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<journal-title>forTEXT</journal-title>
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<issn publication-format="electronic">2943-212X</issn>
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<publisher-name>Universitäts- und Landesbibliothek
Darmstadt</publisher-name>
<publisher-loc>Darmstadt</publisher-loc>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/fortext.3758</article-id>
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<article-title>Ressourcenbeitrag: Tagset Interpretationstexte
analysieren</article-title>
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<surname>Descher</surname>
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<institution>Georg-August-Universität Göttingen</institution>
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<pub-date date-type="pub" publication-format="electronic" iso-8601-date="2024-08-07">
<day>7</day>
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<year>2024</year>
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<volume>1</volume>
<issue>4</issue>
<issue-title>Manuelle Annotation</issue-title>
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<event-desc>Erstveröffentlichung: 27.07.2020 auf <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://fortext.net/ressourcen/tagsets/tagset-interpretationstexte-analysieren">fortext.net</ext-link>
<date date-type="origdate" iso-8601-date="2020-07-27">
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<month>07</month>
<year>2020</year>
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<license-p>-This work is licensed under a Creative Commons
Attribution-ShareAlike 4.0 International License.</license-p>
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<p><bold>Erstveröffentlichung:</bold> 27.07.2020 auf <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://fortext.net/ressourcen/tagsets/tagset-interpretationstexte-analysieren">fortext.net</ext-link></p>
<sec id="kurzbeschreibung">
  <title>1. Kurzbeschreibung</title>
  <p>Das <xref alt="Tagset" rid="glossary-tagset">Tagset</xref>
  „Interpretationstexte analysieren“ dient der
  <xref alt="Annotation" rid="glossary-annotation">Annotation</xref>
  literaturwissenschaftlicher Interpretationstexte. Es stellt Kategorien
  zur Analyse wichtiger Strukturmerkmale und anderer Eigenschaften von
  Interpretationen bereit (z. B. zur Markierung zentraler Thesen, von
  Formen des Umgangs mit Forschungsliteratur usw.). Darüber hinaus kann
  es auch für die Annotation von wissenschaftlichen Texten im
  Allgemeinen verwendet werden und lässt sich je nach Bedarf leicht
  ergänzen bzw. anpassen. Das Tagset erhalten Sie auf
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://zenodo.org/records/10519632">Zenodo</ext-link>
  (<xref alt="forTEXT 2020" rid="ref-fortextTagsetInterpretationstexteAnalysieren2020" ref-type="bibr">forTEXT
  2020</xref>).</p>
</sec>
<sec id="anwendungsbeispiel">
  <title>2. Anwendungsbeispiel</title>
  <p>Das Tagset ist vor allem für Projekte geeignet, die sich mit der
  Erforschung der konkreten literaturwissenschaftlichen Praxis befassen.
  Ein typisches Einsatzfeld dürfte die manuelle Annotation
  (<xref alt="Jacke 2024" rid="ref-jackeMethodenbeitragManuelleAnnotation2018" ref-type="bibr">Jacke
  2024</xref>) mittelgroßer Textkorpora (vgl.
  <xref alt="Korpus" rid="glossary-korpus">Korpus</xref>) darstellen, um
  Häufigkeitsanalysen oder diachrone und synchrone Vergleiche zwischen
  wissenschaftlichen Interpretationstexten bzw. Forschungstexten im
  Allgemeinen zu ermöglichen. Konkrete Fragen wären z. B., wie häufig
  und an welcher Stelle sich Verfasser*innen von Interpretationstexten
  auf andere Forschungsbeiträge beziehen, wie oft sie ein
  Forschungsdesiderat markieren oder wie häufig sie ihre
  Beurteilungskriterien für Interpretationen explizit machen. Ein
  konkretes Projekt könnte z. B. untersuchen, ob sich
  Argumentationspraktiken und strukturelle Merkmale von Interpretationen
  in zwei Untersuchungskorpora voneinander unterscheiden – z. B. ob die
  Anzahl der durchschnittlich zitierten Forschungsbeiträge in einem
  Korpus, das Interpretationen zu Texten männlicher Autoren enthält,
  signifikant von der durchschnittlichen Anzahl zitierter
  Forschungsbeiträge in einem Korpus abweicht, das Interpretationen zu
  Texten von Autorinnen enthält. Denkbar ist auch ein Einsatz in der
  universitären Lehre, etwa um einen reflektierten und problembewussten
  Umgang mit Forschungsliteratur einzuüben. So wird die Annotation der
  Hauptthese(n) eines Interpretationstexts bei verschiedenen
  Annotator*innen immer wieder einmal zu unterschiedlichen Resultaten
  führen. Solche Unterschiede in den Annotationsergebnissen können dazu
  einladen, über implizite Vorannahmen nachzudenken, die sowohl das
  Lesen als auch das Verfassen von Forschungstexten leiten – in diesem
  Fall implizite Vorannahmen darüber, was eine Hauptthese eigentlich ist
  und woran man sie erkennt.</p>
</sec>
<sec id="literaturwissenschaftlicher-kontext">
  <title>3. Literaturwissenschaftlicher Kontext</title>
  <p>In der Literaturwissenschaft werden Sie sich nicht nur mit
  literarischen Texten, sondern immer wieder auch mit
  Forschungsliteratur beschäftigen, insbesondere mit
  Textinterpretationen. Das Verfassen und Lesen von Interpretationen
  gehört geradezu zur literaturwissenschaftlichen Alltagspraxis. Diese
  Alltagspraxis wird seit einigen Jahren im Zuge der sogenannten
  ‚Praxeologie’ verstärkt erforscht
  (<xref alt="Albrecht u. a. 2015" rid="ref-albrechtTheorienMethodenUnd2015" ref-type="bibr">Albrecht
  u. a. 2015</xref>). Praxeologische Forschungsprojekte zielen darauf
  ab, die konkreten Praktiken der Literaturwissenschaft zu beschreiben
  und zu untersuchen – das also, <italic>was</italic>
  Literaturwissenschaftler*innen tun, wenn sie Literaturwissenschaft
  betreiben, und <italic>wie</italic> sie es tun. Das Tagset
  Interpretationstexte analysieren ist dem Forschungsfeld der
  literaturwissenschaftlichen Praxeologie zuzuordnen. Es ging aus einem
  Projekt an der Universität Göttingen hervor, das sich der Erforschung
  der literaturwissenschaftlichen Interpretationspraxis widmet
  (<ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://www.argulit.uni-goettingen.de">https://www.argulit.uni-goettingen.de</ext-link>).
