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<journal-title>forTEXT</journal-title>
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<issn publication-format="electronic">2943-212X</issn>
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<publisher-name>Universitäts- und Landesbibliothek
Darmstadt</publisher-name>
<publisher-loc>Darmstadt</publisher-loc>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/fortext.3760</article-id>
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<article-title>Ressourcenbeitrag: Tagset Emotionsanalyse</article-title>
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<contrib contrib-type="author">
<contrib-id contrib-id-type="orcid">0000-0002-1707-284X</contrib-id>
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<surname>Flüh</surname>
<given-names>Marie</given-names>
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<email>marie.flueh@uni-hamburg.de</email>
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<institution>Universität Hamburg</institution>
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<pub-date date-type="pub" publication-format="electronic" iso-8601-date="2024-08-07">
<day>7</day>
<month>8</month>
<year>2024</year>
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<volume>1</volume>
<issue>4</issue>
<issue-title>Manuelle Annotation</issue-title>
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<event-desc>Erstveröffentlichung: 21.09.2020 auf <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://fortext.net/ressourcen/tagsets/emotionsanalyse">fortext.net</ext-link>
<date date-type="origdate" iso-8601-date="2020-09-21">
<day>21</day>
<month>09</month>
<year>2020</year>
</date>
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<license-p>-This work is licensed under a Creative Commons
Attribution-ShareAlike 4.0 International License.</license-p>
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<p><bold>Erstveröffentlichung:</bold> 21.09.2020 auf <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://fortext.net/ressourcen/tagsets/emotionsanalyse">fortext.net</ext-link></p>
<sec id="kurzbeschreibung">
  <title>1. Kurzbeschreibung</title>
  <p>Das <xref alt="Tagset" rid="glossary-tagset">Tagset</xref>
  „Emotionsanalyse“ ist für die Analyse emotionstragender Textelemente
  in literarischen Texten geeignet. Es enthält grundlegende Kategorien
  für die Untersuchung von durch literarische Figuren zum Ausdruck
  gebrachten Emotionstypen und basiert auf strukturorientierten Ansätzen
  der Emotionsforschung. Das Tagset beinhaltet Kategorien, die einen
  Einstieg in die Emotionsanalyse ermöglichen. Das Tagset erhalten Sie
  auf
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://zenodo.org/records/12636241">Zenodo</ext-link>
  (<xref alt="forTEXT 2020" rid="ref-fortextTagsetEmotionsanalyse2020" ref-type="bibr">forTEXT
  2020</xref>;
  <xref alt="Flüh 2024a" rid="ref-fluhRessourcenbeitragTagsetEmotionsanalyse2020" ref-type="bibr">Flüh
  2024a</xref>).</p>
</sec>
<sec id="anwendungsbeispiel">
  <title>2. Anwendungsbeispiel</title>
  <p>Angenommen, Sie möchten in Friedrich Schillers <italic>Der
  Geisterseher</italic> (<italic>Aus den Memoiren des Grafen von
  O</italic>, 1787–89) eine Studie zur Untersuchung der Frage
  durchführen, ob und auf welche Art und Weise literarische Figuren
  durch den Ausdruck von Emotionen ihre Umwelt, andere Figuren oder
  Sachverhalte bewerten und ob diesbezüglich von einer genderstereotypen
  Form der Bewertung die Rede sein kann. Welche positiven und negativen
  Emotionen bestimmen die erzählte Welt und lassen sich unterschiedliche
  geschlechtsspezifische Emotionsprofile ableiten?
  Hierfür können Sie die im Tagset Emotionsanalyse zur Verfügung
  gestellten Kategorien zur literaturwissenschaftlichen Emotionsanalyse
  verwenden und darauf aufbauend unterschiedliche Formen von
  Emotionsmanifestationen in Ihrem Text oder Textkorpus manuell
  annotieren
  (<xref alt="Jacke 2024a" rid="ref-jackeMethodenbeitragManuelleAnnotation2018" ref-type="bibr">Jacke
  2024a</xref>). Da die Kommunikation in literarischen Texten ein
  emotional sehr intensives Geschehen darstellt
  (<xref alt="Anz 2007" rid="ref-anzKulturtechnikenEmotionalisierungBeobachtungen2007" ref-type="bibr">Anz
  2007</xref>), ist eine hohe Anzahl an Annotationen zu erwarten, die
  Sie in einem nächsten Schritt bspw. mithilfe von Queries (vgl.
  <xref alt="Query" rid="glossary-query">Query</xref>) oder geeigneter
  Visualisierungen
  (<xref alt="Horstmann und Stange 2024" rid="ref-horstmannMethodenbeitragTextvisualisierung2018" ref-type="bibr">Horstmann
  und Stange 2024</xref>) ordnen und untersuchen können. Bei der
  Query-gestützten Auswertung der Annotationsdaten schauen Sie im Sinne
  eines
  <xref alt="Scalable Reading" rid="glossary-scalable-reading">Scalable
  Reading</xref>-Prozesses also wieder aus der Distanz auf Ihren Text
  sowie die Verteilung der Emotionstypen und können stichhaltige
  Aussagen über weibliche und männliche Emotionsmodelle ableiten.</p>
</sec>
<sec id="literaturwissenschaftlicher-kontext">
  <title>3. Literaturwissenschaftlicher Kontext</title>
  <p>Emotionen und Dichtung werden seit der Antike als zusammenhängende
  Komplexe betrachtet; philosophische Emotionstheorien existieren seit
  dem 17. Jhd.
  (<xref alt="Von Koppenfels und Zumbusch 2016" rid="ref-vonkoppenfelsEinleitungLiteraturUnd2016" ref-type="bibr">Von
  Koppenfels und Zumbusch 2016</xref>). Seit dem sog. <italic>emotional
  turn</italic> in den 1990er Jahren flammt in humanwissenschaftlichen
  Disziplinen ein neues Interesse an der Emotionsforschung auf.</p>
  <sec id="literaturwissenschaftliche-emotionsanalysen">
    <title>Literaturwissenschaftliche Emotionsanalysen</title>
    <p>Emotionen stellen bei sämtlichen Formen der Auseinandersetzung
    mit Literatur einen wichtigen Faktor dar. Um herauszufinden, welche
    Rolle Emotionen in der Trias aus Texproduktion (Autor*in),
    Textprodukt (Werk) und Textrezeption (Publikum) spielt, werden
    linguistische sowie literaturwissenschaftliche Erhebungen (auch in
    Kombination miteinander) durchgeführt. Im Kern lassen sich mit
    produktions-, rezeptions-, text- und kontextbezogenen Ansätzen vier
    Ausrichtungen der literaturwissenschaftlichen Emotionsforschung
    unterscheiden
    (<xref alt="Winko 2003" rid="ref-winkoKodierteGefuhlePoetik2003" ref-type="bibr">Winko
    2003</xref>;
    <xref alt="Winko 2019, 397–402" rid="ref-winkoLiteraturwissenschaftlicheEmotionsforschung2019" ref-type="bibr">Winko
    2019, 397–402</xref>).</p>
    <p><bold>Textnahe textanalytische Emotionsanalysen</bold>, die die
    Art und Weise der Gestaltung einzelner Emotionstypen in ausgewählten
    Werken untersuchen, betrachten Emotionen als textuelle Phänomene,
    wobei der Fokus v. a. auf negativen Emotionen zu liegen scheint
    (<xref alt="Schonlau 2017" rid="ref-schonlauMethodischeGrundlegungMit2017" ref-type="bibr">Schonlau
    2017</xref>;
    <xref alt="Baisch 2010" rid="ref-baischVorausdeutungenNeugierUnd2010" ref-type="bibr">Baisch
    2010</xref>;
    <xref alt="Hufnagel 2013" rid="ref-hufnagelDarstellungTrauerKonig2013" ref-type="bibr">Hufnagel
    2013</xref>;
    <xref alt="Gödde 2016" rid="ref-göddePathosGriechischenTragodie2016" ref-type="bibr">Gödde
    2016</xref>;
    <xref alt="Roloff 2017" rid="ref-roloffPathologieSchamEmotion2017" ref-type="bibr">Roloff
    2017</xref>;
    <xref alt="Röhnert 2017" rid="ref-röhnertWutStillIst2017" ref-type="bibr">Röhnert
    2017</xref>). In die Kategorie textzentrierter Emotionsanaysen
    gehören auch die drei folgenden Herangehensweisen:</p>
    <list list-type="order">
      <list-item>
        <p>Offener gestaltete Ansätze dieser Kategorie gehen weniger von
        der Emotion und verstärkt vom Einzeltext aus, indem im Rahmen
        emotionsbezogener Textanalysen gattungs- oder werkspezifische
        Emotionstypen ermittelt werden
        (<xref alt="Wieland 2013" rid="ref-wielandAlterndeMannerWechselnde2013" ref-type="bibr">Wieland
        2013</xref>;
        <xref alt="Lange 2016" rid="ref-langeGefuhleSchwarzAuf2016" ref-type="bibr">Lange
        2016</xref>). Einen maßgeblichen Beitrag zur
        literaturwissenschaftlichen Emotionsforschung in Form einer
        größer angelegten Studie, in denen emotionale Komponenten
        mehrerer Texte und Gattungen analysiert und verglichen werden,
        liefert Simone Winko
        (<xref alt="Winko 2003" rid="ref-winkoKodierteGefuhlePoetik2003" ref-type="bibr">Winko
        2003</xref>).</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Literaturlinguistische Ansätze, die anhand linguistischer
        Modelle das Zusammenspiel von Sprache und Emotionen in
        literarischen Texten untersuchen, finden sich z. B. bei Kalwa
        (<xref alt="2015" rid="ref-kalwaEmotionenLiterarischenTexten2015" ref-type="bibr">2015</xref>).
