
    Grußkarten, Telegrammen und Feldpost unterschieden wird. Außerdem
    werden Schriftträger und Beschreibstoffe grob klassifiziert (vor
    allem im Rückgriff auf den
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://www.getty.edu/research/tools/vocabularies/aat/"><italic>Art
    &amp; Architecture Thesaurus</italic></ext-link>) sowie die
    Erscheinung der Schrift, zum Beispiel die Schriftrichtung, mit
    <monospace>@rend</monospace>, <monospace>@rendition</monospace> und
    CSS erfasst. Zur Handschriftenbeschreibung
    (<monospace>msDesc</monospace>) werden Angaben zu Handlungen, Orten
    und Personen im Zusammenhang mit dem Korrespondenzgeschehen in
    <monospace>correspDesc</monospace> ergänzt. Es werden Register für
    Entitäten erstellt und in Verbindung mit Briefmarken, Vordrucken und
    Stempeln (<monospace>stamp</monospace> und
    <monospace>fw</monospace>) können diese Informationen Hinweise auf
    die situativen Umstände und den historischen Kontext geben. Anhänge
    und Beilagen (<monospace>accMat</monospace> und
    <monospace>back</monospace>) werden verzeichnet, beschrieben und
    gegebenenfalls transkribiert. Damit wird die pragmatische Dimension
    des Briefwechsels erschlossen.</p>
  </sec>
  <sec id="sitzungen-6-bis-9-transkription">
    <title>Sitzungen 6 bis 9: Transkription</title>
    <p>Bei der wissenschaftlichen Umschrift wird vor allem die textuelle
    Dimension der Briefe adressiert. Es wird eine Einheit zur deutschen
    Paläografie des 20. Jahrhunderts angeboten. In der ersten Sitzung
    dieser Einheit wird eine Übersicht über die Entwicklung der Schrift
    anhand von Tafeln gegeben und ein kurzer Brief aus dem Korpus
    gemeinsam entziffert. Außerdem werden textgenetische Phänomene wie
    Ersetzungen (<monospace>subst</monospace>) behandelt. In den
    weiteren Sitzungen dieses Themenblocks stellen die Studierenden ihre
    ersten Ergebnisse vor.</p>
  </sec>
  <sec id="sitzungen-10-bis-13-kommentierung">
    <title>Sitzungen 10 bis 13: Kommentierung</title>
    <p>In der vorgestellten Lehrveranstaltung ist die Kommentierung von
    Einzelstellen die zweite zentrale Aufgabe. Die Kommentierung erfolgt
    mit den Elementen <monospace>note</monospace>,
    <monospace>term</monospace> und <monospace>gloss</monospace>. Das
    Lemma (<monospace>term</monospace>) muss nicht identisch mit dem
    Ausdruck im Text sein. Als Referenzpunkt im Text können bestehende
    Auszeichnungen, etwa Absätze (<monospace>p</monospace>), oder
    ergänzte Elemente wie <monospace>seg</monospace> genutzt werden. Das
    Attribut <monospace>@corresp</monospace> dient der Verknüpfung von
    Textstelle und Anmerkung. Die Referenz wird in beide Richtungen
    gesetzt. Auf diese Weise können mehrere Stellen mit einer Anmerkung
    verknüpft werden. Exemplarisch kann die Auszeichnung wie folgt
    aussehen:</p>
    <preformat>&lt;seg corresp="#note-01" xml:id="seg-01"&gt;
  &lt;rs ref="#Mariawald"&gt;Mariawald&lt;/rs&gt;
&lt;/seg&gt;
. . .