  Darin wird der Frage nachgegangen, auf welche verschiedenen Weisen
  Interpret*innen ihre Interpretationshypothesen plausibilisieren.
  Ältere Studien zur Interpretationspraxis
  (<xref alt="Grewendorf 1975" rid="ref-grewendorfArgumentationUndInterpretation1975" ref-type="bibr">Grewendorf
  1975</xref>;
  <xref alt="von Savigny 1976" rid="ref-vonsavignyArgumentationLiteraturwissenschaftWissenschaftstheoretische1976" ref-type="bibr">von
  Savigny 1976</xref>) konzentrierten sich vorrangig auf die rein
  argumentative Dimension von literaturwissenschaftlichen
  Interpretationen. Im Zentrum standen also Fragen wie „Was ist die
  These?“, „Was sind die Argumente?“. Im Unterschied zu diesen Studien
  geht das aktuelle Projekt davon aus, dass zur Plausibilisierung von
  Hypothesen auch viele ‚weichere’ Faktoren beitragen, die über die rein
  argumentative Dimension hinausgehen. Relevant ist z. B. auch, wie
  Interpret*innen ihre Beiträge aufbauen, an welcher Stelle sie ihre
  zentralen Thesen positionieren, ob sie diese Thesen explizit als
  solche hervorheben oder nicht, ob sie ihre Ergebnisse zusammenfassen,
  ob und wie sie sich mit anderer Forschungsliteratur auseinandersetzen,
  ob sie ihre Maßstäbe für gelungene Interpretationen explizit machen
  usw. Das hier vorgestellte Tagset dient der Erfassung von
  Texteigenschaften dieser Art.
  Die Anwendung einiger Tags basiert auf den Ergebnissen von
  argumentationstheoretischen, linguistischen u. a. Forschungen, auf die
  an den entsprechenden Stellen verwiesen wird. Da im Folgenden nur
  kurze Beschreibungen und grundlegende Hinweise zur Verwendung der Tags
  gegeben werden können, seien Annotator*innen zur Vertiefung auf diese
  Arbeiten verwiesen.</p>
</sec>
<sec id="tagset">
  <title>4. Tagset</title>
  <p>Sie können das Tagset Interpretationstexte analysieren
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://zenodo.org/records/10519632">auf
  Zenodo</ext-link> als
  <xref alt="XML" rid="glossary-xml">XML</xref>-Datei herunterladen
  (<xref alt="forTEXT 2020" rid="ref-fortextTagsetInterpretationstexteAnalysieren2020" ref-type="bibr">forTEXT
  2020</xref>), um es dann in geeignete Tools (beispielsweise CATMA
  (<xref alt="Schumacher 2024" rid="ref-schumacherToolbeitragCATMA2019" ref-type="bibr">Schumacher
  2024</xref>)) zu importieren und es dort zu verwenden. Abbildung 1
  zeigt die im Tagset enthaltenen Tags in ihrer hierarchischen Struktur
  sowie die Properties und Values.</p>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 1: Tagset Interpretationstexte
    analysieren</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Tagset_Interpretationstexte_analysieren_neu_pap.png" />
  </fig>
</sec>
<sec id="richtlinien-zur-anwendung">
  <title>5. Richtlinien zur Anwendung</title>
  <p>Die folgenden Richtlinien enthalten nur spezifische
  Anwendungshinweise für die Tags, die sich auf der untersten
  Hierarchieebene befinden (also beispielsweise den Tag
  „Forschungsüberblick“). Hierarchisch höherliegende Kategorien (z. B.