        Winko
        (<xref alt="2003" rid="ref-winkoKodierteGefuhlePoetik2003" ref-type="bibr">2003</xref>)
        wählt Gedichte aus zwölf um 1900 publizierten Lyrik-Anthologien
        aus und untersucht ein aus 2939 bestehendes
        <xref alt="Korpus" rid="glossary-korpus">Korpus</xref>
        hinsichtlich der Gestaltung und Kodierung von Emotionen. Von
        überzeitlicher Relevanz ist die Einführung der Linguistin Monika
        Schwarz-Friesels, in der auch das Emotionspotenzial
        literarischer Texte behandelt und nach der Spezifik
        literarischer Emotionen gefragt wird.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Primär linguistisch ausgerichtete Arbeiten, in denen anhand
        sprachwissenschaftlicher Konzepte Emotionen auf
        unterschiedlichen Ebenen der Sprache lokalisiert und analysiert
        werden (bspw. Bestimmung des Sprechhandlungstypen), finden sich
        ebenfalls verstärkt seit den 1990er Jahren. Für die
        sprachwissenschaftliche Erfassung von Emotionen werden
        korpuslinguisitische Methoden oder auf die Analyse der
        Tiefensemantik abzielende textanalytisch-qualitative Methoden
        eingesetzt. Sprach- und literaturwissenschaftliche Ansätze
        durchlaufen eine ähnliche Entwicklung. Ausgehend von einer
        ebenfalls in den 1990er Jahren einsetzenden Auseinandersetzung
        mit dem Phänomen Emotion finden sich ebenfalls nur wenige
        sprachwissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Emotionen.
        Einen Forschungsüberblick bietet z. B. Schwarz-Friesel
        (<xref alt="2007, 12–15" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">2007,
        12–15</xref>) oder Kalwa und Römer
        (<xref alt="2016, 68–69" rid="ref-kalwaEmotionenSprachlichesHandeln2016" ref-type="bibr">2016,
        68–69</xref>).</p>
      </list-item>
    </list>
    <p><bold>Rezeptionsbezogene Ansätze</bold> betrachten Emotionen als
    Rezeptionsphänomene und untersuchen bspw. das durch die Lektüre
    evozierte emotionale Empfinden der Rezipient*innen. Da Emotionen im
    limbischen System verankert sind und einen Teil des menschlichen
    biologischen Systems darstellen, fallen in diese Kategorie diverse
    Ansätze, die Erkenntnisse der affektiven Neurowissenschaft,
    Neurobiologie und Psychologie einbeziehen. In diese Kategorie fällt
    auch die empirische literaturwissenschaftliche Emotionsforschung,
    wobei mittels standardisierter Interviews oder – deutlich seltener –
    physiologischer Messungen die Emotionen während des Lesens
    untersucht werden
    (<xref alt="Mellmann 2016" rid="ref-mellmannEmpirischeEmotionsforschung2016" ref-type="bibr">Mellmann
    2016</xref>). Unter diesen Perspektiven werden Emotionen als
    psychische Realitäten untersucht. <bold>Produktionsbezogene
    Ansätze</bold> analysieren den Einfluss von Textproduzent*innen auf
    den emotionalen Gehalt literarischer Texte und <bold>kontextbezogene
    Ansätze</bold> untersuchen v. a. die Historizität von Emotionen. In
    diesen Fällen werden Emotionen und Sprache im Zusammenhang mit
    gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, historischen Konjunkturen und
    Richtungswechseln sowie daran beteiligte Institutionen (Politische
    Öffentlichkeit, Medien, Arbeitsmarkt, Militär, Bildungswesen,
    Religion oder Familie) fokussiert
    (<xref alt="Frevert 2016" rid="ref-frevertVerganglicheGefuhle2016" ref-type="bibr">Frevert
    2016</xref>;
    <xref alt="Goebel 2016" rid="ref-goebelMelancholieFruhenNeuzeit2016" ref-type="bibr">Goebel
    2016</xref>;
    <xref alt="Giuriato 2016" rid="ref-giuriatoZartlicheLiebeUnd2016" ref-type="bibr">Giuriato
    2016</xref>). Ein digitales Pendant der Emotionsanalyse findet sich
    in der Sentimentanalyse
    (<xref alt="Flüh 2024b" rid="ref-fluhMethodenbeitragSentimentanalyse2019" ref-type="bibr">Flüh
    2024b</xref>). Unter dieser Perspektive werden emotionstragende
    Textelemente in literarischen Texten durch Methoden, die auf Formen
    des maschinellen Lernens (vgl.
    <xref alt="Machine Learning" rid="glossary-machine-learning">Machine
    Learning</xref>) zurückgreifen (textnah), oder im Rahmen
    lexikabasierter Sentimentanalysen (textfern) untersucht. Durch die
    computergestützten Verfahren, die hierbei zum Einsatz kommen, lassen
    sich größere Textmengen analysieren. Auf diese Weise wird der
    steigenden Anzahl von Retrodigitalisaten Rechnung getragen und eine
    bisher eher auf Einzelfallstudien basierende
    Literaturgeschichtsschreibung durch neue Perspektiven ergänzt.
    Im Folgenden sei ein weiterer Ansatz genauer vorgestellt, in dessen
    Kontext das hier vorgestellte Tagset zu verorten ist: die textnahe
    textanalytische Emotionsanalyse. Dieser Ansatz zielt darauf ab,
    durch eine werkimmanente, textanalytische Herangehensweise
    unterschiedliche Emotionstypen sowie deren Ausdrucks- und
    Darstellungsweisen in Erzähltexten ausfindig zu machen. Das Tagset
    gehört in die erste Kategorie der textzentrierten Forschungsansätze.
    Da Emotionen stets an ein Subjekt gebunden sind, stellt v. a. die
    Kommunikation der Figuren eines der zentralen Bestandteile
    literarischer Emotionalisierungstechniken dar
    (<xref alt="Anz 2007, 219" rid="ref-anzKulturtechnikenEmotionalisierungBeobachtungen2007" ref-type="bibr">Anz
    2007, 219</xref>). Da folglich davon auszugehen ist, dass v. a. das
    semantische Umfeld von Figurenerwähnungen sowie die Figurenrede und
    an Figuren gebundene Textelemente emotionstragende Bestandteile
    enthalten, werden literarische Figuren als Einfallstor der
    Emotionsanalyse genutzt; Konzeption des Tagsets sowie die
    Beschreibungs- und Analysekategorien greifen auf einen theoretischen
    Rahmen zurück, der die Analyse von Emotionstypen im Zusammenhang mit
    literarischen Figuren fokussiert. Für die Emotionsanalyse wird das
    Verfahren der manuellen digitalen Annotation
    (<xref alt="Jacke 2024a" rid="ref-jackeMethodenbeitragManuelleAnnotation2018" ref-type="bibr">Jacke
    2024a</xref>) verwendet und im Rahmen des emotionsbezogenen
    Annotationsprozesses somit auf einen klassischen
    Close-Reading-Ansatz (vgl.