&lt;note type="editorial" corresp="#seg-01" xml:id="note-01"&gt;
  &lt;term&gt;Mariawald&lt;/term&gt;
  &lt;gloss&gt;Anspielung auf das Schweigegelübde in einem Kloster in der Eifel am gleichnamigen Ort. In seiner Autobiographie beschreibt ...&lt;/gloss&gt;
&lt;/note&gt;</preformat>
    <p>Der Kommentierung bedürftige Ausdrücke können sich zum Beispiel
    auf Objekte, Orte, Personen und Körperschaften, Zitate und
    Anspielungen, historische Ereignisse und Zustände beziehen. Die
    Arbeit an diesen umfasst Verweise auf Normdaten für Entitäten, soll
    sich aber nicht hierauf beschränken. Vielmehr soll ergänzend
    kommentiert werden, wenn Identifizierungen schwierig oder nicht
    eindeutig sind. Ist die Identifikation unproblematisch, werden kein
    Kommentar verfasst und nur Normdaten im Index verzeichnet.</p>
    <p>Den Studierenden wird in der ersten Sitzung dieses Themenblocks
    (Sitzung 10) eine Liste mit Hilfsmitteln, vor allem Hand- und
    Wörterbücher verschiedener Disziplinen, an die Hand gegeben. In
    diesem Fall soll jedoch wie überhaupt versucht werden, die
    verwendeten Informationen mindestens durch zwei möglichst
    voneinander unabhängige Quellen zu belegen. Fachspezifische
    Handbücher und Lexika sollen vor allem „Relais“ auf dem Weg zu
    wichtiger Fachliteratur und historischen Belegen sein, die von den
    Teilnehmenden auszuwerten sind. Die Kommentare sind somit Ergebnisse
    zum Teil aufwändiger, von den Studierenden selbst zu leistender
    Forschung. Quellen für die Erläuterung sollten dem historischen und
    kulturellen Umfeld immer möglichst nah sein. Da die Briefe
    Privatdokumente sind, können biografische Quellen, beispielsweise
    Querverweise zwischen den Briefen, aufschlussreich sein. Um
    Wiederholungen zu vermeiden, kann auf Kommentare in anderen Briefen
    verwiesen werden (<monospace>ref[@target]</monospace>).</p>
    <p>Die Studierenden werden in den Briefen oft mit der Lebenswelt der
    Korrespondierenden unmittelbar konfrontiert. Gerade das, was
    Schreibenden selbstverständlich und vertraut ist, erschwert oft die
    Kommentierung. Da die Gruppe gelegentlich sehr heterogen ist,
    ergeben sich manchmal lange und komplizierte Recherchepfade, aber
    auch lehrreiche Diskussionen. Während die Einzelstellenkommentare
    möglichst kurz sein sollen, wurden in einigen Durchführungen der
    Lehrveranstaltung diese Wege zur Erkenntnis exemplarisch in einem
    Bericht dargestellt. Im hier vorgestellten Konzept kommen diese
    Recherchen ausschließlich in den Zwischenberichten vor. Neben
    Korrektheit, Vollständigkeit und Konsistenz ist aber
    Selbstständigkeit nach wie vor ein Kriterium von hohem Gewicht bei
    der Bewertung der Kommentare.</p>
    <p>In der ersten Sitzung zur Kommentierung (Sitzung 10) werden
    Stellen des Briefes, der bereits für die paläografische Einheit
    genutzt wurde (Sitzung 6), sachlich und sprachlich erläutert. Die
    Teilnehmenden bestimmen zunächst für sich, was kommentiert werden
    soll. Nach einer Aussprache darüber, recherchieren sie zunächst für
    sich alleine, bevor die Ergebnisse in der Gruppe vorgestellt und
    gemeinsam Kommentare verfasst werden. In den folgenden Sitzungen
    stellen die Teilnehmenden die Kommentare zu den Briefen vor, die sie
    bearbeiten. In der letzten Sitzung der Einheit bringen Studierende
    dann ihre Rechercheergebnisse zu ausgewählten Fragen zugeloster
    anderer Teilnehmender ein.</p>
  </sec>
</sec>
<sec id="reflexion">
  <title>5 Reflexion</title>
  <sec id="rahmenbedingungen-und-ausführung-der-veranstaltung">
    <title>5.1 Rahmenbedingungen und Ausführung der
    Veranstaltung</title>
    <list list-type="order">
      <list-item>
        <p>Aufgetreten sind in der Lehrveranstaltung vormals
        Schwierigkeiten vor allem beim selbstbestimmten Formulieren