  „Umgang mit Forschung“) dienen vor allem der Systematisierung.</p>
  <sec id="hauptthese">
    <title>5.1. Hauptthese</title>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Hauptthese</italic>: Dieser Tag dient der
        Markierung der zentrale(n) These(n) eines Interpretationstextes.
        Was eine Hauptthese ist und an welchen Merkmalen man sie
        erkennt, ist nicht leicht zu beantworten. Hauptthesen werden in
        literaturwissenschaftlichen Interpretationstexten nicht immer
        explizit als solche markiert, z. B. durch Formulierungen wie
        „Meine zentrale These lautet…“ oder „In diesem Aufsatz soll
        dafür argumentiert werden, dass…“. Im Extremfall können sie
        sogar vollständig implizit bleiben und müssen von den
        Annotator*innen aufgrund der Kenntnis des gesamten Textes
        erschlossen werden. Daher ist bei der kollaborativen Annotation
        durchaus zu erwarten, dass Annotator*innen nicht immer zu
        denselben Ergebnissen kommen werden. Zur Identifikation von
        Hauptthesen können sich Annotator*innen aber an folgenden Fragen
        orientieren: Worauf läuft die Argumentation des gesamten
        Aufsatzes hinaus? Welche Thesen sind für den bzw. die
        Verfasser*in am wichtigsten? Geben der Veröffentlichungskontext,
        der Titel oder Kapitelüberschriften weitere Hinweise auf die
        zentrale(n) These(n)?</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ein Satz.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: explizite Markierungen wie „Meine zentrale
            These lautet…“; allerdings häufig nur indirekt erschließbar
            aufgrund der Kenntnis des gesamten Textes.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>In Kleists ‚Michael Kohlhaas’
            irritiert gerade diese Distanz zwischen Autor und Leser, so
            die These dieses Beitrags, immer wieder inszenatorisch die
            Logik der Substitution, die sowohl jedem Akt der Lektüre als
            auch jedem Tauschakt im Sinne der episteme der
            Repräsentation zugrunde liegt.</italic>“
            (<xref alt="Frey 2003, 296" rid="ref-freySpiegelfechtereienMitLeser2003" ref-type="bibr">Frey
            2003, 296</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="argumentationssignale">
    <title>5.2. Argumentationssignale</title>
    <p><italic>Argumentationssignale:</italic> Bei Interpretationstexten
    handelt es sich wie bei allen wissenschaftlichen Texten in der Regel
    um argumentative Texte: Typischerweise werden darin Argumente für
    oder gegen bestimmte Thesen bzw. Konklusionen formuliert
    (<xref alt="Descher und Petraschka 2019, 37–48" rid="ref-descherArgumentierenLiteraturwissenschaftEinfuhrung2019" ref-type="bibr">Descher
    und Petraschka 2019, 37–48</xref>). Es gehört jedoch zu den
    charakteristischen Phänomenen der Argumentationspraxis, dass man
    Argumente nur selten an ihrer sprachlichen Oberflächenstruktur
    erkennen kann
    (<xref alt="van Eemeren und Grootendorst 2004, 95–122" rid="ref-vaneemerenSystematicTheoryArgumentation2004" ref-type="bibr">van
    Eemeren und Grootendorst 2004, 95–122</xref>). In einigen Fällen
    allerdings gibt es auch explizite Argumentationssignale, d. h.
    sprachliche Hinweise darauf, dass an einer bestimmten Stelle
    argumentiert werden soll, dass es sich bei einer bestimmten
    Behauptung um ein Argument oder um eine Konklusion handelt usw.
    (<xref alt="Knott und Dale 1993" rid="ref-knottUsingLinguisticPhenomena1993" ref-type="bibr">Knott
    und Dale 1993</xref>;
    <xref alt="Stab und Gurevych 2014" rid="ref-stabIdentifyingArgumentativeDiscourse2014" ref-type="bibr">Stab
    und Gurevych 2014</xref>). Die Tags in der Kategorie
    „Argumentationssignale“ dienen der Annotation solcher
    Indikatoren.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Argumentationsindikatoren allgemein:</italic> Mit
        diesem Tag können sprachliche Indikatoren markiert werden, die
        darauf hinweisen, dass durch den bzw. die Verfasser*in ein
        argumentatives Ziel verfolgt wird. Dies sind insbesondere solche
        Textbestandteile, die explizit anzeigen, dass es sich um eine
        These (Konklusion) oder ein Argument handelt. (Hinweis: Für eine
        noch differenziertere Annotation kann der Tag ggf. mit einer
        Property versehen werden, die z. B. die Values „Indikatoren für
        Konklusionen“, „Indikatoren für Argumente“ und „sonstige
        Argumentationsindikatoren“ hat.)</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: Wörter oder kurze
            Wortgruppen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Worte wie „These“, „Argument“, „Beleg“,
            „Beweis“, „Folgerung“, „Gründe“ oder Formulierungen wie
            „daraus folgt, dass“ (zur Markierung einer Konklusion) oder
            „dafür spricht, dass“ (zur Markierung von Argumenten für
            eine Konklusion) etc.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Die Ethik, so verstehe ich Deleuze, ist erst
            da möglich, wo die Moral überwunden ist. Und diese
            Überwindung findet sich in Kleists Erzählung, <italic>so
            meine These</italic>, in der Figur Lisbeths.“
            (<xref alt="Schubarth 2011, 48" rid="ref-schubarthAusschlussAusGemeinschaft2011" ref-type="bibr">Schubarth
            2011, 48</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Indikatoren normative Argumentation:</italic>
        Unter „normative Argumentation“ werden solche Argumentationen
        verstanden, die auf die Begründung einer Norm oder einer
        Handlungsanweisung abzielen. Die zu begründende These bzw. die
        Konklusion ist i. d. R. ein ‚Sollens-Satz’ („Also sollte man x
        tun.“) oder ein Satz, der bestimmte Handlungen vorschreibt oder
        verbietet („Also darf man keinesfalls x annehmen.“). Der Tag
        dient der Markierung von sprachlichen Merkmalen, die auf eine
        solche normative Argumentation hinweisen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. einzelne
            Worte.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Worte, die Handlungsanweisungen bzw. die
            Aufstellung einer Norm anzeigen, wie z. B. „soll“, „darf“
            oder „muss“.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Will man unserm Dichter [Wieland; S.D.]