    <xref alt="Close Reading" rid="glossary-close-reading">Close
    Reading</xref>) zurückgegriffen. Das Tagset setzt die strukturierte
    Textarbeit an erste Stelle der Auseinandersetzung mit Emotionstypen
    im Text. Darauf aufbauend können plausible sowie nachweisbare Thesen
    über Emotionen in literarischen Texten und bspw. text-, gattungs-,
    oder autor*innenspezifische Emotionsmodelle formuliert und eine
    tiefergehende Typologisierung der identifizierten
    Emotionsinformationen durchgeführt werden. Eine Abgrenzung bzw.
    detaillierte Definition der mal synonym, mal getrennt betrachteten
    Begrifflichkeiten Emotion, Gefühl, Stimmung und Affekt wird hier
    nicht vorgenommen.</p>
  </sec>
  <sec id="emotionstypologien-als-grundlagen-zur-textzentrierten-emotionsalyse">
    <title>Emotionstypologien als Grundlagen zur textzentrierten
    Emotionsalyse</title>
    <p>Hierbei werden Emotionen als Phänomen, dem das Interesse dieses
    Tagsets gilt, verstanden als: „[…] mehrdimensionale, intern
    repräsentierte und subjektiv erfahrbare Syndromkategorien, die sich
    vom Individuum ichbezogen und introspektiv-geistig sowie körperlich
    registrieren lassen, deren Erfahrungswerte an eine positive oder
    negative Bewertung gekoppelt sind und die für andere in
    wahrnehmbaren Ausdrucksvarianten realisiert werden (können)“
    (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007, 55" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
    2007, 55</xref>).
    Ferner basiert das Tagset auf strukturorientierten Klassifizierungen
    von Emotionen. Im Kern lassen sich zwei Arten der Einteilung von
    Emotionen unterscheiden: strukturorientierte und
    funktionsorientierte Typologien. Die funktionsorientierten Ansätze
    unterscheiden Emotionen hinsichtlich gemeinsamer Bezugs- und
    Referenzgrößen (z. B. in zielgerichtete, nicht zielgerichtete,
    körper- oder lustbezogene Emotionen; das Tagset ließe sich um diese
    Kategorien erweitern). Strukturorientierte Klassifizierungen
    beschreiben Emotionen als pränatal genetisch im menschlichen
    Organismus verankerte und kulturunabhängige physische Erregungen,
    die auf Schaltkreisen im limbischen System beruhen. Ein bestimmtes
    Set an Emotionen ist deshalb bei allen Menschen neuronal in den
    Strukturen des Gehirns verankert
    (<xref alt="Damásio 2004" rid="ref-damasioEmotionsFeelingsNeurobiological2004" ref-type="bibr">Damásio
    2004</xref>). Den wohl bekanntesten, kontrovers diskutierten und in
    diversen späteren Ansätzen aufgegriffen sowie weiterentwickelten
    Ansatz stellt Paul Ekmans Modell der sieben Basisemotionen Glück,
    Zorn, Trauer, Furcht, Ekel, Überraschung und Verachtung dar
    (<xref alt="Ekman 1988" rid="ref-ekmanGesichtsausdruckUndGefuhl1988" ref-type="bibr">Ekman
    1988</xref>). Bereits der Psychologe Ekman steht mit seiner Theorie
    der kulturunabhängigen Basisemotionen in der langen Tradition einer
    ganzen Reihe von Typisierungsversuchen. Aristoteles definiert 15
    Basisemotionen (darunter Begierde, Zorn, Furcht, Mut, Neid, Freude,
    Freundschaft, Hass, Sehnsucht, Eifer und Mitleid). Descartes spricht
    von sechs Basisemotionen (Liebe, Hass, Begehren, Freude, Traurigkeit
    und Bewunderung), Hume von nur zwei Emotionen bzw. Affekten
    (Vergnügen/Missvergnügen), Spinoza von drei (Begierde, Freude,
    Hass), Hobbes verweist auf sieben Grundemotionen (Verlangen/Lust,
    Begehren, Liebe, Abneigung, Hass, Freude und Kummer)
    (<xref alt="Süselbeck 2019" rid="ref-süselbeckSpracheUndEmotionales2019" ref-type="bibr">Süselbeck
    2019</xref>) und Charles Darwin benennt mit Ärger, Freude, Wut,
    Grauen, Angst, Schmerz und Liebe ebenfalls eine Reihe von
    Basisemotionen. Das Tagset eignet sich primär, um grundlegende
    Emotionstypen zu bestimmen, die in einem Text vorkommen. Dieser
    Ansatz basiert u. a. auf dem linguistischen Standardwerk über
    <italic>Emotionen und Sprache</italic>
    (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
    2007</xref>), aus dem zentrale Beschreibungskategorien übernommen
    und unter Einbezug unterschiedlicher strukturorientierter
    Emotionstypologien auf die Analyse von Erzähltexten abgestimmt
    wurden. Die enthaltenen Analysekategorien sind erweiterbar bzw. das
    Tagset Narratologie
    (<xref alt="Jacke 2024b" rid="ref-jackeRessourcenbeitragTagsetNarratologie2020a" ref-type="bibr">Jacke
    2024b</xref>) lässt sich auch für die Emotionsanalyse einsetzten.
    Welche Instanz (Sprecher oder Figur) eine Emotion zugeordnet wird,
    ist für die sprachliche Gestaltung von Emotionen aussagekräftig. Die
    erzähltheoretische Analysekategorien Modus (Distanz, Fokalisierung)
    und Stimme des Sprechens (heterodiegetisch, homodiegetisch,
    autodiegetisch) sind im Rahmen einer Emotionsanalyse interessant, um
    textintern zu untersuchen, auf welche Art und Weise Emotionen einer
    Figur zugeschrieben werden (durch die Handlung der Figur selbst oder
    durch die Stimme) und um herauszufinden, wie mittel- oder
    unmittelbar Emotionen zutage treten. Die nähere Bestimmung der
    Präsentationsform der Emotionstypen (v. a. lexikalische, bildliche
    und rhetorische Formen der Präsentation) stellt eine weitere
    spannende Möglichkeit der Anschlussforschung dar.</p>
  </sec>
</sec>
<sec id="tagset">
  <title>4. Tagset</title>
  <p>Das Tagset Emotionsanalyse kann hier als XML-Datei heruntergeladen
  werden, in geeignete Tools (beispielsweise
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://catma.de">CATMA)</ext-link>
  (<xref alt="Schumacher 2024" rid="ref-schumacherToolbeitragCATMA2019" ref-type="bibr">Schumacher
  2024</xref>)) importiert und dort verwendet werden. Abbildung 1 zeigt
  die im Tagset enthaltenen Tags in ihrer hierarchischen Struktur sowie
  die #Properties und Values.</p>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 1: Erster Teil des Tagsets zur Emotionsanalyse mit
    Subtags, Properties und Values</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Set1.png" />
  </fig>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 2: Tagset zur Emotionsanalyse (Teil
    zwei)</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Set2.png" />
  </fig>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 3: Tagset zur Emotionsanalyse (Teil
    drei)</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Set3.png" />
  </fig>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 4: Tagset zur Emotionsanalyse (Teil
    vier)</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Set4.png" />
  </fig>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 5: Tagset zur Emotionsanalyse (Teil
    fünf)</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Set5.png" />
  </fig>
</sec>
<sec id="richtlinien-zur-anwendung">
  <title>5. Richtlinien zur Anwendung</title>
  <p>Im Folgenden werden die einzelnen Kategorien definiert – für
  speziell zur
  <xref alt="Annotation" rid="glossary-annotation">Annotation</xref>
  vorgesehene Tags (vgl.