        einer Forschungsfrage und bei der Begrenzung der Fragestellung
        im Hinblick auf die zur Verfügung stehende Zeit. Es wurden schon
        im Vorhinein Maßnahmen getroffen, um auf diese erwarteten
        Schwierigkeiten zu reagieren. Um Fehlplanungen vorzubeugen,
        wurden eingangs jeweils eine Projektplanung mit Zeitgerüst von
        den Studierenden entwickelt sowie mehrere Zwischenberichte mit
        Rückmeldungen eingeplant. Um Blockaden bei der Themenfindung
        vorzubeugen, wurde vom Dozenten ein Repertoire von Materialien
        und Aufgaben angelegt, auf das bei Bedarf und nach individuellem
        Interesse der Studierenden zurückgegriffen werden konnte.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Auf den erhöhten Betreuungsaufwand bei selbstgewählten
        Fragestellungen wurde im Laufe der Jahre mit einer stärkeren
        Normierung von Material und Aufgaben reagiert. Auf diese Weise
        wurden die Leistungen besser vergleichbar (siehe Abschnitt
        1.3.3). Die Quellen aus dem Liebesbriefarchiv waren zunächst nur
        eine Option aus dem Repertoire, wurden im Sinne der
        Vergleichbarkeit aber später zu dem gemeinsam bearbeiteten
        Material. Diese gemeinsame Datengrundlage hat auch zu mehr
        Austausch zwischen den Teilnehmenden geführt sowie gegenseitige
        Hilfestellungen ermöglicht. In der Lernplattform wird zur
        Unterstützung dieses Austausches ein Forum genutzt. Die
        Entwicklung einer eigenen Forschungsfrage wurde zwischenzeitlich
        auf einen schriftlichen Bericht zu einer für besonders
        interessant gehaltenen Frage der Kommentierung reduziert.
        Mittlerweile wird nur noch bei den zwei mündlichen
        Präsentationen berichtet. Entwarfen die Studierenden zuvor ihre
        eigenen Projekte, so arbeiten sie nun gemeinsam an einem
        Projekt. Der Anteil selbstregulierten Lernens ist damit
        eingeschränkt gegenüber dem früheren Vorgehen und auch gegenüber
        anderen Konzepten, wie sie Walsh
        (<xref alt="2023" rid="ref-Walsh-2023" ref-type="bibr">2023</xref>)
        im Hinblick auf heterogene Lerngruppen beschreibt.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Das Fehlen einer praktischen Einheit zur Erstellung einer
        Webpräsentation, wie sie im holistischen Ansatz von Rehbein und
        Fritze
        (<xref alt="2012" rid="ref-Rehbein-2012" ref-type="bibr">2012</xref>)
        und in vergleichbaren Lehrveranstaltungen (siehe Abschnitt 5.3)
        beinhaltet ist, kann ein Nachteil für die studentische
        Motivation sein, da nicht der gesamte Produktionsprozess einer
        digitalen Edition durchlaufen wird. Umgekehrt bewirkt diese
        Reduktion eine Konzentration der Lehrinhalte und -ziele auf
        andere Aspekte der editorischen Arbeit und schließt auch nicht
        aus, dass der gesamte Prozess bis zur fertigen Edition samt
        verschiedener dazu geeigneter Technologien angesprochen wird. Um
        den Prozess vollständig darzustellen und den erfolgreichen
        Abschluss der Arbeit vor Augen zu führen, spielt nunmehr der
        Dozent die Daten in eine eher minimalistisch gehaltene
        Oberfläche ein, um das Ergebnis in der Abschlusssitzung zu
        zeigen (siehe die Erläuterung zur Sitzung 1 im Abschnitt 4).</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Es blieb trotz der Änderungen am Gesamtkonzept ein Ziel,
        selbstreguliertes Lernen zu fördern. Dabei sollte zum einen ein
        hoher Grad an Transparenz für die Benotung gegeben sein, zum
        anderen sollten die Studierenden durch den computer- und
        editionsphilologischen Umgang mit historischen Archivmaterialien
        in ein Arbeitsfeld eingeführt werden, mit dem viele zuvor nur am
        Rande oder gar nicht in Kontakt gekommen sind. Auf