            gerecht werden, so <italic>darf</italic> man dieses Werk
            [<italic>Der Goldne Spiegel</italic>; S.D.] nicht allzu
            ernst nehmen. Es ist ein Zeugnis seines Benehmens in einer
            bestimmten Situation, ein Abbild der schillernden
            Außenseite, welche der berühmte Dichterphilosoph für die
            tonangebende Gesellschaft zurecht machte, nicht ein Bild
            dessen, was er wirklich war.“
            (<xref alt="Sengle 1949, 260" rid="ref-sengleWielandMit1949" ref-type="bibr">Sengle
            1949, 260</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="gliederung-und-aufbau">
    <title>5.3. Gliederung und Aufbau</title>
    <p><italic>Gliederung und Aufbau:</italic> Diese Kategorie umfasst
    Tags, mit denen allgemeine Strukturmerkmale von
    Interpretationstexten annotiert werden können. Darunter fallen
    Passagen, in denen ein Überblick über den Aufbau des Texts gegeben
    wird, zentrale Gedankengänge zusammengefasst oder die Hauptthese(n)
    abschließend erneut aufgegriffen werden.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Überblick Gliederung:</italic> Hier wird
        annotiert, ob und wo Verfasser*innen einen Überblick über den
        Aufbau bzw. die Gliederung ihres Interpretationstextes
        geben.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ganze Sätze oder
            Absätze.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Formulierungen wie „im Folgenden…“ oder „In
            Abschnitt 1 werde ich…, in Abschnitt 2…“ usw.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „In diesem […] Sinne handelt es sich bei der
            Erzählung [Ulrike Draesners ‚Rosakäfer’; S.D.] um ein
            Beispiel von <italic>Meta-Fantastik</italic> […].
            <italic>Unser Beitrag gliedert sich dabei wie folgt:
            Zunächst beschreiben wir Draesners ‚Rosakäfer’ als
            Kontrafaktur von Kafkas ‚Die Verwandlung’ (1); anschließend
            erläutern wir, inwiefern Draesners Text auch den
            Fantastik-Diskurs zum Gegenstand hat (2).</italic>“
            (<xref alt="Ertel und Köppe 2017, 191" rid="ref-ertelMetaFantastikUlrikeDraesners2017" ref-type="bibr">Ertel
            und Köppe 2017, 191</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Zusammenfassung der Ergebnisse:</italic> Hier
        wird annotiert, ob und wo Verfasser*innen die Ergebnisse ihrer
        Interpretation zusammenfassen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ganze Sätze oder
            Absätze.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Formulierungen wie „Zusammenfassend lässt
            sich sagen, dass…“ oder „In den vorangehenden Abschnitten
            wurde gezeigt, dass…“.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Zusammenfassend lässt sich sagen, dass
            das lyrische Ich [in Dürrenmatts Schweizerpsalm III; S.D.]
