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<journal-title>forTEXT</journal-title>
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<issn publication-format="electronic">2943-212X</issn>
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<publisher-name>Universitäts- und Landesbibliothek
Darmstadt</publisher-name>
<publisher-loc>Darmstadt</publisher-loc>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/fortext.3756</article-id>
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<article-title>Ressourcenbeitrag: Tagset Narratologie
(discours)</article-title>
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<contrib contrib-type="author">
<contrib-id contrib-id-type="orcid">0000-0001-7217-3136</contrib-id>
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<surname>Jacke</surname>
<given-names>Janina</given-names>
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<email>jacke@ndl-medien.uni-kiel.de</email>
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<institution>Christian-Albrechts-Universität zu Kiel</institution>
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<pub-date date-type="pub" publication-format="electronic" iso-8601-date="2024-08-07">
<day>7</day>
<month>8</month>
<year>2024</year>
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<volume>1</volume>
<issue>4</issue>
<issue-title>Manuelle Annotation</issue-title>
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<event-desc>Erstveröffentlichung: 27.01.2020 auf <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://fortext.net/ressourcen/tagsets/tagset-narratologie-discours">fortext.net</ext-link>
<date date-type="origdate" iso-8601-date="2020-01-27">
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<year>2020</year>
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<license-p>-This work is licensed under a Creative Commons
Attribution-ShareAlike 4.0 International License.</license-p>
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<p><bold>Erstveröffentlichung:</bold> 27.01.2020 auf <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://fortext.net/ressourcen/tagsets/tagset-narratologie-discours">fortext.net</ext-link></p>
<sec id="kurzbeschreibung">
  <title>1. Kurzbeschreibung</title>
  <p>Das <xref alt="Tagset" rid="glossary-tagset">Tagset</xref>
  „Narratologie (discours)“ ist für die Annotation narrativer Elemente
  in Texten geeignet. Es enthält grundlegende Kategorien für die Analyse
  des Diskurses (<italic>discours</italic>, d. h. der Art und Weise der
  Darstellung) und basiert maßgeblich auf Arbeiten der strukturalistisch
  orientierten Narratologie. Das Tagset erhalten Sie auf
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://zenodo.org/records/10519648">Zenodo</ext-link>
  (<xref alt="forTEXT 2020" rid="ref-fortextTagsetNarratologieDiscours2020" ref-type="bibr">forTEXT
  2020</xref>).</p>
</sec>
<sec id="anwendungsbeispiel">
  <title>2. Anwendungsbeispiel</title>
  <p>Angenommen, Sie möchten an einem kleinen
  <xref alt="Korpus" rid="glossary-korpus">Korpus</xref>
  deutschsprachiger Novellen des 18. Jahrhunderts eine erste explorative
  Studie zu der Frage durchführen, ob bzw. in welchen Hinsicht sich die
  Erzählweise in kürzeren narrativen Texten im Laufe des Jahrhunderts
  verändert hat (z. B. hinsichtlich der zeitlichen Gestaltung oder
  hinsichtlich der Perspektive, aus der die Geschichte präsentiert
  wird). Sie können hierfür die im Tagset Narratologie (discours) zur
  Verfügung gestellten Kategorien für die
  <italic>discours</italic>-Analyse nutzen, um unterschiedliche Facetten
  der erzählerischen Darstellung in Ihrem Korpus manuell zu annotieren
  (<xref alt="Jacke 2024" rid="ref-jackeMethodenbeitragManuelleAnnotation2018" ref-type="bibr">Jacke
  2024</xref>). Diese Annotationen lassen sich dann beispielsweise
  mithilfe von Queries (vgl.
  <xref alt="Query" rid="glossary-query">Query</xref>) oder geeigneter
  Visualisierungen
  (<xref alt="Horstmann und Stange 2024" rid="ref-horstmannMethodenbeitragTextvisualisierung2018" ref-type="bibr">Horstmann
  und Stange 2024</xref>) untersuchen, um erste Muster zu erkennen.</p>
</sec>
<sec id="diskussion">
  <title>3. Diskussion</title>
  <p>Die Narratologie ist eine geisteswissenschaftliche Disziplin, die
  Prinzipien und Praktiken des Erzählens zum Gegenstand hat
  (<xref alt="Meister 2014" rid="ref-meisterNarratology2014" ref-type="bibr">Meister
  2014</xref>). In diesem Zusammenhang gehört zur narratologischen
  Arbeit zum einen die Entwicklung theoretischer Modelle für die
  Beschreibung, Analyse und teilweise Interpretation erzählender Texte,
  zum anderen die Erforschung konkreter (meist, aber nicht
  ausschließlich fiktionaler) Erzählungen.
  Die Narratologie ist in den 1960er Jahren aus dem russischen
  Formalismus und dem französischen Strukturalismus hervorgegangen und
  orientiert sich deswegen in ihrer Ursprungsform an den entsprechenden
  Forschungsparadigmen: Maßgeblich geprägt durch Gérard Genettes
  <italic>Discours du récit</italic>
  (<xref alt="Genette 2007" rid="ref-genetteDiscoursRecit2007" ref-type="bibr">Genette
  2007</xref>), konzentrieren sich narratologische Arbeiten insbesondere
  auf die Entwicklung von systematisch organisierten Kategorien zur
  genauen Beschreibung narrativer Textmerkmale (vor allem der Facetten
  der Darstellung: Wer erzählt die Geschichte, an wessen Perspektive
  orientiert sich die Erzählung, wie ist die Präsentation zeitlich
  organisiert?). Die strukturalistisch ausgerichtete Variante der
  Narratologie versteht sich aufgrund dieser festgelegten Maßstäbe und
  Systematiken als wenig kontextabhängiger bzw. wenig interpretativer
  Zugang zur Texterforschung, der meist intersubjektiv nachvollziehbare
  Ergebnisse liefert und als Heuristik für die Textinterpretation dienen
  kann
  (<xref alt="Kindt und Müller 2003" rid="ref-kindtWievielInterpretationEnthalten2003" ref-type="bibr">Kindt
  und Müller 2003</xref>).