  <xref alt="Tagset" rid="glossary-tagset">Tagset</xref>) werden darüber
  hinaus Hinweise zur Länge der annotierten Passage und zu textuellen
  Indikatoren angegeben sowie einige Beispiele.
  Um möglichst diverse emotionstragende Textstrukturen abbilden zu
  können, basiert die Emotionsanalyse auf einem dreiteiligen
  <xref alt="Tagset" rid="glossary-tagset">Tagset</xref> (s. Abb. 6).
  Das gesamte Tagset „Emotionsanalyse“ lässt sich in drei Ebenen
  einteilen, die jeweils einzelne Bestandteile der oben zitierten
  Definition aufgreifen. Auf der Makroebene dient das Tagset der
  Beschreibung der Art der Emotion (Identifikation unterschiedlicher
  Varianten von Emotionen und Kategorisierung nach Emotionsfamilien).
  Auf der Mesoebene fokussiert es die Qualität der an Emotionen
  gekoppelten Bewertungen (positiv, negativ oder neutral) und weitere
  Parameter, die zur näheren Beschreibung der Emotionen herangezogen
  werden können (Dauer und Intensität). Darüber hinaus lässt sich das
  Tagset um eine Mikoebene erweitern, auf der Sie die
  Repräsentationsformen der identifizierten Emotionen (verbal, nonverbal
  oder körperlich) in den Blick nehmen können.</p>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 6: Ebenenmodell zur Emotionsanalyse</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Ebenenmodell.png" />
  </fig>
  <p>Diese Richtlinien enthalten spezifische Anwendungshinweise nur für
  die Tags, die speziell für die Anwendung bei der Annotation vorgesehen
  sind. Im Falle der Tags für die Emotionsanalyse sind das
  ausschließlich die Tags sowie die dazugehörigen Properties (vgl.
  <xref alt="Property" rid="glossary-property">Property</xref>) und
  Values innerhalb der Emotionsfamilien. Annotiert wird also mit den
  Begriffen, die hier als Subtags bezeichnet werden.</p>
  <sec id="art-der-emotion">
    <title>5.1. Art der Emotion</title>
    <p><italic>Emotionen_ART:</italic> Die hier versammelten Kategorien
    dienen der Analyse der Emotionstypen. Sie zielen darauf ab,
    Textpassagen herauszufiltern, die eindeutig sowie nicht-eindeutig
    identifizierbare Emotionsmanifestationen enthalten. Die Grundlage
    bilden unterschiedliche strukturorientierte Emotionstheorien; darauf
    aufbauend wurden konzeptuelle Emotionsfamilien mit mehr oder weniger
    typischen Mitgliedern entworfen und in dieses Tagset übertragen. Die
    grobe Kategorisierung in Emotionsgruppen erfährt – im Sinne einer
    Konkordanzanalyse – durch die Zuteilung hyperonymer Emotionstypen
    eine feingranulare Erweiterung. Die Konzeption des Tagsets, das ein
    möglichst breites Spektrum emotionaler Zustände abdeckt, zielt
    darauf ab, bei der Analyse den unterschiedlichen Nuancen, in denen
    ein und dieselbe Basisemotion zutage treten kann, Raum zu geben. Die
    hier vorgeschlagene Taxonomie basiert auf dem Ansatz einer
    undogmatischen Emotionsanalyse, die keinen Emotionstypen in den
    Vordergrund der Analyse rückt, sondern von einem unendlichen
    Emotionspotenzial literarischer Texte ausgeht, das diverse
    Emotionsschemata hervorbringen kann.
    Das Tagset Emotionen_Art beinhaltet folgenden Emotionstypen mit
    unterschiedlichen Untertypen (Subtags), anhand derer annotiert
    wird.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag EKEL mit den Subtags „Aversion“, „Widerwille“,
        „Verachtung“ und „Abneigung“</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ein Satz oder
            Teilsatz</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Explizites Benennen der Lexeme
            (Gefühlswörter) und sämtlicher Verben und Adjektive, die
            sich aus den Substantiven ableiten lassen
            (Gefühlswortschatz). Bei der figural zum Ausdruck gebrachten
            Emotion Ekel – einer der stärksten Affektreaktionen des
            menschlichen Wahrnehmungssystems – handelt es sich um ein
            heftiges Unlustgefühl, das auf Beimischungen von
            Lustgefühlen verzichtet
            (<xref alt="Menninghaus 1999" rid="ref-menninghausEkelTheorieUnd1999" ref-type="bibr">Menninghaus
            1999</xref>). Er kommt häufig im Rahmen einer negativen
            Bewertung der Umwelt, anderer Figuren oder Sachverhalte,
            Schilderungen konfliktbeladener Situationen und
            Streitgesprächen zwischen zwei Figuren vor, in denen die
            Abscheu gegenüber einer anderen Person zum Ausdruck gebracht
            wird Mögliche Objekte der mit Ekel, Abscheu etc. verbundenen
            Wahrnehmungen können bspw. Speisen, Krankheiten, äußere
            Erscheinungsbilder oder olfaktorische Wahrnehmungen
            sein.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „Alle klatschten Beifall, <italic>wenn schon
            die Fräulein ein wenig die Nase rümpften</italic>“ (durch
            das Rümpfen der Nase zum Ausdruck gebrachter EKEL in Form
            von Abneigung oder Verachtung in Heinrich Zschokkes
            <italic>Der tote Gast</italic>). „Aber es galt für
            unschicklich, viel von sich selbst zu sprechen, und die
            großen Confidenzen, <italic>die leidenschaftlichen
            Erörterungen gegen Freunde und Freundinnen sind mir stets
            als krankhafte Geschmacklosigkeiten vorgekommen</italic>“
            (EKEL in Form von Abneigung in Fanny Lewalds <italic>Die
            Tante</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag FREUDE/GLÜCK mit den Subtags „Seligkeit“, „Erheiterung“,
        „Entzücken“, „Witz“, „Vergnügen“, „Humor“, „Zufriedenheit“,
        „Euphorie“</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. mehrere Wörter
            oder ein Satz</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Explizites Benennen der Lexeme
            (Gefühlswörter) und sämtlicher Verben und Adjektive, die
            sich aus den Substantiven ableiten lassen
            (Gefühlswortschatz); positive Bewertung der Umwelt, anderer
            Figuren oder Sachverhalte; heitere Handlungspassagen, in der
            Figuren ihr Frohsein über eine zeitgleich erlebte oder
            erinnerte angenehme Situation zum Ausdruck bringen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „<italic>Aha! rief er lachend</italic> und
            <italic>reichte mir über den Tisch die Hand</italic>: mein
            glücklicher Nebenbuhler, dem ich für sein Glück noch dankbar
            sein muß!“ (FREUDE in Form von Erheiterung und LIEBE in Form
            von Zuneigung in Heinrich Zschokkes <italic>Der tote
            Gast</italic>). „Im Nu waren wir oben und am Fenster,
            <italic>denn die Fanfaren schmetterten ihre Freudentöne
            durch die Luft, daß mir die hellen Thränen aus den Augen
            stürzten</italic>“ (Tränen der FREUDE in Form von Entzücken
            in Fanny Lewalds <italic>Die Tante</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag FURCHT/ANGST mit den Subtags „Grauen“, „Entsetzen“,
        „Panik“, „Schrecken“, „Bestürzung“, „Nervosität“,
        „Zaghaftigkeit“, „Gruseln“ und „Besorgnis“</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. ein Satz</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Explizites Benennen der Lexeme
            (Gefühlswörter) und sämtlicher Verben und Adjektive, die
            sich aus den Substantiven ableiten lassen
            (Gefühlswortschatz); negative Bewertung der Umwelt, anderer
            Figuren oder Sachverhalte. Mit Angst verbundene beklemmende
            Wahrnehmungen können aus Situationen resultieren, in denen