        selbstreguliertes Lernen wird damit nicht vollkommen verzichtet,
        zumal die Studierenden die Zeit für die Transkription und
        Kommentierung weitgehend selbst einschätzen müssen. Sie arbeiten
        dabei zwischen den Sitzungen und nach Ende der Vorlesungszeit
        unter Selbstkontrolle und -regulation, das heißt weitgehend ohne
        Kontakt mit dem Lehrenden (siehe
        <xref alt="Zimmermann 2000, 30–31" rid="ref-Zimmermann-2000" ref-type="bibr">Zimmermann
        2000, 30–31</xref>). Ein eigener Gestaltungsraum zur Umsetzung
        des Vorhabens wird gewahrt, indem für die Zwischenberichte nur
        Mindestzahlen an Briefen festgelegt werden. Auch können die
        Studierenden zu diesen Zeitpunkten die Materialien
        unterschiedlich tief erschlossen haben. Eigene Nachforschungen
        sind zudem für die Kommentierung unumgänglich. Bei den
        Transkriptionen treten ferner oftmals neue Phänomene auf, die
        modelliert und ausgezeichnet werden müssen. Mit den
        Zwischenberichten haben die Teilnehmenden die Möglichkeit,
        Schwierigkeiten anzusprechen und gemeinsam mit dem Dozenten und
        der Gruppe Lösungen zu finden. Es wurden auch in jeder der
        bisherigen Durchführung Einheiten vorgesehen, in denen sich je
        zwei Studierende gegenseitig austauschen und ihre Arbeiten
        beurteilen.</p>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="studierende">
    <title>5.2 Studierende</title>
    <p>Da die Studierenden insbesondere im Bereich der Editorik sowie im
    Umgang mit XML heterogene Vorkenntnisse aufweisen, werden in der
    Veranstaltung entsprechende Kenntnisse mittlerweile nicht mehr
    vorausgesetzt und bestimmte Inhalte wie XSLT und XQuery
    zurückgestellt. Dafür sollte der Umgang mit historischen
    Schriftdokumenten als Bestandteil der Ausbildung beibehalten werden,
    weshalb die Einheit zur Paläografie hinzugefügt wurde. Dabei wurde
    die frühzeitige gemeinsame Transkription eines Briefes als eine
    notwendige Ergänzung gesehen. Die Heterogenität der Kompetenzprofile
    wird darüber hinaus durch häufige Gruppenarbeiten in den Sitzungen
    vor Ort kompensiert.</p>
    <p>Die curricularen Rahmenbedingungen standen nicht im Zentrum
    dieses Beitrags. Dennoch ist der Zusammenhang vermutlich nicht
    zweifelhaft. Selbst bei Veranstaltungen in vergleichbaren
    Studiengängen stellen sich rasch Unterschiede heraus. In
    Studiengängen der Digitalen Geisteswissenschaften können oftmals
    Kenntnisse zu Datenmodellierung und -verarbeitung angenommen werden.
    Der Bedarf, diese im Hinblick auf digitale Editionen grundlegend zu
    vermitteln, besteht in der Fachgemeinschaft indes weiterhin. Dies
    zeigt das Interesse an Formaten wie einem Workshop
    (<xref alt="Hegel, Ries und Viehhauser 2023" rid="ref-Hegel-2023" ref-type="bibr">Hegel,
    Ries und Viehhauser 2023</xref>), der eine Abwandlung des
    vorgestellten Kurskonzeptes darstellt und mit Einheiten aus
    ähnlichen Lehrveranstaltungen kombiniert wurde.</p>
    <p>Aufgrund der verschiedenen Anforderungen an derartige
    Lehrveranstaltungen, vor allem aufgrund der Vermittlung nicht nur
    editorischer, sondern auch computerphilologischer Kompetenzen (siehe
    Abschnitt 1) werden vergleichbare Veranstaltungen andernorts auf
    zwei Semester verteilt. Mit Blick auf die digitalen Kompetenzen
    erscheint es eine Überlegung wert, ob editorische Kenntnisse in
    philologischen und ähnlichen Studiengängen gleich mit digitalen
    Methoden verbunden werden können.</p>
    <p>Ähnlich wie die praktische Editorik theoretische Erkenntnisse
    über den edierten Gegenstand voraussetzt und ermöglicht, kann der
    Unterricht idealiter in der Textkodierung eine Reflexion der
    digitalen Praktiken von Datenstrukturierung und -verarbeitung
    ermöglichen (vgl.