  Ungefähr seit den 1980er, vermehrt seit den 1990er Jahren entwickelt
  sich die Narratologie dann zu einer zunehmend diverseren Disziplin
  bzw. zu einem Konglomerat von Unterdisziplinen. Hinzu kommen dabei im
  Rahmen sogenannter postklassischer Narratologien neue
  Untersuchungsgegenstände in Form anderer Medien
  (<xref alt="Kuhn 2011" rid="ref-kuhnFilmnarratologieErzahltheoretischesAnalysemodell2011" ref-type="bibr">Kuhn
  2011</xref>;
  <xref alt="Thon 2016" rid="ref-thonTransmedialNarratologyContemporary2016" ref-type="bibr">Thon
  2016</xref>) sowie neue Kontexte
  (<xref alt="Herman 1999" rid="ref-hermanNarratologiesNewPerspectives1999" ref-type="bibr">Herman
  1999</xref>). Besonders durch die Kopplung erzähltheoretischer
  Untersuchungen an bestimmte Kontexte (beispielsweise Leseforschung,
  Gendertheorie oder Kulturwissenschaft) transformieren sich
  narratologische Untersuchungen teilweise von beschreibender und
  analytischer Texterforschung zu einem genuin interpretativen
  Unterfangen. Gerade die strukturalistisch-formalistische Variante
  narratologischer Untersuchungen scheint aufgrund ihres Fokus auf
  Textbeschreibung und ihres systematischen Kategorieninventars
  prädestiniert für eine computergestützte Umsetzung. Tatsächlich gibt
  es bereits zahlreiche Projekte, die sich der Computational Narratology
  (<xref alt="Mani 2013" rid="ref-maniComputationalNarratology2013" ref-type="bibr">Mani
  2013</xref>) zuordnen lassen – insbesondere auch solche, die stark von
  Close-Reading-Methoden (vgl.
  <xref alt="Close Reading" rid="glossary-close-reading">Close
  Reading</xref>) und manueller Annotation
  (<xref alt="Jacke 2024" rid="ref-jackeMethodenbeitragManuelleAnnotation2018" ref-type="bibr">Jacke
  2024</xref>) Gebrauch machen
  (<xref alt="Bögel u. a. 2015" rid="ref-bögelCollaborativeTextAnnotation2015" ref-type="bibr">Bögel
  u. a. 2015</xref>;
  <xref alt="Brunner 2015" rid="ref-brunnerAutomatischeErkennungRedewiedergabe2015" ref-type="bibr">Brunner
  2015</xref>;
  <xref alt="Gius 2015" rid="ref-giusErzahlenUberKonflikte2015" ref-type="bibr">Gius
  2015</xref>;
  <xref alt="Modrow 2016" rid="ref-modrowWieSongsErzahlen2016" ref-type="bibr">Modrow
  2016</xref>). Dennoch eignen sich bestimmte digitale Methoden auch zur
  Unterstützung postklassisch-narratologischer Projekte – so
  beispielsweise hermeneutische Annotation.
  Die Kategorien des hier vorgestellten Tagsets sind weitgehend als
  Beschreibungskategorien zu verstehen und sind daher an keine bestimmte
  Interpretationstheorie gekoppelt. Je nach Ambiguität oder
  Deutungsoffenheit der mithilfe des Tagsets analysierten Texte kann die
  Annotation von Textelementen allerdings dennoch (bestimmte Formen von)
  Interpretation erfordern. Die Kategorien für die
  <italic>discours</italic>-Analyse orientieren sich weitestgehend an
  Genette
  (<xref alt="2007" rid="ref-genetteDiscoursRecit2007" ref-type="bibr">2007</xref>)
  – mit Ausnahme derjenigen zu Erzählebenen, die auf einem Modell von
  Ryan
  (<xref alt="1991" rid="ref-ryanPossibleWorldsArtificial1991" ref-type="bibr">1991</xref>)
  basieren. Das Tagset kann entsprechend als Reduktion und starke
  Vereinfachung der in Gius
  (<xref alt="2015" rid="ref-giusErzahlenUberKonflikte2015" ref-type="bibr">2015</xref>)
  bzw. Modrow
  (<xref alt="2016" rid="ref-modrowWieSongsErzahlen2016" ref-type="bibr">2016</xref>)
  entwickelten narratologischen Tagsets verstanden werden.</p>
</sec>
<sec id="tagset">
  <title>4. Tagset</title>
  <p>Sie können das Tagset Narratologie (discours) auf Zenodo über
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/10519648">diesen
  Link</ext-link>
  (<xref alt="forTEXT 2020" rid="ref-fortextTagsetNarratologieDiscours2020" ref-type="bibr">forTEXT
  2020</xref>) als <xref alt="XML" rid="glossary-xml">XML</xref>-Datei
  herunterladen, um es dann in geeignete Tools (beispielsweise
  <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://catma.de">CATMA</ext-link>
  (<xref alt="Schumacher 2024" rid="ref-schumacherToolbeitragCATMA2019" ref-type="bibr">Schumacher
  2024</xref>)) zu importieren und es dort zu verwenden. Abbildung 1
  zeigt die im Tagset enthaltenen Tags in ihrer hierarchischen Struktur
  sowie die Properties (vgl.