            eine Figur sich bedroht fühlt, oder durch den Anblick
            furchterregender Objekte, Sachverhalte sowie ausufernder
            Naturereignisse oder anderer menschlicher oder tierischer
            Wesen ausgelöst werden.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „<italic>Ich hatte kaum die Ruhe, meinen
            Besuchen die nöthige Rede und Antwort zu geben. Ich ging vom
            Sopha zum Fenster, vom Fenster zur Thüre und wieder
            zurück</italic>“ (ANGST in Form von Nervosität in Fanny
            Lewalds <italic>Die Tante</italic>). „<italic>Ihre Hände
            suchten nach einem Halt und umschlangen ein daneben
            stehendes Birkenstämmchen, aber erschrocken riß sie die Hand
            zurück und die Augen wieder auf</italic>, als es unter der
            Berührung plötzlich nachgab und die zitternde Blätterkrone
            seufzend an die Erde gleiten ließ“ (Schrecken in Julie
            Ludwigs <italic>Das Gericht im Walde</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag LIEBE mit den Subtags „Güte“, „Hingabe“, „Zuneigung“,
        „Anbetung“, „Vertrauen“, „Intimität“ und „Sachliches
        Begehren“</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. ein Satz oder
            mehrere Sätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Explizites Benennen der Lexeme
            (Gefühlswörter) und sämtlicher Verben und Adjektive, die
            sich aus den Substantiven ableiten lassen
            (Gefühlswortschatz); positive Bewertung der Umwelt oder
            Sachverhalte, v. a. aber anderer Figuren. Formen der starken
            Zuneigung, Anerkennung, Bewunderung oder Wertschätzung
            richten sich in den meisten Fällen auf andere Figuren,
            können sich in Form eines sachlichen Begehrens aber auch auf
            Objekte richten.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „<italic>Sie schloß mich mit großer
            Zärtlichkeit an ihre Brust, küßte mich auch
            mehrmals</italic> und ich fühlte ihre warmen Thränen auf
            meiner Stirne“ (LIEBE in Form von Intimität und Zuneigung in
            Fanny Lewalds <italic>Die Tante)</italic>. „<italic>Im
            rücksichtslosen Ungestüm der Leidenschaft fiel sie ihm
            weinend an die Brust und schlang die Arme um seinen
            Hals</italic>“ (LIEBE in Form von Hingabe oder Zuneigung in
            Schmids <italic>Mohrenfranzl</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag TRAUER mit den Subtags „Niedergeschlagenheit“, „Trübsal“,
        „Verzweiflung“, „Melancholie“, „Leid“, „Einsamkeit“ und
        „Kummer“</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. ein Satz</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Explizites Benennen der Lexeme
            (Gefühlswörter) und sämtlicher Verben und Adjektive, die
            sich aus den Substantiven ableiten lassen
            (Gefühlswortschatz); negative Bewertung der Umwelt,
            Sachverhalte oder dem Verhalten Anderer. Trauer wird i.
            d. R. durch den schwerwiegenden Verlust einer geliebten
            Person, einen ideellen Verlust, eine als hoffnungslos
            beurteilte Situation oder Erinnerungen an Verluste
            ausgelöst.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „Auch <italic>Waldrich ward von seinem
            geheimen Schmerz übermannt</italic>“ (TRAUER in Form von
            Verzweiflung über den Weggang der Geliebten in Heinrich
            Zschokkes <italic>Der tote Gast</italic>). „<italic>Alles,
            was ich bisher im heitern Lichte der Sorglosigkeit
            betrachtet, erschien mir jetzt in düsterer Farbe</italic>“
            (TRAUER in Form von Trübsal in Fanny Lewalds <italic>Die
            Tante</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag ZORN mit den Subtags „Hass“, „Verärgerung“, „Wut“,
        „Empörung“, „Enttäuschung“, „Groll“, „Verbitterung“</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. ein oder mehrere
            Sätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Explizites Benennen der Lexeme
            (Gefühlswörter) und sämtlicher Verben und Adjektive, die
            sich aus den Substantiven ableiten lassen
            (Gefühlswortschatz); negative Bewertung der Umwelt,
            Sachverhalte oder anderer Figuren; ein Gefühl von
            Widerstreben, Feindschaft oder Ablehnung. Nicht selten
            resultiert die Empfindung von Hass – als besonders starke
            Form des Zorns, dem die Tendenz der Vernichtung gegenüber
            dem Gehassten innewohnt – aus Erfahrungen der Ohnmacht und
            Missachtung
            (<xref alt="Brokoff und Walter-Jochum 2016" rid="ref-brokoffVerachtungUndHass2016" ref-type="bibr">Brokoff
            und Walter-Jochum 2016</xref>).</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „<italic>Er warf ihr den von ihr empfangenen
            Ring vor die Füße und ging und kam nicht wieder</italic>“
            (ZORN in Form von Wut in Heinrich Zschokkes <italic>Der tote
            Gast</italic>). „Aber <italic>Bernhard grollte ihr,</italic>
            daß sie sein Kind <italic>dem Grafen, den er haßte</italic>,
            hingegeben“ (ZORN in Form von Groll auf die Ehefrau und Hass
            auf den Kontrahenten in Louise von Galls <italic>Eine fromme
            Lüge</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag PROBLEMFÄLLE mit den Subtags „Hassliebe“, „Scham“,
        „Sadismus“, „Interesse“, „Mut“, „Aggression“, „Erstaunen“,
        „Eifersucht“, „Bedauern“, „Gefühlskälte“, „Gleichgültigkeit“ und
        „Schadenfreude“.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. ein Satz oder
            mehrere Wörter. In dieser Kategorie befinden sich
            Emotionstypen, die sich nicht eindeutig einer der
            Emotionsfamilien zuordnen lassen. Es handelt sich um
            Mischformen (Hassliebe, Schadenfreude), die mehrere polare
            Gegensätze vereinen, oder um Emotionstypen, für die nicht
            eindeutig entschieden werden kann, ob sie eine eigene
            Emotionskategorie konstituieren oder sich doch einer der
            Emotionsfamilien zuordnen lassen. Weitere Typen fallen in
            diese Kategorie, da die Qualität der Emotion durch eine
            Verortung auf der Positiv-Negativ-Skala nicht eindeutig
            bestimmt werden kann (Gefühlskälte, Gleichgültigkeit). Zu
            den problematischen Emotionstypen, die besonders häufig
            vorkommen, zählt die Empfindung von Scham – eine
            „relationsbezogene, selbstreflexive Emotion, die das
            erlebende Subjekt auf die bewertende Wahrnehmung der eigenen
            Person durch bedeutsame andere ausrichtet“
            (<xref alt="Röttger-Rössler 2016, 230" rid="ref-röttger-rösslerKulturelleFacettenScham2016" ref-type="bibr">Röttger-Rössler
            2016, 230</xref>). Scham wird besonders durch physische
            Begleiterscheinungen wie Schwitzen, Erröten oder Herzklopfen
            sichtbar.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „Also auch das schon haben Sie erfahren? sagte
            der Herr von Hahn ganz betroffen, und <italic>über das
            bleiche, doch lebhafte Gesicht verbreitete sich eine
            Röthe</italic>, die dem Scharfblick des Bürgermeisters nicht
            entging“ (schamhaftes Erröten als Form von Verlegenheit in
            Heinrich Zschokkes <italic>Der tote Gast</italic>).