            vor allem die schweizerische Politik und nicht die Schweiz
            im Allgemeinen oder die einzelnen Menschen kritisiert. Es
            ist die Politik, die als eine heuchlerische und korrumpierte
            entlarvt und demzufolge entmythologisiert wird.</italic>“
            (<xref alt="Conterno 2014, 303" rid="ref-conternoAndereTraditionPsalmGedichte2014" ref-type="bibr">Conterno
            2014, 303</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Zentrale These(n) am Ende aufgegriffen:</italic>
        Hier wird annotiert, ob die Verfasser*innen ihre zentrale(n)
        These(n) bzw. Hauptthese(n) am Ende des Aufsatzes noch einmal
        explizit oder in Umformulierung aufgreifen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ein Satz.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Formulierungen wie „Ich habe hier für die
            These argumentiert“ oder „In den vorangehenden Abschnitten
            wurde gezeigt, dass…“.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Property: Der Tag kann zwei Werte annehmen: ‚explizit’
            und ‚umformuliert’, je nachdem, ob die zentrale(n) These(n)
            am Ende explizit (d. h. in der Regel wörtlich) oder in
            anderer Formulierung erneut erwähnt werden.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Die Untersuchung von Frühlings
            Erwachen hat bewiesen, daß die Dialoggestaltung des Dramas
            der sozialkritischen Intention Wedekinds durchaus
            untergeordnet ist. Seinem didaktischen Ziel gemäß ist das
            Stück stark publikumsgerichtet.</italic>“
            (<xref alt="Kuhn 1981, 79" rid="ref-kuhnDialogBeiFrank1981" ref-type="bibr">Kuhn
            1981, 79</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="geltungsmodifikation">
    <title>5.4. Geltungsmodifikation</title>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Geltungsmodifikation:</italic> Durch sprachliche
        Signale können Verfasser*innen anzeigen, wie sicher sie sich mit
        einer bestimmten These sind bzw. wie stark der Geltungsanspruch
        ist, mit dem sie eine These vertreten
        (<xref alt="Toulmin 2003, 93f" rid="ref-toulminUsesArgument2003" ref-type="bibr">Toulmin
        2003, 93f</xref>.). Sie können die Geltung ihrer Thesen also
        modifizieren, d. h. entweder abschwächen („Vielleicht ist es
        daher so, dass…“) oder verstärken („Zweifellos ist es daher so,
        dass…“). Der Tag dient der Markierung von sprachlichen Signalen,
        die Geltungsmodifikationen dieser Art anzeigen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ein Wort oder
            kürzere Wortgruppen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Worte und Formulierungen wie „vielleicht“,
            „möglicherweise“, „Es lässt sich vermuten, dass“ usw.
            (Abschwächung der Geltung) oder „zweifellos“, „ganz sicher“,
            „Daher folgt zwingend“ usw. (Verstärkung der Geltung).</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Property: Der Tag kann zwei Werte annehmen:
            ‚Abschwächung’ und ‚Verstärkung’.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Ohne Zweifel</italic> allegorisiert
            diese anthropomorphistische Darstellung des willkürlichen
            Apparates und seiner Entscheidungsprozesse [in Kafkas
            <italic>Das Schloss</italic>] eine fundamentale totalitäre
            Struktur.“
            (<xref alt="Sng 2007, 217" rid="ref-sngFehllautenNachtglockeKafkas2007" ref-type="bibr">Sng
            2007, 217</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="qualitätskriterien-für-interpretationen">
    <title>5.5. Qualitätskriterien für Interpretationen</title>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Qualitätskriterien für Interpretationen:</italic>
        Interpret*innen können explizit machen, was für sie eine gute
        Interpretation auszeichnet, d. h. welche Wertmaßstäbe bzw.
        Qualitätskriterien ihrer Interpretation zugrunde liegen.
        Wertmaßstäbe für Interpretationen können sehr unterschiedlich
        beschaffen sein und z. B. logisch-argumentative Aspekte (etwa
        ‚Plausibilität’), aber auch ästhetische (‚Eleganz’) oder
        rezeptionsseitige Aspekte (‚wirkt anregend’) umfassen
        (<xref alt="Descher u. a. 2017, 46–49" rid="ref-descherProblemeInterpretationLiteratur2017" ref-type="bibr">Descher
        u. a. 2017, 46–49</xref>). Der Tag dient der Markierung von
        expliziten Nennungen solcher Qualitätskriterien.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. ein Wort oder
            kürzere Wortgruppen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Wertprädikate oder Beschreibungen von
            Leistungen einer Interpretation, z. B. „plausibel“,
            „erhellend“, „fruchtbar“, „gut begründet“, „regt zum
            Nachdenken an“, „erklärt eine unverständliche Stelle“
            usw.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Das Verb ‚starren’ [am Beginn von Alfred
            Döblins Erzählung <italic>Die Ermordung einer
            Butterblume</italic>; S.D.] bedeutet hinsichtlich des
            Blickes zweierlei: Entweder der Erzähler und wir mit ihm
            schauen dem Mann direkt in die Augen, was der Hinweis auf
            die Farbe der Augen nahelegt, oder wir starren mit ihm auf
            den Boden. Für die ersten zehn Wörter des Satzes scheint
            allein die erste Möglichkeit <italic>plausibel</italic>, die
            Worte danach jedoch ziehen auch dem Leser buchstäblich den
            Boden unter den Füßen weg.“
            (<xref alt="Kocher 2017, 99" rid="ref-kocherKrankheitAusDistanz2017" ref-type="bibr">Kocher
            2017, 99</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="umgang-mit-forschung">
    <title>5.6. Umgang mit Forschung</title>
    <p><italic>Umgang mit Forschung</italic>: Diese Kategorie umfasst
    Tags, mit denen Bezüge auf Forschungsliteratur annotiert werden
    können.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Forschungsüberblick:</italic> Mit diesem Tag
        können Passagen markiert werden, in denen die Verfasser*innen
        eines Interpretationstextes einen Überblick über die bisherige
        Forschung zu ihrem Untersuchungsgegenstand geben.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: Mindestens ein Satz, i.