  <xref alt="Property" rid="glossary-property">Property</xref>) und
  Values.</p>
  <fig>
    <caption><p>Abb. 1: Tagset Narratologie (discours)</p></caption>
    <graphic mimetype="image" mime-subtype="png" xlink:href="Tagset_p.png" />
  </fig>
</sec>
<sec id="richtlinien-zur-anwendung">
  <title>5. Richtlinien zur Anwendung</title>
  <p>Zunächst ein allgemeiner Hinweis: Diese Richtlinien enthalten nur
  spezifische Anwendungshinweise für die Tags, die sich auf der
  untersten Hierarchieebene befinden (also beispielsweise nicht
  <italic>discours</italic>, <italic>Stimme</italic> oder
  <italic>Erzähler</italic>, sondern <italic>homodiegetisch</italic>
  oder <italic>heterodiegetisch</italic>). Hierarchisch höherliegende
  Kategorien dienen dagegen vor allem der Systematisierung.
  Im Folgenden werden die einzelnen Kategorien kurz definiert – für die
  Tags der untersten Hierarchieebene werden darüber hinaus Hinweise zur
  Länge der annotierten Passage und zu textuellen Indikatoren angegeben
  sowie i. d. R. ein Beispiel
  (<xref alt="Gius und Jacke 2016" rid="ref-giusZurAnnotationNarratologischer2016" ref-type="bibr">Gius
  und Jacke 2016</xref>).</p>
  <p><italic>discours</italic>: Die hier versammelten Kategorien dienen
  der Annotation der Art und Weise des Erzählens.</p>
  <sec id="stimme">
    <title>5.1 Stimme</title>
    <p><italic>Stimme</italic>: Diese
    <italic>discours</italic>-Kategorien werden für die Analyse der
    Erzählstimme verwendet.</p>
    <p><italic>Erzählebenen</italic>: Diese Unterkategorien zu
    <italic>Stimme</italic> dienen der Analyse von Rahmen- und
    Binnenerzählungen. Sie eignen sich als Einstieg für eine explorative
    narratologische Annotation. Erzählebenen segmentieren Erzählungen
    und haben Einfluss auf die weitere narratologische Analyse (s. u.).
    Dem in diesem Tagset operationalisierten Ebenenkonzept zufolge
    unterscheiden sich Erzählebenen entweder illokutionär (d. h. sie
    werden durch unterschiedliche Erzählinstanzen präsentiert) oder
    ontologisch (d. h. sie erzählen von verschiedenen Realitätssystemen;
    Beispiele finden Sie unten).</p>
    <p>Erzählebenen-Annotationen werden in der Regel gestapelt: Tritt
    beispielsweise im Rahmen einer sekundären Ebene eine tertiäre Ebene
    auf, wird die tertiäre Ebene an der relevanten Textstelle
    <italic>zusätzlich</italic> annotiert.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>primäre Ebene</italic>: Hierbei handelt es sich
        um die grundlegende Erzählebene, die jede Erzählung
        notwendigerweise aufweist.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. mehrere
            Absätze.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Die primäre Erzählebene umfasst
            normalerweise die gesamte Erzählung.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Hinweis: Da diese Annotation i. d. R. die gesamte
            Erzählung umfasst, empfiehlt es sich oft aus pragmatischen
            Gründen, sie wegzulassen.</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>sekundäre Ebene</italic>: Mit diesem Tag werden
        Passagen annotiert, die Erzählebenen enthalten, die direkt in
        die primäre Erzählebene eingebettet sind. Eine solche Einbettung
        kann durch eine illokutionäre Grenzüberschreitung stattfinden
        (d. h. eine erzählte Figur wird zur erzählenden; dies umfasst
        auch den Fall, in dem eine Erzählinstanz Äußerungen wiedergibt,
        die sie als erzählte Figur getätigt hat) oder durch eine
        ontologische Grenzüberschreitung (d. h. wenn in ein anderes
        Realitätssystem gewechselt wird, z. B. in Traumsequenzen,
        Wunschvorstellungen oder intratextuellen Fiktionen).</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Figurenrede (oft eingeleitet durch
            <italic>verba dicendi</italic> und/oder eingerahmt von
            Anführungsstrichen) für illokutionäre Grenzüberschreitungen;
            Konjunktiv oder <italic>verba pensiendi</italic> für
            ontologische Grenzüberschreitungen.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Property <italic>Grenzüberschreitung</italic>: Diese
            Property wird verwendet, um in Annotationen für sekundäre
            Erzählebenen festzuhalten, durch welche Art von
            Grenzüberschreitung die eingebettete Ebene entsteht.