            „<italic>Und sie hob den Kopf nur um so höher und setzte
            ihre Füße um so fester auf</italic>, je näher sie die
            bekannten Schritte hinter sich vernahm“ (mutiges
            Voranschreiten in Julie Ludwigs <italic>Das Gericht im
            Walde</italic>). „Der rege Handelsverkehr, der in Salonichi
            herrschte, das Gewühl am Hafen, die Pracht des Bazars, der
            nach dem Urtheil der Reisenden selbst den Bazar von
            Konstantinopel übertrifft, <italic>alles dies war schon
            geeignet, Stuarts Interesse in Anspruch zu nehmen</italic>“
            (Interesse oder Neugier in Kuglers
            <italic>Incantada</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag EMO_UNCATEGORIZED mit während der Annotation
        hinzugefügten Subtags: Sollte sich ein Textelement nicht ad hoc
        als Vertreter einer Emotionsfamilie identifizieren lassen, wird
        ein neuer Subtag erstellt und die entsprechende Annotation der
        Kategorie „EMO_UNCATEGORIZED“ zugeordnet. Dieses Vorgehen – die
        stetige Erweiterung des Tagsets während des Annotationsprozesses
        – zielt darauf ab, Unsicherheiten und Zweifeln Raum zu geben,
        die bei der Annotation des per se subjektiven
        Untersuchungsgegenstands zu erwarten sind.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passagen: i. d. R. ein Satz</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Sie sind davon überzeugt, dass in einer
            Textpassage eine emotionale Verhaltensweise vorliegt und
            Emotionsinformationen enthalten sind, können die Passage
            aber keiner der Emotionsfamilien zuordnen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „Nein, <italic>sagte Bernhard kalt</italic>,
            keinen Tag gebe ich das Kind fort“ (Gefühlskälte als
            Phänomen der Gleichgültigkeit in Louise von Galls
            <italic>Eine fromme Lüge</italic>). „<italic>Athemlos flog
            sie nach dem Pachthofe</italic>, um den Knecht zu bitten,
            ein paar junge, feurige Ackerpferde, die ihr Mann erst
            kürzlich gekauft, einzuspannen und sie nach dem Schlosse zu
            fahren“ (das einer bösen Vorahnung entstammende Gebot zur
            Eile der weiblichen Figur in Louise von Galls <italic>Eine
            fromme Lüge</italic> lässt sich hier noch nicht genau
            bestimmen, ließe sich bspw. als ANGSTreaktion (Besorgnis)
            klassifizieren).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="parameter-zur-beschreibung-der-emotion">
    <title>5.2. Parameter zur Beschreibung der Emotion</title>
    <p>Anhand der drei Parameter Wertigkeit, Intensität und Dauer lassen
    sich Emotionen näher beschreiben
    (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
    2007</xref>). Für jeden im Text klassifizierten Emotionstyp werden
    alle drei Parameter in Form von Properties (vgl.
    <xref alt="Property" rid="glossary-property">Property</xref>) und
    Values bestimmt. Die Längen beider annotierten Textpassagen sind
    deckungsgleich.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Property WERTIGKEIT mit den Values „positiv“, „negativ“ und
        „neutral“: Menschen lokalisieren und evaluieren Emotionen polar
        auf einer Positiv-Negativ-Skala
        (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
        2007</xref>). Die beidseitige Präsenz von Emotionen in der
        Literatur und im Leben der Menschen führt dazu, dass sich die
        Wertigkeit oder Qualität einer zum Ausdruck gebrachten Emotion
        in den meisten Fällen eindeutig als positiv oder negativ
        bestimmen lässt. Da die Emotionsanalyse textimmanent verfährt
        und nicht rezeptionsästhetisch, ist an dieser Stelle Vorsicht
        geboten. Nicht die eigene Einschätzung, sondern die figurale
        Proposition, ihr Bewusstsein der Emotion muss identifiziert
        werden. Sollte sich bspw. für einen als UNCATEGORIZED
        klassifizierten Emotionstypen keine Qualität zuweisen lassen,
        wird diese Emotion als „neutral“ annotiert. Auf diese Weise
        lässt sich auch das Phänomen der Gleichgültigkeit – einem bisher
        selten berücksichtigten emotionalen Zustand, bei dem keine
        Festlegung auf der Positiv-Negativ-Skala erfolgt
        (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
        2007</xref>) – einbeziehen. Die Annotation der Wertigkeit ist v.
        a. dann von Vorteil, wenn Sie abschließend generalisierende
        Aussagen über die Qualität eines im Text oder Textkorpus
        dominierenden Emotionsprofils machen möchten.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Indikatoren für die positive Qualität der Emotion: Der
            Zustand der Figur verändert sich und wirkt sich positiv auf
            das Wohlbefinden aus. Alle Vertreter der Kategorie LIEBE und
            FREUDE/GLÜCK stellen positive und als angenehm erachtete
            Emotionen dar.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikator für die negative Qualität der Emotion: Der
            Zustand der Figur verändert sich und wirkt sich negativ auf
            das Wohlbefinden aus. Sämtliche Vertreter der Kategorien
            ZORN, FURCHT/ANGST, EKEL, TRAUER gehören zu den als
            negativen und unangenehm empfundenen Emotionen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele: „<italic>Franzel stand bei dem Rufe eine
            Secunde wie vesteinert; sie ließ dann die Kugeln auf die
            Bühne fallen und starrte, die zitternden Arme weit
            vorstreckend, nach dem Orte, woher der Laut gekommen
            war</italic>“ (negative Wertigkeit: FURCHT/ANGST als
            Schrecken in Schmids <italic>Mohrenfranzl</italic>). „Ei
            sieh da, Hanney! <italic>rief der Alte vergnügt</italic>.
            Auch auf dem Jahrmarkt?“ (positive Wertigkeit: FREUDE/GLÜCK
            als Erheiterung in Schmids
            <italic>Mohrenfranzl</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Property INTENSITÄT mit den Values „gemäßigt“ und „erregt“:
        Die Intensität beschreibt den Aktivierungsgrad einer Emotion und
        kann zwischen heftig bis gemäßigt bzw. erregt bis beruhigt
        variieren
        (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
        2007</xref>). „gemäßigt“ und „erregt“ stehen hier als polare
        Gegensätze, die Sie bei Bedarf durch eine skalare Einteilung
        ergänzen können.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Indikator „erregt“: Sprachlich werden intensiv ausgelebte
            Emotionen durch die Verwendung von Dimensionsadjektiven,
            Partikeln, Vergleichen oder Exklamativsätzen kodiert. Zu
            aufwühlenden Emotionstypen zählen bspw. Scham und Zorn
            (<xref alt="Voss 2004" rid="ref-vossNarrativeEmotionenUntersuchung2004" ref-type="bibr">Voss
            2004</xref>). Innerhalb der Emotionsfamilien finden sich
            Emotionen, die qua Emotionstyp ruhigen oder erregten
            Emotionstypen entsprechen. Euphorie, Entsetzen, Grauen,
            Hingabe, Hass, Bestürzung oder Wahnsinn lassen sich eher
            Emotionen mit erregter Intensität zuordnen. Da sich die
            Intensität von Emotionen aber von Text zu Text unterscheidet
            und sich nur kontextsensitiv bestimmen lässt, ist von einer
            grundlegenden Einteilung aller Mitglieder einer
            Emotionsfamilien nach intensiven und extensiven
            Emotionsformen abzusehen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiele für erregte Intensität: „<italic>Noch
            freudeberauschter war Henriette</italic>“ (positive
            Wertigkeit, FREUDE/GLÜCK (weiblich) in Form von Euphorie mit
            hoher Intensität in Zschokkes <italic>Der tote
            Gast</italic>). „<italic>Sich selbst nicht empfindend, sank
            Friederike auf einen Sessel hin und verging im Traume ihrer
            Seligkeit</italic> und vergaß die Spazierfahrt“ (1: neutrale
            Wertigkeit UNGEWISS/Gefühlskälte, nicht erregt_; 2:_
            positive Wertigkeit, FREUDE/GLÜCK in Form von Seligkeit mit
            hoher Intensität in Zschokkes <italic>Der tote
            Gast</italic>).</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren „gemäßigt“: Sprachlich werden gemäßigt zum
            Ausdruck gebrachte Emotionen bei Verzichten auf
            Dimensionsadjektive, Partikel oder Vergleiche in
            Aussagesätzen kodiert. Zu ruhigen Emotionstypen zählen bspw.
            Hoffnung und Neid
            (<xref alt="Voss 2004" rid="ref-vossNarrativeEmotionenUntersuchung2004" ref-type="bibr">Voss
            2004</xref>). Die Unterscheidung geht zurück auf
            unterschiedliche Komponenten einer Emotion:</p>
            <list list-type="order">
              <list-item>
                <p>Intentionale Komponenten (kognitive, evaluative,
                imaginative Repräsentationen);
                </p>
              </list-item>
              <list-item>
                <p>Behaviorale Komponente (expressiver Körperausdruck,
                sprachliche Handlungen);
                </p>
              </list-item>
              <list-item>
                <p>Körperlich-Perzeptive Komponente (Empfindungen,
                physiologische Veränderungen)
                </p>
              </list-item>
              <list-item>
                <p>Lust/Unlust-Komponente (H-Gefühle: Hedonistischer Ton
                einer Emotion, dessen Ausgestaltung darauf zurückgeht,
                ob die Emotion von dem Subjekt als bedrückend oder
                erhebend, unlustvoll oder lustvoll wahrgenommen wird).