    <xref alt="McCarty 2005" rid="ref-McCarty-2005" ref-type="bibr">McCarty
    2005</xref>;
    <xref alt="Burnard 2018, 108–109, 112–114" rid="ref-Burnard-2018" ref-type="bibr">Burnard
    2018, 108–109, 112–114</xref>;
    <xref alt="Sahle 2015" rid="ref-Sahle-2015" ref-type="bibr">Sahle
    2015</xref>). Dies betrifft nicht nur die Frage, wie der Gegenstand
    digital adäquat modelliert werden kann, sondern auch die Frage, wie
    er digital präsentiert und bereitgestellt werden soll. Ein solcher
    Unterricht steht vor der Aufgabe, sowohl den Gegenstand der Edition
    zu überdenken als auch die medialen Spezifika der digitalen
    Verarbeitung. Man kann dies positiv wenden: Der Unterricht
    ermöglicht idealerweise eine tiefere Einsicht in das behandelte
    Objekt und in die Methode seiner Behandlung, indem Strategien zur
    Datenmodellierung und -verarbeitung gefunden werden, die dem
    Gegenstand und der Fragestellung angemessen sind (vgl.
    <xref alt="Behrmann 1991" rid="ref-Behrmann-1991" ref-type="bibr">Behrmann
    1991</xref>, v.a. 8 und 11; sowie
    <xref alt="Mahony und Pierazzo 2012, 223–224" rid="ref-Mahony-2012" ref-type="bibr">Mahony
    und Pierazzo 2012, 223–224</xref>).</p>
  </sec>
  <sec id="alternative-umsetzungsmöglichkeiten">
    <title>5.3 Alternative Umsetzungsmöglichkeiten</title>
    <p>In vergleichbaren Lehrkontexten können die einzelnen Schwerpunkte
    anders gewichtet sein. Wenn der Fokus auf dem Erproben von
    standardisierten Workflows und Tools liegt, spielen die editorischen
    Grundlagen eine indirektere Rolle. In Bezug auf die Punkte 1 bis 5
    aus Sitzung 1 im Abschnitt 4 werden dann bspw. Problemfelder nur
    angesprochen und auf vertiefende Literatur sowie Recherchemittel wie
    das KONDE-Weißbuch zum Selbststudium hingewiesen. In anderen
    Veranstaltungen wird auf die <italic>Kommentierung</italic>
    verzichtet, während sich ein ganzer Block dem Themenfeld
    <italic>Mediale Präsentation</italic> widmet. Im Rahmen des Blocks
    <italic>Transkription</italic> (s. Abschnitt 4, Sitzungen 6-9) wird
    in vergleichbaren Veranstaltungen üblicherweise auch das
    einschlägige TEI-Kapitel zum kritischen Apparat
    (<monospace>textcrit</monospace>) mit den verschiedenen Ansätzen der
    lokalen Referenz, der doppelten Endpunktmarkierung und der
    parallelen Segmentierung behandelt. Es wird aber im hier
    vorgestellten Lehrkonzept bewusst ausgespart, da es aufgrund der
    Quellenlage eine weniger wichtige Rolle spielt.</p>
    <p>Je nach Studienmöglichkeiten können die fachlichen Hintergründe
    der Studierenden variieren, sodass sich auch Inter- und
    Transdisziplinarität unter Umständen als weitere Lernziele anbieten.