            Mögliche Values sind <italic>illokutionär</italic> und
            <italic>ontologisch</italic> (s. o.). Es ist auch möglich,
            beide Values zusammen zu vergeben.</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „,<italic>Ich war krank!</italic>’ sagte Matteo
            leise.“ (C. F. Hebbel: <italic>Matteo</italic>;
            illokutionäre Grenzüberschreitung)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>tertiäre Ebene</italic>: Mit diesem Tag werden
        Passagen annotiert, die Erzählebenen enthalten, die direkt in
        sekundäre Erzählebenen eingebettet sind. In allen weiteren
        Punkten gleichen sie sekundären Erzählebenen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Am nächsten Morgen erzählte uns Frau von B.,
            daß sie geträumt habe, <italic>der schöne Armenier läge
            schlafend auf einer Bank […]</italic>“ (F. G. zu Reventlow:
            <italic>Das polierte Männchen</italic>; ontologische
            Grenzüberschreitung)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
    <p><italic>Erzählinstanz</italic>: Diese Kategorie ist ebenfalls der
    Analyse der Erzählstimme gewidmet. Das hier relevante Kriterium ist
    der ontologische Status der Erzählinstanz in Relation der von ihr
    erzählten Welt. Die Tags werden pro Erzählebene vergeben, d. h. es
    wird in der Regel eine gesamte Erzählebene mit einem Tag annotiert,
    auch wenn der ontologische Status der Erzählinstanz nicht in jedem
    Satz eindeutig markiert ist. In eingebetteten Erzählungen (sekundäre
    Ebene etc.) wird der ontologische Status des jeweiligen
    Binnenerzählers in Relation zu seiner Erzählung annotiert.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>homodiegetisch</italic>: Eine Erzählinstanz ist
        genau dann homodiegetisch, wenn sie Teil der erzählten Welt ist.
        Dabei ist unwichtig, welche Rolle sie in der erzählten
        Geschichte spielt.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. mehrere Absätze
            (entspricht Länge der Erzählebenen)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Verwendung von Pronomen in erster Person
            (Singular)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Da bin ich nun den ganzen Nachmittag
            in den Straßen herumspaziert, […]</italic>“ (A. Schnitzler:
            <italic>Blumen</italic>).</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>heterodiegetisch</italic>: Eine Erzählinstanz ist
        genau dann heterodiegetisch, wenn sie nicht Teil der erzählten
        Welt ist.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotieren Passage: i. d. R. mehrere Absätze
            (entspricht Länge der Erzählebenen)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: keine Verwendung von Pronomen in erster
            Person (Singular)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Mitschüler erzählten als Witz, seine
            Mutter sei Leichenbändigerin und seine Großmutter Löwenfrau
            gewesen. […]</italic>“ (J. Ringelnatz:
            <italic>Nervosipopel</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="modus">
    <title>5.2 Modus</title>
    <p><italic>Modus</italic>: Mit diesen
    <italic>discours</italic>-Kategorien wird die Perspektive
    analysiert, aus der die Ereignisse einer Geschichte präsentiert
    werden.</p>
    <p><italic>Distanz/Redewiedergabe</italic>: Die hier versammelten
    Tags dienen der Kategorisierung der Art und Weise, wie Figurenrede
    wiedergegeben wird. Mit diesen Formen der Redewiedergabe gehen
    zugleich verschiedene Grade der Mittelbarkeit der Darstellung
    einher. Die Analyse von Redewiedergabe kann auf der Annotation der
    Erzählebenen aufbauen, indem erstere auf alle als illokutionäre
    Grenzüberschreitungen ausgezeichneten Passagen angewandt wird.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>geringe Distanz/zitierte Rede</italic>: Mit
        diesem Tag werden alle Passagen ausgezeichnet, in denen
        Figurenrede wörtlich wiedergegeben wird.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze (entspricht Länge der Erzählebenen)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Anführungszeichen, Pronomen in erster
            Person</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „,<italic>Ihr betrachtet da mein
            Instrument</italic>’, sagte Albert“ (L. Tieck: <italic>Der
            Pokal</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>mittlere Distanz/transponierte Rede</italic>:
        Dieser Tag wird für Passagen verwendet, in denen Figurenrede in
        indirekter Rede wiedergegeben wird.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotieren Passage: i. d. R. Sätze oder Absätze
            (entspricht Länge der Erzählebenen)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Konjunktiv, weitgehende Beibehaltung
            figuraler Ausdrucksweise mit Ausnahme von Personalpronomen
            und indexikalischen Ausdrücken</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „<italic>Er hätte jetzt überhaupt viel in der
            Stadt zu thun</italic>, sagte sie […]“ (J. Proelß:
            <italic>Lili</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>hohe Distanz/erzählte Rede</italic>: Mit diesem
        Tag werden Passagen versehen, in denen figurale Äußerungen
        (stark) zusammengefasst werden.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotieren Passage: i. d. R. Teilsätze ode
            Sätze (entspricht Länge der Erzählebenen)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Konjunktiv, Abweichung von figuraler
            Ausdrucksweise, (starke) Verkürzung</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Herr Bulverin, so hieß der Drogist, wußte
            <italic>nur Gutes</italic> an die alten Daddeldus zu
            berichten.“ (J. Ringelnatz:
            <italic>Nervosipopel</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
    <p><italic>Fokalisierung</italic>: Mithilfe dieser Tags wird
    festgehalten, an wessen Wahrnehmung bzw. Wissen sich die Darstellung
    in einer bestimmten Textpassage orientiert.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Nullfokalisierung</italic>: Eine Passage gilt
        genau dann als nullfokalisiert, wenn keine Einschränkung der
        Wahrnehmung bzw. des Wissens erkennbar ist, d. h. wenn eine
        allwissende Erzählinstanz anzunehmen ist. Die Erzählinstanz weiß
        also mehr als eine Figur (bzw. als alle Figuren zusammen).</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Erzählen von Ereignissen, von denen keine
            der Figuren weiß</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „[…] Allen war die unerwartete Erscheinung des
            Fürsten Isidor ein unerklärliches Rätsel, denn niemand
            wußte, daß Fürst Isidor, durch das Alter, überdem aber noch
            durch falsches Haar, durch Schminke entstellt und auf diese
            Weise unerkannt, im Lande hauste, daß er in den letzten
            Tagen in jenem verfallenen Schloß auf den Tod des Fürsten
            lauerte.“ (E. T. A. Hoffmann: <italic>Die
            Doppeltgänger</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>interne Fokalisierung</italic>: Eine Passage ist
        intern fokalisiert, wenn sie sich an der Wahrnehmung bzw. dem
        Wissen einer Figur orientiert – d. h. die Erzählinstanz weiß so
        viel wie eine Figur.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Verben der Wahrnehmung, die sich auf eine
            Figur als Subjekt beschränken</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Da sah er die ganze Herrlichkeit Gottes um
            sich gebreitet. All die wunderbaren in goldenem Violett
            schimmernden Berge, die Seen mit ihrem halbversteckten
            Flimmer […]“ (M. Janitschek: <italic>Poverino</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>externe Fokalisierung</italic>: Eine externe
        Fokalisierung liegt vor, wenn sich die Erzählung auf die
        unkommentierte Darstellung äußerer Geschehnisse beschränkt. Die
        Erzählinstanz weiß also weniger als eine Figur.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: keine Verben der Wahrnehmung</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Vom großen Dom erscholl das vormittägige
            Geläute. Über den weiten Platz wandelten in verschiedenen
            Richtungen Männer und Weiber, Wagen fuhren vorüber und
            Priester gingen nach ihren Kirchen. […]“ (L. Tieck:
            <italic>Der Pokal</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
  <sec id="zeit">
    <title>5.3 Zeit</title>
    <p><italic>Zeit</italic>: Diese <italic>discours</italic>-Kategorien
    dienen der Analyse des temporalen Verhältnisses zwischen den
    erzählten Ereignissen und ihrer Präsentation in der Erzählung.</p>
    <p><italic>Ordnung</italic>: Unter der zeitlichen Ordnung wird die
    Reihenfolge der Präsentation der Ereignisse im Verhältnis zur
    tatsächlichen Reihenfolge der Ereignisse in der erzählten Welt
    verstanden. (Ontologisch verschiedene Erzählebenen können zueinander
    nicht im Rahmen von Ordnungsanalysen in Beziehung gesetzt werden.)
    Ein häufiger Fall ist hierbei die chronologische Darstellung, bei
    der die Reihenfolge der Präsentation der Reihenfolge der Ereignisse
    entspricht. Passagen, in denen in die chronologische Erzählung
    zeitliche Vor- oder Rückgriffe eingeschoben werden, werden
    anachronisch genannt und als Abweichungen im Text annotiert. Hierbei
    werden die folgenden zwei Fälle unterschieden:</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Analepse</italic>: Eine Passage, durch die eine
        chronologische Erzählung unterbrochen wird, um von früheren
        Ereignisse zu berichten, wird Analepse genannt.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Teilsätze, Sätze
            oder Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Tempus, das Vorzeitigkeit ausdrückt (z. B.
            Plusquamperfekt); charakteristische Zeitausdrücke (z. B.
            „früher“, „vor einiger Zeit“, „drei Jahre zuvor“)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Jetzt sah man, was geschehen war: <italic>der
            Hansjörg hatte sich am mittleren Gelenk den Zeigefinger der
            rechten Hand abgeschossen</italic>.“ (B. Auerbach:
            <italic>Die Kriegspfeife</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>Prolepse</italic>: Eine Passage, durch die eine
        chronologische Erzählung unterbrochen wird, um Ereignisse
        vorwegzunehmen, die in der Zukunft stattfinden, wird Prolepse
        genannt.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Teilsätze, Sätze
            oder Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Tempus, das Zukunft ausdrückt (z. B. Futur);
            charakteristische Zeitausdrücke (z. B. „später“, „nach ein
            paar Wochen“)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Gleich beim ersten Anblick des Hundes war er
            von der Zuneigung ergriffen worden, <italic>die dauern
            sollte bis zu seinem letzten Atemzuge</italic>.“ (M. von
            Ebner-Eschenbach: <italic>Krambambuli</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
    <p><italic>Dauer</italic>: Diese Kategorien dienen der Analyse des
    Erzähltempos, d. h. des Verhältnisses zwischen der Zeitspanne, in
    der die erzählten Ereignisse in der erzählten Welt stattgefunden
    hat, und der Zeitspanne, die das Erzählen davon dauert. (Im Falle
    von Erzählebenen, die durch illokutionäre Grenzüberschreitung
    zustande kommen, sollte im Rahmen von Dauer-Analysen zunächst nur
    die Dauer der Wiedergabe des figuralen Sprechakts annotiert werden.)