                Ruhige Emotionen sind bei Voss Emotionen mit einer
                geringen affektiven Note. In diese Kategorie fallen auch
                Erheiterung, Vergnügen, Besorgnis, Trübsal, Verärgerung
                oder Interesse.</p>
              </list-item>
            </list>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Sprich nicht so kindisch, Julie!
            sprach die Mutter tadelnd</italic>, band einen rothen Shawl
            um, der auf dem Sopha lag, und der Onkel sagte gar nichts“
            (negative Wertigkeit, ZORN in Form von Verärgerung mit
            gemäßigter Intensität in Fanny Lewalds <italic>Die
            Tante</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Property DAUER mit den Values „Dauerhafte Eigenschaft“ und
        „Vorübergehender Zustand“: Emotionen sind permanent oder
        nicht-permanent im menschlichen Organismus verankert. Der
        zeitliche Verlauf emotionaler Prozesse ist variabel und
        orientiert sich an der Intensität. Die Dauer eines emotionalen
        Zustands kann Sekunden, Minuten oder mehrere Stunden umfassen
        (<xref alt="Schwarz-Friesel 2007" rid="ref-schwarz-frieselSpracheUndEmotionen2007" ref-type="bibr">Schwarz-Friesel
        2007</xref>). Im Kern zielt dieses Tagset darauf ab,
        Zustandsemotionen (emotionaler Zustand von kurzer Dauer, den
        eine Figur introspektiv wahrnehmen kann, der ihr also bewusst
        ist) und Eigenschaftsemotionen (in der Persönlichkeit der Figur
        permanent verankerte emotionale Repräsentationen;
        Persönlichkeitsmerkmale, die zum kontinuierlichen Ich-Zustand
        einer Figur gehören) voneinander zu unterscheiden.</p>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Indikatoren „Vorübergehender Zustand“: Für wenige Sekunden
        andauernde und intensive emotionale Ausbrüche verweisen auf
        Zustandsemotionen und die grundlegende Instabilität von
        Emotionen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Ja, <italic>ich habe geweint. Aber ich bin nun
            glücklich</italic>, Mama“ (TRAUER/Niedergeschlagenheit
            (negative Wertigkeit, gemäßigt) wird durch
            FREUDE/GLÜCK/Zufriedenheit (positive Wertigkeit, gemäßigt)
            abgelöst: Wechsel zwischen zwei emotionalen Phasen, wobei
            vor allem die zuvor empfunden TRAUER von kurzer Dauer
            war).</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren „Dauerhafte Eigenschaft“: Ein permanent
            anhaltender emotionaler Zustand verweist auf
            Eigenschaftsemotionen. Vergehen Angst, Trauer, Wut oder
            Freude nicht, sondern entwickeln sich zu anhaltenden
            Zuständen, können sie pathologisch werden.
            Personenbeschreibungen, die sich auf emotionale und
            gefühlsbetonte Eigenschaften der charakterisierten Person
            berufen, können eine Indiz sein.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Da sprach man denn von ihm als von
            einem ziemlich leichtsinnigen, ein wenig zum Stolz
            geneigten, im Ganzen aber freundlichen und milden
            Herrn</italic>, auf den man einst große Hoffnungen gesetzt
            und dessen Rückkehr man herbeiwünschte, ohne daran zu
            glauben, weil man in ihr die einzige Schranke für die oft
            unausstehliche Tyrannei der Beamten sah“ (Der Figur werden
            unterschiedliche emotionale Eigenschaften wie Leichtsinn
            oder Mut, Stolz und Milde und Freundlichkeit zugeschrieben
            Adele Wesemales <italic>Eure Wege sind nicht meine
            Wege</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
</sec>
<sec id="externe-und-weiterführende-links">
  <title>Externe und weiterführende Links</title>
  <list list-type="bullet">
    <list-item>
      <p>CATMA:
      <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://web.archive.org/save/https://catma.de">https://web.archive.org/save/https://catma.de</ext-link>
      (Letzter Zugriff: 03.07.2024)</p>
    </list-item>
    <list-item>
      <p>Tagset auf Zenodo:
      <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/12636241">https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/12636241</ext-link>
      (Letzter Zugriff: 03.07.2024)</p>
    </list-item>
  </list>
</sec>
<sec id="glossar">
  <title>Glossar</title>
  <def-list>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-annotation">Annotation</styled-content></term>
      <def>
        <p>Annotation beschreibt die manuelle oder automatische
        Hinzufügung von Zusatzinformationen zu einem Text. Die manuelle
        Annotation wird händisch durchgeführt, während die
        (teil-)automatisierte Annotation durch
        <xref alt="Machine-Learning-Verfahren" rid="glossary-machine-learning">Machine-Learning-Verfahren</xref>
        durchgeführt wird. Ein klassisches Beispiel ist das
        automatisierte
        <xref alt="PoS-Tagging" rid="glossary-pos">PoS-Tagging</xref>
        (Part-of-Speech-Tagging), welches oftmals als Grundlage
        (<xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>)
        für weitere Analysen wie Named Entity Recognition (NER) nötig
        ist. Annotationen können zudem deskriptiv oder analytisch
        sein.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-browser">Browser</styled-content></term>
      <def>
        <p>Mit Browser ist in der Regel ein Webbrowser gemeint, also ein
        Computerprogramm, mit dem das Anschauen, Navigieren auf, und
        Interagieren mit Webseiten möglich wird. Am häufigsten genutzt
        werden dafür Chrome, Firefox, Safari oder der Internet
        Explorer.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-close-reading">Close
      Reading</styled-content></term>
      <def>
        <p>Close Reading bezeichnet die sorgfältige Lektüre und
        Interpretation eines einzelnen oder weniger Texte. Close Reading
        ist in der digitalen Literaturwissenschaft außerdem mit der
        manuellen
        <xref alt="Annotation" rid="glossary-annotation">Annotation</xref>
        textueller Phänomene verbunden (vgl. auch
        <xref alt="Distant Reading" rid="glossary-distant-reading">Distant
        Reading</xref> als Gegenbegriff).</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-distant-reading">Distant
      Reading</styled-content></term>
      <def>
        <p>Distant Reading ist ein Ansatz aus den digitalen
        Literaturwissenschaften, bei dem computationelle Verfahren auf
        häufig große Mengen an Textdaten angewandt werden, ohne dass die
        Texte selber gelesen werden. Meist stehen hier quantitative
        Analysen im Vordergrund, es lassen sich jedoch auch qualitative
        <xref alt="Metadaten" rid="glossary-metadaten">Metadaten</xref>
        quantitativ vergleichen. Als Gegenbegriff zu
        <xref alt="Close Reading" rid="glossary-close-reading"><italic>Close
        Reading</italic></xref> wurde der Begriff insbesondere von
        Franco Moretti (2000) geprägt.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-feature">Feature</styled-content></term>
      <def>
        <p>Unter Features können Einzelfunktionen eines Tools verstanden
        werden, die beispielsweise komplexe Funktionen wie die
        Visualisierung eines Textes als
        <xref alt="Wordcloud" rid="glossary-wordcloud">Wordcloud</xref>
        ermöglichen, oder auch kleinere Funktionseinheiten wie den
        Abgleich einzelner Spracheigenschaften
        (<xref alt="Properties" rid="glossary-property">Properties</xref>)
        mit
        <xref alt="annotierten" rid="glossary-annotation">annotierten</xref>
        Beispieltexten darstellen.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-html">HTML</styled-content></term>
      <def>
        <p>HTML steht für <italic>Hypertext Markup Language</italic> und
        ist eine textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung
        elektronischer Dokumente. HTML-Dokumente werden von
        <xref alt="Webbrowsern" rid="glossary-browser">Webbrowsern</xref>
        dargestellt und geben die Struktur und Online-Darstellung eines
        Textes vor. HTML-Dateien können außerdem zusätzliche
        <xref alt="Metainformationen" rid="glossary-metadaten">Metainformationen</xref>
        enthalten, die auf einer Webseite selbst nicht ersichtlich
        sind.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-korpus">Korpus</styled-content></term>
      <def>
        <p>Ein Textkorpus ist eine Sammlung von Texten. Korpora (Plural
        für „das Korpus”) sind typischerweise nach Textsorte, Epoche,
        Sprache oder Autor*in zusammengestellt.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-lemmatisieren">Lemmatisieren</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die Lemmatisierung von Textdaten gehört zu den wichtigen
        <xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>-Schritten
        in der Textverarbeitung. Dabei werden alle Wörter
        (<xref alt="Token" rid="glossary-type-token">Token</xref>) eines
        Textes auf ihre Grundform zurückgeführt. So werden
        beispielsweise Flexionsformen wie „schneller“ und „schnelle“ dem
        Lemma „schnell“ zugeordnet.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-machine-learning">Machine
      Learning</styled-content></term>
      <def>
        <p>Machine Learning, bzw. maschinelles Lernen im Deutschen, ist
        ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz. Auf Grundlage
        möglichst vieler (Text-)Daten erkennt und erlernt ein Computer
        die häufig sehr komplexen Muster und Gesetzmäßigkeiten
        bestimmter Phänomene. Daraufhin können die aus den Daten
        gewonnen Erkenntnisse verallgemeinert werden und für neue
        Problemlösungen oder für die Analyse von bisher unbekannten
        Daten verwendet werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-markup-language">Markup
      Language</styled-content></term>
      <def>
        <p>Markup Language bezeichnet eine maschinenlesbare
        Auszeichnungssprache, wie z.B.