            d. R. ein oder mehrere Absätze.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Passagen, in denen relevante Forscher*innen
            und deren Forschungsbeiträge erwähnt und zentrale Thesen und
            Argumente referiert werden.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Property: Der Tag kann zwei Werte annehmen
            („Primärtextforschung“ oder „andere Forschung“), je nachdem,
            ob ein Überblick über die Forschung zum jeweils
            interpretierten Primärtext gegeben wird oder ein Überblick
            über andere Forschungsfelder.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Kaum eine Gestalt der neueren Dramatik
            hat derart widersprüchliche Bewertungen provoziert wie
            Meister Anton […]. Ob die ‚größte Gestalt’ des Stücks
            [Friedrich Hebbels Maria Magdalena; S.D.] auch ‚die größte
            Hebbels überhaupt’ ist, wie Elise Dosenheimer mutmaßt […],
            mag offen bleiben. Aber dies lehrt die Rezeptionsgeschichte
            […] geradezu handgreiflich, wie nämlich die Vorentscheidung
            der Urteilenden als hermeneutische Bedingung je und je ins
            Spiel kommt. Gilt für den einen die Devise: ‚Hut ab vor dem
            Ehrenmann’ (So Kurt May […]), so schrumpft Meister Anton für
            den anderen zu einer moralischen Beschränktheit, die im
            ‚Zurechthobeln von Menschen zu Reputationszwecken’ ihren
            kritisch-bedenklichen Nenner findet. (So L[udger] Lütkehaus
            […]).</italic>“
            (<xref alt="Reinhardt 1989, 223f" rid="ref-reinhardtApologieTragodieStudien1989" ref-type="bibr">Reinhardt
            1989, 223f</xref>.)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Markierung eines Forschungsdesiderats:</italic>
        Der Tag dient der Annotation von Textstellen, an denen die
        Verfasser*innen des Interpretationstextes auf ein
        Forschungsdesiderat hinweisen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. eine kurze
            Wortgruppe oder ein Satz.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Formulierungen wie „Bisher unbeachtet
            blieb…“, „eine Untersuchung von Aspekt x steht noch aus“
            usw.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Property: Der Tag kann zwei Werte annehmen
            („Primärtextforschung“ oder „andere Forschung“), je nachdem,
            ob ein Desiderat bezüglich der Forschung zum jeweils
            interpretierten Primärtext oder bezüglich anderer
            Forschungsfelder markiert wird.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Die Kafka-Forschung hat es bislang
            unterlassen</italic>, Kafkas Rückgriff auf Goethes ‚Ruhe’
            und symbolische Seh- und Erkenntnisweise bei der Gestaltung
            des Berichts [Kafkas Erzählung <italic>Ein Bericht für eine
            Akademie</italic>; S.D.] nachzuspüren.“
            (<xref alt="Guarda 2015, 226" rid="ref-guardaKafkasAkademieberichtAuflosende2015" ref-type="bibr">Guarda
            2015, 226</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Konkreter</italic>
        <italic>Forschungsbezug:</italic> Dieser Tag kann verwendet
        werden, um explizite Nennungen von Forschungsliteratur zu
        annotieren, die in der Regel im Fließtext oder in den Fußnoten
        eines Interpretationstextes vorkommen. Annotator*innen sollten
        sich vorab darauf einigen, welche Fälle ausgeschlossen werden
        und ob z. B. Erwähnungen von Forschungsliteratur in
        Literaturverzeichnissen ebenfalls markiert werden sollen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: Hier gibt es
            unterschiedliche Möglichkeiten. Annotiert werden kann die
            vollständige Literaturangabe. Da jedoch erwähnte
            Forschungsbeiträge häufig nicht mit der vollständigen Angabe
            erwähnt werden, ist es empfehlenswert, die Namen der
            Verfasser*innen oder die Kurztitel des erwähnten
            Forschungsbeitrags zu annotieren. (Dabei ist es wichtig, nur
            einen Tag pro Forschungsbeitrag zu verwenden, um die
            Ergebnisse einer potenziellen quantitativen Auswertung nicht
            zu verfälschen.)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Typische Literaturangaben, wie sie i. d. R.