    In der Regel ist nach einer gründlichen Dauer-Analyse
    <italic>jede</italic> Textstelle mit einem Dauer-Tag annotiert.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p>Tag <italic>zeitraffend</italic>: Wenn Ereignisse
        zusammengefasst werden, die erzählte Zeit also länger ist als
        die Erzählzeit, dann wird dies als zeitraffendes Erzählen
        bezeichnet.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: Zeitausdrücke, die längere Zeitspannen
            zusammenfassen (z. B. „ein Jahr lang“)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Acht Wochen habe ich in dieser Entlegenheit
            verlebt“ (G. Trakl: <italic>Traumland. Eine
            Episode</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>zeitdeckend</italic>: Zeitdeckendes Erzählen
        liegt vor, wenn die Erzählung von Ereignissen genau so lange
        dauert wie die Ereignisse selbst.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: zitierte Rede</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „,Drei! Nicht wahr?’ ,Ja! Erst!!’ ,Schön! … Ist
            noch Bier da?’ ‚Ja! Ich glaube.‘“ (A. Holz und J. Schlaf:
            <italic>Ein Tod</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p>Tag <italic>zeitdehnend</italic>: Zeitdehnend ist Erzählen
        dann, wenn die Erzählzeit länger ist als die Ereignisse, von
        denen berichtet wird.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: deskriptive Einschübe</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Ich trat an das Fenster und bemerkte –
            obgleich wir uns im zweiten Stockwerk befanden – dicht vor
            den Scheiben ein gewaltiges, störriges und sträubiges Roß,
            das mit flatternder Mähne in der Luft zu schweben schien.“
            (J. von Eichendorff: <italic>Auch ich war in
            Arkadien</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
    <p><italic>Frequenz</italic>: Diese Kategorien dienen der Analyse
    des Verhältnisses der Häufigkeit, mit der Ereignisse in der fiktiven
    Welt stattgefunden haben, zu der Häufigkeit, mit der von ihnen
    erzählt wird. Der häufige Fall, dass ein Ereignis so oft erzählt
    wird, wie es stattfindet, wird nicht annotiert.</p>
    <list list-type="bullet">
      <list-item>
        <p><italic>repetitiv</italic>: Repetitives Erzählen liegt vor,
        wenn von einem Ereignis, das einmal stattfand, mehrmals
        berichtet wird.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „‚Ich halte Sie nämlich für einen Philosophen
            […]‘“; „Doktor Gudehus hält mich für einen Philosophen […]“
            (T. Mann: <italic>Der Tod</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
      <list-item>
        <p><italic>iterativ</italic>: Wenn ein Ereignis (bzw. Ereignisse
        eines Ereignistyps) mehrmals stattfand, aber nur einmal davon
        erzählt wird, spricht man von iterativem Erzählen.</p>
        <list list-type="bullet">
          <list-item>
            <p>Länge der annotierten Passage: i. d. R. Sätze oder
            Absätze</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Indikatoren: charakteristische Zeitausdrücke (z. B.
            „jeden Morgen“, „immer wieder“)</p>
          </list-item>
          <list-item>
            <p>Beispiel: „Oftmals, wenn meine Gedanken sich wie graue
            Gewässer vor mir ausbreiten […] sehe ich etwas wie den
            Zusammenhang der Dinge […]“ (T. Mann: <italic>Der
            Tod</italic>)</p>
          </list-item>
        </list>
      </list-item>
    </list>
  </sec>
</sec>
<sec id="externe-und-weiterführende-links">
  <title>Externe und weiterführende Links</title>
  <list list-type="bullet">
    <list-item>
      <p>CATMA:
      <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://web.archive.org/save/https://catma.de">https://web.archive.org/save/https://catma.de</ext-link>
      (Letzter Zugriff: 03.07.2024)</p>
    </list-item>
    <list-item>
      <p>Tagset „Narratologie (discours)“ auf Zenodo:
      <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/10519648">https://web.archive.org/save/https://zenodo.org/records/10519648</ext-link>
      (Letzter Zugriff: 03.07.2024)</p>
    </list-item>
  </list>
</sec>
<sec id="glossar">
  <title>Glossar</title>
  <def-list>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-annotation">Annotation</styled-content></term>
      <def>
        <p>Annotation beschreibt die manuelle oder automatische
        Hinzufügung von Zusatzinformationen zu einem Text. Die manuelle
        Annotation wird händisch durchgeführt, während die
        (teil-)automatisierte Annotation durch
        <xref alt="Machine-Learning-Verfahren" rid="glossary-machine-learning">Machine-Learning-Verfahren</xref>
        durchgeführt wird. Ein klassisches Beispiel ist das
        automatisierte
        <xref alt="PoS-Tagging" rid="glossary-pos">PoS-Tagging</xref>
        (Part-of-Speech-Tagging), welches oftmals als Grundlage
        (<xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>)
        für weitere Analysen wie Named Entity Recognition (NER) nötig
        ist. Annotationen können zudem deskriptiv oder analytisch
        sein.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-browser">Browser</styled-content></term>
      <def>
        <p>Mit Browser ist in der Regel ein Webbrowser gemeint, also ein
        Computerprogramm, mit dem das Anschauen, Navigieren auf, und
        Interagieren mit Webseiten möglich wird. Am häufigsten genutzt
        werden dafür Chrome, Firefox, Safari oder der Internet
        Explorer.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-close-reading">Close
      Reading</styled-content></term>
      <def>
        <p>Close Reading bezeichnet die sorgfältige Lektüre und
        Interpretation eines einzelnen oder weniger Texte. Close Reading
        ist in der digitalen Literaturwissenschaft außerdem mit der
        manuellen
        <xref alt="Annotation" rid="glossary-annotation">Annotation</xref>
        textueller Phänomene verbunden (vgl. auch