        <xref alt="HTML" rid="glossary-html">HTML</xref>, zur
        Formatierung und Gliederung von Texten und anderen Daten. So
        werden beispielsweise auch
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        durch ihre Digitalisierung oder ihre digitale Erstellung zu
        Markup, indem sie den Inhalt eines Dokumentes strukturieren.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-metadaten">Metadaten</styled-content></term>
      <def>
        <p>Metadaten oder Metainformationen sind strukturierte Daten,
        die andere Daten beschreiben. Dabei kann zwischen
        administrativen (z. B. Zugriffsrechte, Lizenzierung),
        deskriptiven (z. B. Textsorte), strukturellen (z. B. Absätze
        oder Kapitel eines Textes) und technischen (z. B. digitale
        Auflösung, Material) Metadaten unterschieden werden. Auch
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        bzw.
        <xref alt="Markup" rid="glossary-markup-language">Markup</xref>
        sind Metadaten, da sie Daten/Informationen sind, die den
        eigentlichen Textdaten hinzugefügt werden und Informationen über
        die Merkmale der beschriebenen Daten liefern.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-named-entities">Named
      Entities</styled-content></term>
      <def>
        <p>Eine Named Entity (NE) ist eine Entität, oft ein Eigenname,
        die meist in Form einer Nominalphrase zu identifizieren ist.
        Named Entities können beispielsweise Personen wie „Nils
        Holgerson“, Organisationen wie „WHO“ oder Orte wie „New York“
        sein. Named Entities können durch das Verfahren der Named Entity
        Recognition (NER) automatisiert ermittelt werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-pos">POS</styled-content></term>
      <def>
        <p>PoS steht für <italic>Part of Speech</italic> , oder
        „Wortart“ auf Deutsch. Das PoS-
        <xref alt="Tagging" rid="glossary-annotation">Tagging</xref>
        beschreibt die (automatische) Erfassung und Kennzeichnung von
        Wortarten in einem Text und ist of ein wichtiger
        <xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>-Schritt,
        beispielsweise für die Analyse von
        <xref alt="Named Entities" rid="glossary-named-entities">Named
        Entities</xref>.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-preprocessing">Preprocessing</styled-content></term>
      <def>
        <p>Für viele digitale Methoden müssen die zu analysierenden
        Texte vorab „bereinigt“ oder „vorbereitet“ werden. Für
        statistische Zwecke werden Texte bspw. häufig in gleich große
        Segmente unterteilt (<italic>chunking</italic>), Großbuchstaben
        werden in Kleinbuchstaben verwandelt oder Wörter werden
        <xref alt="lemmatisiert" rid="glossary-lemmatisieren">lemmatisiert</xref>.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-property">Property</styled-content></term>
      <def>
        <p>Property steht für „Eigenschaft“, „Komponente“ oder
        „Attribut“. In der automatischen
        <xref alt="Annotation" rid="glossary-annotation">Annotation</xref>
        dienen konkrete Worteigenschaften wie Groß- und Kleinschreibung
        zur Klassifizierung von Wörtern oder Phrasen. Durch die
        Berücksichtigung solcher Eigenschaften in den
        <xref alt="Features" rid="glossary-feature">Features</xref>
        eines Tools kann
        <xref alt="maschinelles Lernen" rid="glossary-machine-learning">maschinelles
        Lernen</xref> bestimmter Phänomene umgesetzt werden. In der
        manuellen Annotation können als Properties auch Eigenschaften
        von
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        benannt werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-query">Query</styled-content></term>
      <def>
        <p><italic>Query</italic> bedeutet „Abfrage“ oder „Frage“ und
        bezeichnet eine computergestützte Abfrage zur Analyse eines
        Textes. Um Datenbestände zu durchsuchen, werden Abfragesprachen
        eingesetzt, die <italic>Queries</italic> (Anfragen) an den
        Datenbestand senden. So bilden alle möglichen Queries zusammen
        die <italic>Query Language</italic> eines Tools.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-scalable-reading">Scalable
      Reading</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die Kombination aus
        <xref alt="Distant Reading" rid="glossary-distant-reading">Distant
        Reading</xref>- und
        <xref alt="Close Reading" rid="glossary-close-reading">Close
        Reading</xref>-Methoden, angewandt auf einen
        Untersuchungsgegenstand, wird als Scalable Reading
        bezeichnet.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-tagset">Tagset</styled-content></term>
      <def>
        <p>Ein Tagset definiert die Taxonomie, anhand derer
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        in einem Projekt erstellt werden. Ein Tagset beinhaltet immer
        mehrere Tags und ggf. auch Subtags. Ähnlich der
        <xref alt="Type/Token" rid="glossary-type-token">Type/Token</xref>
        -Differenz in der Linguistik sind Tags deskriptive Kategorien,
        wohingegen Annotationen die einzelnen Vorkommnisse dieser
        Kategorien im Text sind.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-type-token">Type/Token</styled-content></term>
      <def>
        <p>Das Begriffspaar „Type/Token“ wird grundsätzlich zur
        Unterscheidung von einzelnen Vorkommnissen (Token) und Typen
        (Types) von Wörtern oder Äußerungen in Texten genutzt. Ein Token
        ist also ein konkretes Exemplar eines bestimmten Typs, während
        ein Typ eine im Prinzip unbegrenzte Menge von Exemplaren (Token)
        umfasst.
        Es gibt allerdings etwas divergierende Definitionen zur
        Type-Token-Unterscheidung. Eine präzise Definition ist daher
        immer erstrebenswert. Der Satz „Ein Bär ist ein Bär.“ beinhaltet
        beispielsweise fünf Worttoken („Ein“, „Bär“, „ist“, „ein“,
        „Bär“) und drei Types, nämlich: „ein“, „Bär“, „ist“. Allerdings
        könnten auch vier Types, „Ein“, „ein“, „Bär“ und „ist“, als
        solche identifiziert werden, wenn Großbuchstaben beachtet
        werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-wordcloud">Wordcloud</styled-content></term>
      <def>
        <p>Eine <italic>Wordcloud</italic> , oder auch Schlagwortwolke,
        ist eine Form der Informationsvisualisierung, beispielsweise von
        Worthäufigkeiten in einem Text oder einer Textsammlung. Dabei
        werden unterschiedlich gewichtete Wörter, wie die häufigsten
        Wörter, i.d.R. größer oder auf andere Weise hervorgehoben
        dargestellt. Die horizontale/vertikale Ausrichtung und die Farbe
        der dargestellten Wörter hat meistens allerdings keinen
        semantischen Mehrwert.</p>
      </def>
    </def-item>
  </def-list>
</sec>
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