    Methodische Varianz kann durch den zeitlichen Rahmen oder durch die
    Anbindung an Forschungsvorhaben begründet sein, aber auch im
    Hinblick auf die vorausgesetzten Kompetenzen erfolgen. Welche
    Möglichkeiten hier offen stehen, sollen folgende Hinweise zu einem
    vergleichbaren Kurs andeuten, der auf einer Übung zu X-Technologien
    aufbaut und auf eine Veranstaltung zu Webtechnologien
    vorbereitet:</p>
    <p>Statt Briefe manuell zu entziffern, erschließen alle
    Teilnehmenden in diesem Kurs zunächst je einen handgeschriebenen
    Brief und ein Typoskript mit
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://gitlab.com/scripta/escriptorium/"><italic>eScriptorium</italic></ext-link>,
    um praktische Erfahrung mit einem gängigen OCR/HTR-Werkzeug zu
    erlangen. In einer anschließenden Gruppendiskussion werden dann
    typische Problemfälle gemeinsam herausgearbeitet. Zusätzlich können
    Studierende vorhandene XSLT-Kenntnisse vertiefen, indem sie ein
    eigenes Skript zur Transformation des eScriptorium-Outputs in
    valides TEI entwickeln.</p>
    <p>In einem zweiten Schritt entwickeln die Teilnehmenden unter
    Hilfestellung ein XSLT-Skript, das Personen und Orte extrahiert. Das
    so generierte Personenregister wird dann mit
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://openrefine.org/"><italic>OpenRefine</italic></ext-link>
    um Normdaten
    (<ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://gnd.network/">GND</ext-link>-IDs)
    angereichert. Umgekehrt erfolgt die Anreicherung des Ortsregisters
    durch manuelle Recherche in
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://www.geonames.org/"><italic>GeoNames</italic></ext-link>,
    sodass die Teilnehmenden beide Wege kennenlernen. Des Weiteren
    erfassen die Studierenden Normdaten als CMIF
    (<xref alt="Dumont u. a. 2020" rid="ref-Dumont-2020" ref-type="bibr">Dumont
    u. a. 2020</xref>) im Metadatenblock der TEI-Dokumente, was eine
    Validierung und Vorschau über den im Briefkontext weit verbreiteten
    Webservice
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://correspsearch.net"><italic>correspSearch</italic></ext-link>
    (<xref alt="Dumont 2016" rid="ref-Dumont-2016" ref-type="bibr">Dumont
    2016</xref>) ermöglicht.</p>
    <p>Um die Methodenvielfalt in den Digitalen Geisteswissenschaften
    aufzuzeigen, enthält der Vergleichskurs auch eine kleine Einheit mit
    Einblicken in Nachbardisziplinen wie dem <italic>Natural Language
    Processing</italic>. Diese beginnt mit einer freien Exploration der
    Briefinhalte mit den
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://voyant-tools.org/"><italic>Voyant
    Tools</italic></ext-link>, gefolgt von einem gemeinsamen
    Erkenntnisaustausch. Darüber hinaus hat die Kursleitung Batch- bzw.
    Shellskripte vorbereitet, die XSLTs mit dem
    <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://cis.uni-muenchen.de/~schmid/tools/TreeTagger/"><italic>TreeTagger</italic></ext-link>-Aufruf
    (<xref alt="Schmid 1995" rid="ref-Schmid-1995" ref-type="bibr">Schmid
    1995</xref>) kombinieren, um die TEI-Texte in eine lemmatisierte
    Version zu transformieren. Auf diese Weise lernen die Teilnehmenden
    alternative Kodierungs- und Analysemöglichkeiten kennen und können
    deren Vor- und Nachteile explorieren und diskutieren.</p>
    <p>Abschließend bereitet eine Gruppe von Studierenden das
    Personenregister zu einer HTML-Ansicht auf, während eine andere eine
    Briefeinzelansicht mit XSLT generiert, sodass sie praxisnahe
    Einblicke in alle Abschnitte eines digitalen Editionsprozesses
    erfahren.</p>
    <p>Alle diese real praktizierten Lehreinheiten sollen zeigen, dass
    das vorgestellte Lehrkonzept in der Regel nicht <italic>in
    toto</italic> übertragen werden kann. Die Modularität sowohl der
    einzelnen Einheiten als auch der TEI-Richtlinien erleichtern
    allerdings die Übernahme einzelner Bestandteile aus diesem Konzept
    oder dem eingangs genannten frei zugänglichen Lehrmaterial. Die
    Auswahl der Module hängt von verschiedenen Faktoren ab: a) von den
    Kompetenzprofilen der Teilnehmenden, b) der Einbindung in Curricula
    mit ihren jeweiligen Voraussetzungen, Lernzielen und Zeitgerüsten,
    c) der Anbindung an Forschungsprojekte sowie d) den individuellen
    wie institutionellen technischen Voraussetzungen. Ein weiterer, aber
    entscheidender Faktor wurde dabei noch nicht genannt: e) die
    Kompetenzprofile der Lehrenden.</p>
  </sec>
</sec>
</body>
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<fn-group>
  <fn id="fn1">
    <label>1</label><p>Dank an Thomas Kollatz (Mainz), Andrea Rapp
    (Darmstadt), Thorsten Ries (Austin) und Gabriel Viehhauser (Wien)
    sowie an die Gutachtenden für die konstruktive Kritik.</p>
  </fn>
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