        <xref alt="Distant Reading" rid="glossary-distant-reading">Distant
        Reading</xref> als Gegenbegriff).</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-distant-reading">Distant
      Reading</styled-content></term>
      <def>
        <p>Distant Reading ist ein Ansatz aus den digitalen
        Literaturwissenschaften, bei dem computationelle Verfahren auf
        häufig große Mengen an Textdaten angewandt werden, ohne dass die
        Texte selber gelesen werden. Meist stehen hier quantitative
        Analysen im Vordergrund, es lassen sich jedoch auch qualitative
        <xref alt="Metadaten" rid="glossary-metadaten">Metadaten</xref>
        quantitativ vergleichen. Als Gegenbegriff zu
        <xref alt="Close Reading" rid="glossary-close-reading"><italic>Close
        Reading</italic></xref> wurde der Begriff insbesondere von
        Franco Moretti (2000) geprägt.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-feature">Feature</styled-content></term>
      <def>
        <p>Unter Features können Einzelfunktionen eines Tools verstanden
        werden, die beispielsweise komplexe Funktionen wie die
        Visualisierung eines Textes als
        <xref alt="Wordcloud" rid="glossary-wordcloud">Wordcloud</xref>
        ermöglichen, oder auch kleinere Funktionseinheiten wie den
        Abgleich einzelner Spracheigenschaften
        (<xref alt="Properties" rid="glossary-property">Properties</xref>)
        mit
        <xref alt="annotierten" rid="glossary-annotation">annotierten</xref>
        Beispieltexten darstellen.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-html">HTML</styled-content></term>
      <def>
        <p>HTML steht für <italic>Hypertext Markup Language</italic> und
        ist eine textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung
        elektronischer Dokumente. HTML-Dokumente werden von
        <xref alt="Webbrowsern" rid="glossary-browser">Webbrowsern</xref>
        dargestellt und geben die Struktur und Online-Darstellung eines
        Textes vor. HTML-Dateien können außerdem zusätzliche
        <xref alt="Metainformationen" rid="glossary-metadaten">Metainformationen</xref>
        enthalten, die auf einer Webseite selbst nicht ersichtlich
        sind.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-korpus">Korpus</styled-content></term>
      <def>
        <p>Ein Textkorpus ist eine Sammlung von Texten. Korpora (Plural
        für „das Korpus“) sind typischerweise nach Textsorte, Epoche,
        Sprache oder Autor*in zusammengestellt.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-lemmatisieren">Lemmatisieren</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die Lemmatisierung von Textdaten gehört zu den wichtigen
        <xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>-Schritten
        in der Textverarbeitung. Dabei werden alle Wörter
        (<xref alt="Token" rid="glossary-type-token">Token</xref>) eines
        Textes auf ihre Grundform zurückgeführt. So werden
        beispielsweise Flexionsformen wie „schneller“ und „schnelle“ dem
        Lemma „schnell“ zugeordnet.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-machine-learning">Machine
      Learning</styled-content></term>
      <def>
        <p>Machine Learning, bzw. maschinelles Lernen im Deutschen, ist
        ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz. Auf Grundlage
        möglichst vieler (Text-)Daten erkennt und erlernt ein Computer
        die häufig sehr komplexen Muster und Gesetzmäßigkeiten
        bestimmter Phänomene. Daraufhin können die aus den Daten
        gewonnen Erkenntnisse verallgemeinert werden und für neue
        Problemlösungen oder für die Analyse von bisher unbekannten
        Daten verwendet werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-markup">Markup
      (Textauszeichung)</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die Textauszeichnung (eng. <italic>Markup</italic>) fällt in
        den Bereich der Daten- bzw. Textverarbeitung, genauer in das
        Gebiet der Textformatierung, welche durch
        <xref alt="Auszeichnungssprachen" rid="glossary-markup-language">Auszeichnungssprachen</xref>
        wie <xref alt="XML" rid="glossary-xml">XML</xref> implementiert
        wird. Dabei geht es um die Beschreibung, wie einzelne Elemente
        eines Textes beispielsweise auf Webseiten grafisch dargestellt
        werden sollen.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-markup-language">Markup
      Language</styled-content></term>
      <def>
        <p>Markup Language bezeichnet eine maschinenlesbare
        Auszeichnungssprache, wie z.B.
        <xref alt="HTML" rid="glossary-html">HTML</xref>, zur
        Formatierung und Gliederung von Texten und anderen Daten. So
        werden beispielsweise auch
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        durch ihre Digitalisierung oder ihre digitale Erstellung zu
        Markup, indem sie den Inhalt eines Dokumentes strukturieren.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-metadaten">Metadaten</styled-content></term>
      <def>
        <p>Metadaten oder Metainformationen sind strukturierte Daten,
        die andere Daten beschreiben. Dabei kann zwischen
        administrativen (z. B. Zugriffsrechte, Lizenzierung),
        deskriptiven (z. B. Textsorte), strukturellen (z. B. Absätze
        oder Kapitel eines Textes) und technischen (z. B. digitale
        Auflösung, Material) Metadaten unterschieden werden. Auch
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        bzw.
        <xref alt="Markup" rid="glossary-markup-language">Markup</xref>
        sind Metadaten, da sie Daten/Informationen sind, die den
        eigentlichen Textdaten hinzugefügt werden und Informationen über
        die Merkmale der beschriebenen Daten liefern.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-named-entities">Named
      Entities</styled-content></term>
      <def>
        <p>Eine Named Entity (NE) ist eine Entität, oft ein Eigenname,
        die meist in Form einer Nominalphrase zu identifizieren ist.