            in Fußnoten, zuweilen auch im Fließtext vorkommen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Property: Der Tag kann zwei Werte annehmen
            („Primärtextforschung“ oder „andere Forschung“), je nachdem,
            ob ein Forschungsbeitrag zum jeweils interpretierten
            Primärtext erwähnt wird oder zu anderen
            Forschungsfeldern.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Eine den poetologischen Charakter des Gedichts
            hervorkehrende Interpretation bietet Sigrid Weigel, wenn sie
            [Ingeborg Bachmanns Gedicht; S.D.] <italic>Dunkles zu
            sagen</italic> als Behandlung der Frage nach dem Ursprung
            der Kunst aus dem Klagelied liest und feststellt, daß
            ‚Wissen um die Unumkehrbarkeit des Sterbens (…)
            Voraus-Setzung des Vergleichs zwischen Dichtung und
            Orpheusscher Kunst’ ist. Vgl. <italic>WEIGEL
            (1999)</italic>, S. 135-142. Hier: S. 140.“
            (<xref alt="von Jagow 2003, 44" rid="ref-vonjagowAsthetikMythischenPoetologien2003" ref-type="bibr">von
            Jagow 2003, 44</xref>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
</sec>
<sec id="externe-und-weiterführende-links">
  <title>Externe und weiterführende Links</title>
  <list list-type="bullet">
    <list-item>
      <p>Tagset „Interpretationstexte analyiseren“ auf Zenodo:
      <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/10519632">https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/10519632</ext-link>
      (Letzter Zugriff: 03.07.2024)</p>
    </list-item>
  </list>
</sec>
<sec id="glossar">
  <title>Glossar</title>
  <def-list>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-annotation">Annotation</styled-content></term>
      <def>
        <p>Annotation beschreibt die manuelle oder automatische
        Hinzufügung von Zusatzinformationen zu einem Text. Die manuelle
        Annotation wird händisch durchgeführt, während die
        (teil-)automatisierte Annotation durch
        <xref alt="Machine-Learning-Verfahren" rid="glossary-machine-learning">Machine-Learning-Verfahren</xref>
        durchgeführt wird. Ein klassisches Beispiel ist das
        automatisierte
        <xref alt="PoS-Tagging" rid="glossary-pos">PoS-Tagging</xref>
        (Part-of-Speech-Tagging), welches oftmals als Grundlage
        (<xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>)
        für weitere Analysen wie Named Entity Recognition (NER) nötig
        ist. Annotationen können zudem deskriptiv oder analytisch
        sein.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-browser">Browser</styled-content></term>
      <def>
        <p>Mit Browser ist in der Regel ein Webbrowser gemeint, also ein
        Computerprogramm, mit dem das Anschauen, Navigieren auf, und
        Interagieren mit Webseiten möglich wird. Am häufigsten genutzt
        werden dafür Chrome, Firefox, Safari oder der Internet
        Explorer.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-html">HTML</styled-content></term>
      <def>
        <p>HTML steht für <italic>Hypertext Markup Language</italic> und
        ist eine textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung
        elektronischer Dokumente. HTML-Dokumente werden von
        <xref alt="Webbrowsern" rid="glossary-browser">Webbrowsern</xref>
        dargestellt und geben die Struktur und Online-Darstellung eines
        Textes vor. HTML-Dateien können außerdem zusätzliche
        <xref alt="Metainformationen" rid="glossary-metadaten">Metainformationen</xref>
        enthalten, die auf einer Webseite selbst nicht ersichtlich
        sind.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-korpus">Korpus</styled-content></term>
      <def>
        <p>Ein Textkorpus ist eine Sammlung von Texten. Korpora (Plural
        für „das Korpus“) sind typischerweise nach Textsorte, Epoche,
        Sprache oder Autor*in zusammengestellt.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-lemmatisieren">Lemmatisieren</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die Lemmatisierung von Textdaten gehört zu den wichtigen
        <xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>-Schritten
        in der Textverarbeitung. Dabei werden alle Wörter
        (<xref alt="Token" rid="glossary-type-token">Token</xref>) eines
        Textes auf ihre Grundform zurückgeführt. So werden
        beispielsweise Flexionsformen wie „schneller“ und „schnelle“ dem
        Lemma „schnell“ zugeordnet.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-machine-learning">Machine
      Learning</styled-content></term>
      <def>
        <p>Machine Learning, bzw. maschinelles Lernen im Deutschen, ist
        ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz. Auf Grundlage
        möglichst vieler (Text-)Daten erkennt und erlernt ein Computer
        die häufig sehr komplexen Muster und Gesetzmäßigkeiten
        bestimmter Phänomene. Daraufhin können die aus den Daten
        gewonnen Erkenntnisse verallgemeinert werden und für neue
        Problemlösungen oder für die Analyse von bisher unbekannten
        Daten verwendet werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-markup">Markup
      (Textauszeichung)</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die Textauszeichnung (eng. <italic>Markup</italic>) fällt in
        den Bereich der Daten- bzw. Textverarbeitung, genauer in das
        Gebiet der Textformatierung, welche durch
        <xref alt="Auszeichnungssprachen" rid="glossary-markup-language">Auszeichnungssprachen</xref>
        wie <xref alt="XML" rid="glossary-xml">XML</xref> implementiert
        wird. Dabei geht es um die Beschreibung, wie einzelne Elemente
        eines Textes beispielsweise auf Webseiten grafisch dargestellt
        werden sollen.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-markup-language">Markup
      Language</styled-content></term>
      <def>
        <p>Markup Language bezeichnet eine maschinenlesbare
        Auszeichnungssprache, wie z.B.
        <xref alt="HTML" rid="glossary-html">HTML</xref>, zur
        Formatierung und Gliederung von Texten und anderen Daten. So
        werden beispielsweise auch
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        durch ihre Digitalisierung oder ihre digitale Erstellung zu
        Markup, indem sie den Inhalt eines Dokumentes strukturieren.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-metadaten">Metadaten</styled-content></term>
      <def>
        <p>Metadaten oder Metainformationen sind strukturierte Daten,
        die andere Daten beschreiben. Dabei kann zwischen
        administrativen (z. B. Zugriffsrechte, Lizenzierung),
        deskriptiven (z. B. Textsorte), strukturellen (z. B. Absätze
        oder Kapitel eines Textes) und technischen (z. B. digitale
        Auflösung, Material) Metadaten unterschieden werden. Auch
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        bzw.