        Named Entities können beispielsweise Personen wie „Nils
        Holgerson“, Organisationen wie „WHO“ oder Orte wie „New York“
        sein. Named Entities können durch das Verfahren der Named Entity
        Recognition (NER) automatisiert ermittelt werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-pos">POS</styled-content></term>
      <def>
        <p>PoS steht für <italic>Part of Speech</italic> , oder
        „Wortart“ auf Deutsch. Das PoS-
        <xref alt="Tagging" rid="glossary-annotation">Tagging</xref>
        beschreibt die (automatische) Erfassung und Kennzeichnung von
        Wortarten in einem Text und ist of ein wichtiger
        <xref alt="Preprocessing" rid="glossary-preprocessing">Preprocessing</xref>-Schritt,
        beispielsweise für die Analyse von
        <xref alt="Named Entities" rid="glossary-named-entities">Named
        Entities</xref>.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-preprocessing">Preprocessing</styled-content></term>
      <def>
        <p>Für viele digitale Methoden müssen die zu analysierenden
        Texte vorab „bereinigt“ oder „vorbereitet“ werden. Für
        statistische Zwecke werden Texte bspw. häufig in gleich große
        Segmente unterteilt (<italic>chunking</italic>), Großbuchstaben
        werden in Kleinbuchstaben verwandelt oder Wörter werden
        <xref alt="lemmatisiert" rid="glossary-lemmatisieren">lemmatisiert</xref>.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-property">Property</styled-content></term>
      <def>
        <p>Property steht für „Eigenschaft“, „Komponente“ oder
        „Attribut“. In der automatischen
        <xref alt="Annotation" rid="glossary-annotation">Annotation</xref>
        dienen konkrete Worteigenschaften wie Groß- und Kleinschreibung
        zur Klassifizierung von Wörtern oder Phrasen. Durch die
        Berücksichtigung solcher Eigenschaften in den
        <xref alt="Features" rid="glossary-feature">Features</xref>
        eines Tools kann
        <xref alt="maschinelles Lernen" rid="glossary-machine-learning">maschinelles
        Lernen</xref> bestimmter Phänomene umgesetzt werden. In der
        manuellen Annotation können als Properties auch Eigenschaften
        von
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        benannt werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-query">Query</styled-content></term>
      <def>
        <p><italic>Query</italic> bedeutet „Abfrage“ oder „Frage“ und
        bezeichnet eine computergestützte Abfrage zur Analyse eines
        Textes. Um Datenbestände zu durchsuchen, werden Abfragesprachen
        eingesetzt, die <italic>Queries</italic> (Anfragen) an den
        Datenbestand senden. So bilden alle möglichen Queries zusammen
        die <italic>Query Language</italic> eines Tools.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-tagset">Tagset</styled-content></term>
      <def>
        <p>Ein Tagset definiert die Taxonomie, anhand derer
        <xref alt="Annotationen" rid="glossary-annotation">Annotationen</xref>
        in einem Projekt erstellt werden. Ein Tagset beinhaltet immer
        mehrere Tags und ggf. auch Subtags. Ähnlich der
        <xref alt="Type/Token" rid="glossary-type-token">Type/Token</xref>
        -Differenz in der Linguistik sind Tags deskriptive Kategorien,
        wohingegen Annotationen die einzelnen Vorkommnisse dieser
        Kategorien im Text sind.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-tei">TEI</styled-content></term>
      <def>
        <p>Die <italic>Text Encoding Initiative</italic> (TEI) ist ein
        Konsortium, das gemeinsam einen Standard für die Darstellung von
        Texten in digitaler Form entwickelt. Die TEI bietet
        beispielsweise Standards zur Kodierung von gedruckten Werken und
        zur Auszeichnung von sprachlichen Informationen in
        maschinenlesbaren Texten (siehe auch
        <xref alt="XML" rid="glossary-xml">XML</xref> und
        <xref alt="Markup" rid="glossary-markup">Markup</xref>).</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-type-token">Type/Token</styled-content></term>
      <def>
        <p>Das Begriffspaar „Type/Token“ wird grundsätzlich zur
        Unterscheidung von einzelnen Vorkommnissen (Token) und Typen
        (Types) von Wörtern oder Äußerungen in Texten genutzt. Ein Token
        ist also ein konkretes Exemplar eines bestimmten Typs, während
        ein Typ eine im Prinzip unbegrenzte Menge von Exemplaren (Token)
        umfasst.
        Es gibt allerdings etwas divergierende Definitionen zur
        Type-Token-Unterscheidung. Eine präzise Definition ist daher
        immer erstrebenswert. Der Satz „Ein Bär ist ein Bär.“ beinhaltet
        beispielsweise fünf Worttoken („Ein“, „Bär“, „ist“, „ein“,
        „Bär“) und drei Types, nämlich: „ein“, „Bär“, „ist“. Allerdings
        könnten auch vier Types, „Ein“, „ein“, „Bär“ und „ist“, als
        solche identifiziert werden, wenn Großbuchstaben beachtet
        werden.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-wordcloud">Wordcloud</styled-content></term>
      <def>
        <p>Eine <italic>Wordcloud</italic> , oder auch Schlagwortwolke,
        ist eine Form der Informationsvisualisierung, beispielsweise von
        Worthäufigkeiten in einem Text oder einer Textsammlung. Dabei
        werden unterschiedlich gewichtete Wörter, wie die häufigsten
        Wörter, i.d.R. größer oder auf andere Weise hervorgehoben
        dargestellt. Die horizontale/vertikale Ausrichtung und die Farbe
        der dargestellten Wörter hat meistens allerdings keinen
        semantischen Mehrwert.</p>
      </def>
    </def-item>
    <def-item>
      <term><styled-content id="glossary-xml">XML</styled-content></term>
      <def>
        <p>XML steht für <italic>Extensible Markup Language</italic> und
        ist eine Form von
        <xref alt="Markup Language" rid="glossary-markup-language">Markup
        Language</xref>, die sowohl computer- als auch menschenlesbar
        und hochgradig anpassbar ist. Dabei werden Textdateien
        hierarchisch strukturiert dargestellt und Zusatzinformationen i.
        d. R. in einer anderen Farbe als der eigentliche (schwarz
        gedruckte) Text dargestellt. Eine standardisierte Form von XML
        ist das <xref alt="TEI" rid="glossary-tei">TEI</xref>-XML.</p>
      </def>
    </def-item>
  </def-list>
</sec>
</body>
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  <title>Bibliographie</title>
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