        <xref alt="Markup" rid="glossary-markup-language">Markup</xref>
        sind Metadaten, da sie Daten/Informationen sind, die den
        eigentlichen Textdaten hinzugefügt werden und Informationen über
        die Merkmale der beschriebenen Daten liefern.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-named-entities">Named
      Entities</styled-content></term>
      <def>
        <p>Eine Named Entity (NE) ist eine Entität, oft ein Eigenname,
        die meist in Form einer Nominalphrase zu identifizieren ist.
        Named Entities können beispielsweise Personen wie „Nils
        Holgerson“, Organisationen wie „WHO“ oder Orte wie „New York“
        sein. Named Entities können durch das Verfahren der Named Entity
        Recognition (NER) automatisiert ermittelt werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-pos">POS</styled-content></term>
      <def>
        <p>PoS steht für <italic>Part of Speech</italic> , oder
        „Wortart“ auf Deutsch. Das PoS-
        <xref alt="Tagging" rid="glossary-annotation">Tagging</xref>
        beschreibt die (automatische) Erfassung und Kennzeichnung von
        Wortarten in einem Text und ist of ein wichtiger
        <xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>-Schritt,
        beispielsweise für die Analyse von
        <xref alt="Named Entities" rid="glossary-named-entities">Named
        Entities</xref>.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-preprocessing">Preprocessing</styled-content></term>
      <def>
        <p>Für viele digitale Methoden müssen die zu analysierenden
        Texte vorab „bereinigt“ oder „vorbereitet“ werden. Für
        statistische Zwecke werden Texte bspw. häufig in gleich große
        Segmente unterteilt (<italic>chunking</italic>), Großbuchstaben
        werden in Kleinbuchstaben verwandelt oder Wörter werden
        <xref alt="lemmatisiert" rid="glossary-lemmatisieren">lemmatisiert</xref>.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-tagset">Tagset</styled-content></term>
      <def>
        <p>Ein Tagset definiert die Taxonomie, anhand derer
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        in einem Projekt erstellt werden. Ein Tagset beinhaltet immer
        mehrere Tags und ggf. auch Subtags. Ähnlich der
        <xref alt="Type/Token" rid="glossary-type-token">Type/Token</xref>
        -Differenz in der Linguistik sind Tags deskriptive Kategorien,
        wohingegen Annotationen die einzelnen Vorkommnisse dieser
        Kategorien im Text sind.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-tei">TEI</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die <italic>Text Encoding Initiative</italic> (TEI) ist ein
        Konsortium, das gemeinsam einen Standard für die Darstellung von
        Texten in digitaler Form entwickelt. Die TEI bietet
        beispielsweise Standards zur Kodierung von gedruckten Werken und
        zur Auszeichnung von sprachlichen Informationen in
        maschinenlesbaren Texten (siehe auch
        <xref alt="XML" rid="glossary-xml">XML</xref> und
        <xref alt="Markup" rid="glossary-markup">Markup</xref>).</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-type-token">Type/Token</styled-content></term>
      <def>
        <p>Das Begriffspaar „Type/Token“ wird grundsätzlich zur
        Unterscheidung von einzelnen Vorkommnissen (Token) und Typen
        (Types) von Wörtern oder Äußerungen in Texten genutzt. Ein Token
        ist also ein konkretes Exemplar eines bestimmten Typs, während
        ein Typ eine im Prinzip unbegrenzte Menge von Exemplaren (Token)
        umfasst.
        Es gibt allerdings etwas divergierende Definitionen zur
        Type-Token-Unterscheidung. Eine präzise Definition ist daher
        immer erstrebenswert. Der Satz „Ein Bär ist ein Bär.“ beinhaltet
        beispielsweise fünf Worttoken („Ein“, „Bär“, „ist“, „ein“,
        „Bär“) und drei Types, nämlich: „ein“, „Bär“, „ist“. Allerdings
        könnten auch vier Types, „Ein“, „ein“, „Bär“ und „ist“, als
        solche identifiziert werden, wenn Großbuchstaben beachtet
        werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-xml">XML</styled-content></term>
      <def>
        <p>XML steht für <italic>Extensible Markup Language</italic> und
        ist eine Form von
        <xref alt="Markup Language" rid="glossary-markup-language">Markup
        Language</xref>, die sowohl computer- als auch menschenlesbar
        und hochgradig anpassbar ist. Dabei werden Textdateien
        hierarchisch strukturiert dargestellt und Zusatzinformationen i.
        d. R. in einer anderen Farbe als der eigentliche (schwarz
        gedruckte) Text dargestellt. Eine standardisierte Form von XML
        ist das <xref alt="TEI" rid="glossary-tei">TEI</xref>-XML.</p>
      </def>
    </def-item>
  </def-list>
</sec>
</body>
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  <title>Bibliographie</title>
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